Heilung aus der Tiefe: Nils Backe, der die Physiotherapiepraxis Reha-Concept leitet, hat die Ausstellung zur Kulturgeschichte des Kurortes bei Stadtführer Christian Barnbeck in Auftrag gegeben. - © Thorsten Gödecker
Heilung aus der Tiefe: Nils Backe, der die Physiotherapiepraxis Reha-Concept leitet, hat die Ausstellung zur Kulturgeschichte des Kurortes bei Stadtführer Christian Barnbeck in Auftrag gegeben. | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen Ausstellung erinnert an Vergangenheit des "Preußischen Staatsbades"

Die fast vergessene Kultur der Kur

Thorsten Gödecker
20.10.2016 | Stand 19.10.2016, 20:50 Uhr

Bad Oeynhausen. Das Sonnenlicht, das durch die Kuppel in die Rotunde des Badehaues II fällt, bricht sich in den Gipskristallen in der Vitrine. Texttafeln erklären, dass die Kristalle aus Rohrleitungen gebrochen wurden, in denen sie sich sich von der Sole schieden, die am Beginn der Stadtgeschichte stand. Bis zum 16. November dokumentiert Reha-Concept in einer Ausstellung die Geschichte der heimischen Badekultur. Zusammengestellt hat Stadtführer Christian Barnbeck die kleine aber feine Schau. "Vieles davon habe ich nicht gewusst", sagt Niels Backe, der Leiter des Rehabilitationszentrums, der die Ausstellung anlässlich des 20-jährigen Bestehens von Reha-Concept in Auftrag gegeben hat. Backe betont, er sei Bad Oeynhausener und wundert sich, dass ihm die zwar kurze aber abwechslungsreiche Geschichte seiner Heimatstadt so noch nicht untergekommen sei. Während der Physiotherapeut im Badehaus II von der Geschichte der ambulanten Badekur schwärmt, kommt Wehmut auf. "Wir sind die letzten in Bad Oeynhausen, die noch in dieser Tradition stehen." Von Kur ist schon lange keine Rede mehr, die Kassen nennen das nun "ambulante Vorsorgeleistung". Auf die habe jeder gesetzlich Versicherte alle drei Jahre ein Anrecht, erklärt Backe. Darin sieht er auch eine Chance für Bad Oeynhausen, schließlich gebe es kaum einen Ort in der Republik, wo man mehr über die Kur und das Kuren wissen müsste. Während er das sagt, steht auf dem 131 Jahre alten Mosaik der Gesundheitsgöttin Hygieia, die verspricht "Qui si sana" (Hier wird man gesund). Leider , so Backe, sei das Wissen über und das Bewusstsein für den Schatz, den die Kurstadt lange gehortet habe, nach und nach verloren gegangen. Auch deshalb wolle man mit der Ausstellung an historischer Städte für dieses Erbe sensibilisieren. Der Nachlass besteht zunächst aus der Sole, die - so verrät es die Ausstellung - über 240 Millionen Jahre alt ist. Noch sind zwei Badezellen im Badehaus II in Betrieb. "400 bis 600 Mal pro Jahr werden die beiden Edelstahlwannen die eine Dampfheizung auf Temperatur bringt, gefüllt", berichtet Backe. Tendenz fallend. Dabei könne jeder Mediziner die Heilbäder verordnen. Was Bad Oeynhausen einst erschaffen und dann groß gemacht habe, werde seit Jahrzehnten nur noch stiefmütterlich behandelt, stellt Backe fest. "Dabei ist der Bedarf riesig und birgt viele Chancen." Die Ausstellung spürt knapp aber präzise der Geschichte jener Quellen nach, um die die Preußen einen Park und dann eine Stadt bauten. Barnbeck schafft es, das Wesentliche auf einigen Tafeln so zu versammeln, dass das Einmalige der Stadtgeschichte schnell aber informativ nachvollzogen werden kann. Er zeigt auf, warum die Stadt um den Park herum entstand und was das Ganze mit Arkadien zu tun hat. Den Faible der Preußen für das antike Griechenland und alte Rom erklärt er ebenso, wie die einmalige Zusammensetzung der Sole und ihre Anwendungsgebiete. Barnbeck dokumentiert, was übrig bleibt, wenn man die Sole siedet und stellt historische Gerätschaften und Dokumente aus dem Fundus der heimischen Badekultur aus. Reha-Concept halbiert zum Jubiläum den Preis für ein Solebad, dem man "puterrot aber wohlig erschöpft" entsteigt, verspricht Backe. Das Sonderangebot soll vor allem die Bad Oeynhausener locken, "sich in die eigen Suppe zu legen" sagt Backe. "Das ist eine Erfahrung, auf die kein Kurstädter verzichten sollte." Themen der Austellung Bad Oeynhausen – Die Stadt aus dem Sprudel: Das Phänomen der Heilquellen Arkadien in Ostwestfalen – Eine Interpretation: Bedeutung und Funktion des Kurparks Das grüne Herz der Stadt – Entwicklung des Kurparks Heilung aus der Tiefe – Therapie und Indikation: Welche Krankheiten wurden mit den Heilquellen behandelt?l „Bad Oeynhausen wollen wir schonen, dort wollen wir selber wohnen" – Die britische Besatzungszeit Die Ausstellung zur Kultur- und Badegeschichte Bad Oeynhausens ist bis zum 16. November in der Rotunde des Badehauses II (Westkorso 22), dem Sitz von Reha-Concept zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr geöffnet.

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