Bewohner: Sobhi Alfadel wohnt erst seit wenigen Tagen in der Gneisenaustraße 26. Der Syrer ist hier mit 14 weiteren Flüchtlingen untergebracht. Die Stadt plant, dieses Haus in der Britensiedlung zu einer Begegnungsstätte für Flüchtlinge, Bürger und Betreuer zu machen. - © Jörg Stuke
Bewohner: Sobhi Alfadel wohnt erst seit wenigen Tagen in der Gneisenaustraße 26. Der Syrer ist hier mit 14 weiteren Flüchtlingen untergebracht. Die Stadt plant, dieses Haus in der Britensiedlung zu einer Begegnungsstätte für Flüchtlinge, Bürger und Betreuer zu machen. | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Stadt will halbe Britensiedlung kaufen

Flüchtlinge: Verwaltung rechnet mit bis zu 1.000 Neuzuweisungen in diesem Jahr

Bad Oeynhausen. Die Stadt will halbe Sachen machen: 13 Einfamilienhäuser in der Gneisenaustraße möchte die Verwaltung kaufen. Den anderen Teil der Britensiedlung, die 19 Wohnungen in der Portastraße, will die Stadt offenbar (noch) nicht erwerben. So sieht es zumindest der Vorschlag der Verwaltung für die Ratssitzung am Mittwoch, 24. Februar, vor. Dabei sucht die Stadt nach wie vor dringend Wohnraum für Flüchtlinge. Mit bis zu 1.000 Neuzuweisungen für Bad Oeynhausen rechnet die Verwaltung in diesem Jahr. Im vergangenen Jahr wurden der Kurstadt 580 Flüchtlinge zugewiesen. Aktuell beziehungsweise in naher Zukunft stehen der Stadt gut 1.100 Unterkünfte für Flüchtlinge zur Verfügung (siehe Grafik). Dabei sind auch 90 Wohnplätze im Wittekindshof eingerechnet und 100 im Rehmer Bürgerhaus. Das soll noch bis Ende März als Notunterkunft des Landes genutzt werden, danach aber zur dauerhaften Unterbringung von 100 Flüchtlingen umgebaut werden. Kommen aber tatsächlich weitere 1.000 Flüchtlinge bis Jahresende, gäbe es in Bad Oeynhausen noch 500 Wohnplätze zu wenig. „Deshalb sind im Laufe des Jahres weitere erhebliche Anstrengungen erforderlich", schreibt Arnold Reeker, Fachbereichsleiter für Stadtplanung und Bauen, in der Vorlage für die Ratssitzung. So solle geprüft werden, ob sich das Gebäude der Weserklinik zur Unterbringung von Flüchtlingen eigne. Erste Gespräche mit der Median-Gruppe, die die Weserklinik in Bad Oeynhausen Mitte des Jahres schließen will, hat es bereits gegeben, wie Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich bestätigt. Auch der Neubau von Wohnungen durch die Städtische gemeinnützige Heimstättengesellschaft (SGH) gehört zu den geplanten Maßnahmen. Klar ist aber auch: Auch die Britensiedlung wird in den nächsten Jahren zur Unterbringung von Flüchtlingen benötigt. Aktuell sind hier 285 Menschen untergebracht, damit sind die 32 Wohnungen voll belegt. Aktuell stellt die Bundesanstalt für Immobilienfragen (BIMA) die Häuser der Stadt kostenlos zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung. Für die Häuser an der Gneisenaustraße will die Stadt nun gern von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen. Und wenn die Stadt sich verpflichtet, hier in den nächsten zehn Jahren Flüchtlinge unterzubringen, gibt es auch einen ordentlichen Rabatt. Laut Gutachten beträgt der Verkehrswert dieser 13 Häuser rund 1,3 Millionen Euro. Mit einer entsprechenden Förderung aber müsste die Stadt 500.000 Euro weniger zahlen. Das NRW-Bauministerium fördert mit dieser Summe den Kauf von BIMA-Immobilien. Allerdings stuft die BIMA die gesamte Britensiedlung als einen Kaufvorgang ein. „Aber auch ein Teilerwerb ist möglich", sagt Bürgermeister Achim Wilmseier. Und das bei gleicher Fördersumme. Deshalb will die Stadt nun erst einmal nur die halbe Britensiedlung kaufen. Für die Häuser an der Portastraße wolle man sich die Option offen halten, hier auch andere Ziele zu verfolgen. Ursprünglich wollte die Stadt hier Wohnraum für junge Familien schaffen. „Sollte sich herausstellen, dass wir doch die ganze Siedlung zur Unterbringung von Flüchtlingen brauchen, müssen wir überlegen, auch den zweiten Teil entsprechend zu kaufen", sagte Wilmsmeier der NW. Möglichst erneut mit Landesförderung. Mit dem Haus Gneisenaustraße 26 hat die Stadt Besonderes vor. Hier soll eine Integrations- und Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Betreuer entstehen. Als Ansprechpartner für Bürger und Flüchtlinge, für Ehrenamtliche und Vereine sollen hier hauptamtliche Mitarbeiter zur Verfügung stehen. An das Wohnhaus soll ein 90 Quadratmeter großer Mehrzweckraum angebaut werden. Sowohl die Kosten für den Umbau als auch die Personalkosten würden zu 80 Prozent vom Land gefördert. Für die Investition bliebe der Stadt ein Eigenanteil von 178.000 Euro, für die zweieinhalb Personalstellen müsste die Stadt jährlich 35.000 Euro beitragen. ´ Die öffentliche Ratssitzung beginnt am Mittwoch, 24. Februar, um 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

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