Sanfte Griffe: Osteopathin Maria Hofericova übt sanften Druck auf die Wirbelsäule von Nicole Grüttner aus. - © Nicole Sielermann
Sanfte Griffe: Osteopathin Maria Hofericova übt sanften Druck auf die Wirbelsäule von Nicole Grüttner aus. | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen „Der Körper lügt nicht“

Natürlich heilen: Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die von immer mehr Krankenkassen bezahlt wird. Therapeutin Maria Hofericova versucht, dem Körper Steine aus dem Weg zu räumen

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Sanft, ganz sanft legt Maria Hofericova ihre Hände an den Kopf der Patientin. Mit ebenso sanftem Druck bringt sie die junge Frau in die richtige gerade Lage. Beinahe unbemerkt. Gerade das macht die Osteopathie aus. Mit wenigen Handgriffen werden die Systeme des Körpers in die richtigen Bahnen gelenkt. Den Rest muss der Körper selbst schaffen. „Wir versuchen, die Ursachen zu finden und zu beheben", betont Hofericova. Immer mehr Rückenpatienten suchen mittlerweile den Weg zu einem Osteopathen. Von dieser alternativen Heilmethode versprechen sie sich Hilfe. Sie ist oft der letzte Strohhalm für Schmerzpatienten. „Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Methode, die alle Strukturen des Körpers entsprechend behandelt", erklärt Maria Hofericova. Sowohl Muskeln, als auch Knochen und neurologische Strukturen. „Der Körper muss in jedem System funktionieren, um gesund zu sein." Das sei wie bei einer Maschine. Wenn am Räderwerk etwas nicht stimme, kollabiere alles. Lernen, Strukturen zu spüren und Probleme zu finden Krankenschwester hat die 35-jährige Hofericova in der Slowakei gelernt, später dann eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, eine sechsjährige Ausbildung zur Osteopathin sowie eine dreijährige Ausbildung zur Heilpraktikerin absolviert – neben ihrem Job im Rehaconcept. „Man muss ein Gefühl für das Gewebe entwickeln", erklärt Hofericova die lange Ausbildungszeit. „Im Laufe der Jahre lernt man, die Strukturen zu spüren und Probleme zu finden." Mit Esoterik habe das nichts zu tun, winkt sie ab. Auch nicht mit Hand auflegen. „Eine gestörte Struktur ist oft schlechter durchblutet – das ist sofort spürbar", erklärt die Fachfrau. Häufige Kopf- und Rückenschmerzen sind es, die viele Patienten in Hofericovas Praxis im Badehaus II führen. Die Probleme sind bekannt, doch die Ursachen können ganz vielfältig sein – und sie können vor allem auf ganz anderen Ebenen auftreten. „Kopfschmerzen können zum Beispiel mit einer Senkung der Organe oder einer Störung des Beckenbodens zusammenhängen." Betroffen seien oft Menschen mit einem schwachen Bindegewebe. Ein bis drei Sitzungen, dann müsste der Patient bereits erste Veränderungen bemerken. „Natürlich hängt das Ergebnis auch davon ab, wie lange die Störung bereits vorliegt und ob sich der Patient auf die Behandlung einlässt", erklärt die 35-Jährige. Vom Säugling bis zum Senioren – Maria Hofericova weiß, das alle Altersgruppen behandelt werden können. Aber: „Nicht für jeden Menschen ist es die Therapie der Wahl." Wenige Handgriffe, ein sanfter Druck – mehr macht Maria Hofericova fast nicht. Nur in ganz seltenen Fällen wird der Druck stärker – und manchmal schmerzhafter. Dann, wenn die Blockaden schon älter, schon chronisch, sind. „Die Selbstheilungskräfte des Körpers müssen aktiviert werden. Ich lenke alles nur in die richtigen Bahnen." Und löst damit eine Art Kettenreaktion aus. „Auch die Körperflüssigkeiten müssen gut verteilt werden. Denn nur wo Blut hinkommt, ist auch Heilung möglich", sagt die Fachfrau. Leben sei Bewegung. „Alles, was sich nicht bewegt, entwickelt eine Funktionsstörung sowie eine strukturelle Veränderung oder Krankheit." Besonders im Stadium der Veränderung könne Osteopathie helfen. Wenn etwas erst strukturell geschädigt sei, könne der Osteopath nur noch lindernd arbeiten. Das müssten Patienten verinnerlichen, müssten für die eigene Gesundheit Verantwortung übernehmen. Oftmals sei das mit einer Veränderung des Lebensstils verbunden. Der Körper braucht Zeit zum Regenerieren Bewegungsmangel, Haltungsschwäche, Fehlernährung, Flüssigkeitsmangel sowie Stress führten zu einer Veränderung des Stoffwechsels. „Die Osteopathie versucht, Stauungen im Körper zu beheben und den Menschen in seiner Gesamtheit zu harmonisieren." Hofericovas Rat: „Wichtig sind guter Schlaf, kein Stress, gesunde Ernährung und Bewegung." Außerdem brauche der Körper Zeit zum Regenerieren. „Was lange drin ist, ist nicht sofort behoben." Die Osteopathie greift aber nicht nur bei Erwachsenen. Auch Kinder, die unter Geburtstraumen leiden oder ständig schreien, finden Hilfe. „Kinder reagieren vom Gewebe her besonders schnell", so die 35-Jährige. Da seien schnell Erfolge sichtbar. Bei den Erwachsenen dauert es manchmal etwas länger. Für sie ist es oft der letzte Strohhalm – egal, ob Rücken, Gelenke oder chronische Beschwerden. „Das Körpersystem zu optimieren ist für jeden in jeder Lebenssituation optimal." Ein Körper lüge nicht. Zudem könne der Therapeut die Seele des Patienten erreichen. „Alles, was der Mensch erlebt hat, bleibt im Gewebe gespeichert." Als Verspannungen, Blockaden oder fehlende Beweglichkeit. Der Patientin jedenfalls hat sie geholfen. Bald sollen die Beschwerden verschwunden sein. Der Anfang ist gemacht. „Meistens gibt es nach der Behandlung eine Verschlimmerung, dann beruhigt sich der Körper", gibt Hofericova ihr mit auf den Weg.

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