Bekommt Ärger: Tante Pollys Geduld ist am Ende und sie wirft Tom Sawyer (Christoph Gummert) aus dem Bett. - © Foto: Elke Niedringhaus-Haasper
Bekommt Ärger: Tante Pollys Geduld ist am Ende und sie wirft Tom Sawyer (Christoph Gummert) aus dem Bett. | © Foto: Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen Das Landestheater Detmold zeigt Tom Sawyers Abenteuer

Das Musical „Tom Sawyer und Huckelberry Finn“ kam hervorragend beim Publikum an

Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen. Abenteuer, Mutproben und die erste Liebe: Das Detmolder Landestheater hat mit „Tom Sawyer und Huckelberry Finn" eines der berühmtesten Bücher der Weltliteratur auf die Bühne gebracht. Und zwar als charmantes Musical, in dem von Kurt Weill komponierte Songs den Ton angeben. Im Theater im Park, wo die Lipper jetzt zu einem Gastspiel vorbeischauten, kam die Geschichte um die beiden Freunde hervorragend an. Und das zu Recht. Denn die Inszenierung von Rainer Holzapfel unterhält mit ihrer gelungenen Mischung aus Spannung und Humor mehrere Generationen gleich gut. Eine stark angeschrägte Bühne aus lichtdurchlässigen Holzbrettern: Petra Mollerus hat ein schlichtes Bühnenbild eingerichtet, das sich mit wenigen Handgriffen mal in eine Schule, dann in einen Badesteg und ein Gefängnis und später sogar in eine große Höhle verwandelt lässt. Besonders stimmungsvoll ist das, wenn sich die Bretterwand öffnet und den Blick auf den endlos dahinfließenden Mississippi freigibt. Mal geheimnisvoll, dann wieder fröhlich und manchmal sogar romantisch: Rainer Holzapfel sspielt die komplette Klaviatur von Mark Twains Roman aus. Tom Sawyer, der eine starke Abneigung gegen Schule und Hausarbeiten hat und sein Freund Huckelberry Finn, der durchs Leben vagabundiert, haben für jede Altersklasse was im Gepäck und deshalb trifft die Bezeichnung „Familienmusical" die Inszenierung auch auf den Punkt. Auch wenn Petra Mollerus die Darsteller in historische Kostüme aus dem Amerika des 19. Jahrhunderts steckt, wirkt die Geschichte keinesfalls verstaubt, sondern im Gegenteil taufrisch. Das liegt auch an dem Ensemble, das mit herrlich überzeichneten und skurrilen Charakteren für gelöste Stimmung im Publikum sorgt. Christoph Gummert als Tom und Roman Weltzien als Huckelberry spielen derart lebendig, dass man sich ihnen einfach nicht entziehen kann. Hartmut Jonas als Toms Halbbruder Sid schießt genauso den Vogel ab, wenn er sich weinerlich an die überdimensionierte Brust seiner Mutter lehnt wie Nils Willers als verschrobene Witwe Douglas im Vogelscheuchenkostüm. Der große Griff der Inszenierung ist aber die Musik. Wolfgang Böhmer arrangiert das unvollendet gebliebene Musical von Kurt Weill und die Gesangstexte, die John von Düffel aus anderen Musicals des Komponisten dazugefügt hat, zu einem Panoptikum unterschiedlichster Stimmungen. Das famose Muff Potter Orchester lässt unter dem Dirigat von Hye Ryung Lee mal die zarte Romanze zwischen Tom und Becky, dann wieder eine unheimliche Friedhofsstimmung oder starke Begräbnismusik aus dem Orchestergraben schwappen und steigert sich beim Finale im Höhlenlabyrinth in bemerkenswerte Spähren.

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