0
Thomas Modzel - © Nicole Bliesener
Thomas Modzel | © Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen „Bad Oeynhausen ist so schön ruhig“

Thomas Modzel im Winterview

29.01.2016 | Stand 29.01.2016, 13:20 Uhr

Bad Oeynhausen. Im Winterview erzählt Thomas Modzel, was er an der Kurstadt schätzt und was er vermisst. Modzel ist Sänger, Musiker, Schauspieler, Komponist und Leiter der Bielefelder Schauspielschule. Außerdem betreibt er in Bad Oeynhausen eine private Musikschule. Und wenn er dann noch Zeit findet, steht er selbst auf der Bühne.

 
Herr Modzel, wie lange wohnen Sie in Bad Oeynhausen?
Thomas Modzel: Seit 2008. Da haben wir das Haus gekauft.

Der wievielte Wohnort ist Bad Oeynhausen für Sie?Modzel: Ungefähr der 35.

Dann haben Sie ja viele Vergleichsmöglichkeiten.Modzel: hmm hmm.

Haben Sie einen Lieblingsort in Bad Oeynhausen?Modzel: Ja, meinen Garten in Oberbecksen. Weil ich von da aus nur Land, Wald und Wiesen sehe. Ich kann bis zur Porta Westfalica gucken. Diese Weite und diese Ruhe. Das finde ich sehr schön.

Gibt es auch einen Punkt in der Innenstadt, der Ihnen gut gefällt?Modzel: Da fällt mir eigentlich nur der Schweinebrunnen ein. Der ja eigentlich Colon-Sültemeyer-Brunnen heißt, aber im ostwestfälischen Volksmund nur Schweinebrunnen genannt wird. Weil sich dort alles trifft – Jung und Alt. Wenn irgendwas geplant wird, ist immer Treffpunkt am Schweinebrunnen. Und die Geschichte von Sültemeyer ist auch toll und lässt sich gut erzählen. Der Brunnen ist ein Wahrzeichen. Er ist ein Anziehungspunkt für alle Kinder. Meine Tochter hat sich da auch schon nasse Füße und ’ne nasse Hose geholt. Das zieht übrigens mehr Kinder an als das Wasserspiel am Inowroclaw-Platz.

Sie sind Schauspieler, Musiker, Sänger, leiten eine Schauspielschule, geben Musikunterricht. Hat Bad Oeynhausen etwas Inspirierendes für Sie?Modzel: Ja, die Ruhe.

Die Ruhe? Sie wohnen in unmittelbarer Nähe zur Autobahn. Und Sie finden es ruhig in Bad Oeynhausen?Modzel: Ja. Im Vergleich mit anderen Städten. Wenn uns Leute besuchen kommen aus Städten, in denen ich auch gewohnt habe – aus Hamburg, Mannheim, Berlin, Köln, Gelsenkirchen, Bochum, Bielefeld – dann sagen die, ihr habt’s hier aber schön ruhig. In den Städten, in denen ich gewohnt habe, hat man eine Tiefschlafphase von zwei Stunden. Da fährt um halb zwei die letzte und morgens um vier wieder die erste Straßenbahn. Gut hier gibt es die Mindener Straße.

Hier regen sich die Leute schon auf, wenn ein Hubschrauber vom Flugplatz Vennebeck zum Herzzentrum fliegt. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass es um Menschenleben geht. Immer, wenn ein Hubschrauber zum Herzzentrum fliegt, wird ein Mensch gerettet.

Was fehlt Ihnen in Bad Oeynhausen? Vor allem kulturell.Modzel: (schweigt) Das Schweigen deutet nicht daraufhin, dass mir nichts einfällt. Mir fallen tausend Sachen ein, die mir kulturell in Bad Oeynhausen fehlen. Das weltweit agierende Unternehmen Stage würde sicher nicht auf die Idee kommen in Bad Oeynhausen ein Musical-Theater zu bauen. Ich muss ein bisschen aufpassen, was ich sage. Das Theater im Park ist sehr zurückhaltend, wenn man dort anfragt und etwas anbietet. Hier auf der Bühne stehen oft Laiendarsteller und Tourneetheater. Warum hat Bad Oeynhausen kein eigenes Ensemble. Man kann sich als Theater nur etablieren, wenn man ein eigenes Ensemble hat.

Sie haben vor zweieinhalb Jahren in Bielefeld die Musikalische Schauspielschule OWL gegründet. Hat es da schon einmal eine Anfrage aus Bad Oeynhausen gegeben?Modzel: Nein. Es gab keine Anfrage.

Wie läuft die Schule?Modzel: Die Schule läuft super. Wir haben die Plätze für das kommende Semester schon fast komplett vergeben. Nach jedem Semester gibt es einen offenen Abend, für den ich mal im Theater im Park nachgefragt habe – ohne Erfolg. Auch für die Zwischenprüfung, bei der die Schüler in 21 Fächern geprüft werden, dabei präsentieren sie einen großen Monolog, spielen und singen Stücke aus großen Musicals. Für diese Prüfung vor Publikum wollte ich das Theater im Park mieten.

Sie lassen nicht so schnell locker, oder? Warum?Modzel: Ich bevorzuge den Anbieter vor Ort. Ich kaufe auch nichts im Internet und ich bin auch kein Freund der Filialisten im Werrepark. Wenn ich ein Buch brauche, gehe ich zum Buchhändler in die Innenstadt.

Deshalb denke ich, weil ich aus Bad Oeynhausen komme, könnte ich auch mal was zeigen. Wenn ich dann im Theater anfrage und ich kriege nur die Antwort, warum machen Sie das nicht in Bielefeld? Danke, das reicht. Wir hatten dann in Bielefeld 650 Leute zur Zwischenprüfung im Theater.

Aktuell haben wir wieder das Problem, den nächsten offenen Abend anstehen. Den machen wir jetzt in Gütersloh.

Warum gehen Sie nicht in die Druckerei?Modzel: Die Druckerei ist dafür einfach zu klein. Ich gehe gerne in die Druckerei. Ich habe mein letztes Programm dort getestet. Den Test vor kleinem Publikum – das machen viele. Ein Mario Barth oder Dieter Nuhr treten im Universum in Bünde auf, um ihr neues Programm zu testen. Nach meinem Gitarrenabend 2013 in der Druckerei habe ich in München und Stuttgart zwei Konzerte in großen Hallen gegeben.

Wenn Sie der Stadt Bad Oeynhausen drei Wünsche erfüllen könnten. Welche wären das ?Modzel: Ich?

Sie dürfen jetzt wie der Baron von Münchhausen auch ein bisschen flunkern.Modzel: Erstens Modzel wird Bürgermeister (lacht). Zweitens ich würde mir wünschen, dass bei meinen Schwiegereltern die Post wieder auftaucht, die seit Monaten verschwunden ist. Nein, mal im Ernst: Ich würde mir wünschen, dass das Internet in Bad Oeynhausen abgeschafft wird.

Was?Modzel: Ich weiß ja nicht, was sich die Bürger Bad Oeynhausens wünschen. Aber: Wenn ich der Stadt etwas wünschen könnte, dann würde ich ihr wünschen, dass das Selbstbewusstsein der Leute so gestärkt würde, dass das Bestellen im Internet und das Kaufen in Massenläden nachlässt. Und das man sich wieder auf den Laden an der Ecke, das Geschäft in der Stadt, besinnt. Die Brötchen kaufe ich ja auch beim Bäcker um die Ecke. Der Bad Oeynhausener ist von seiner Art her super hilfsbereit. Egal, wo man ist, man trifft selten schlecht gelaunte Leute in den Läden. In Bad Oeynhausen werde ich nicht wie in einer Großstadt mit „Hey yo, was geht?" angesprochen, sondern ernst genommen und mit Respekt behandelt. Das schätze ich.

Das war jetzt zwar nur ein Wunsch, aber dafür ein toller, der zählt für drei. Sie stehen selbst als Schauspieler und Sänger wieder auf den großen Bühnen. Geben Sie noch Musikunterricht?Modzel: Ja, ich gebe hier in meinem kleinen Studio in Oberbecksen nach wie vor Musikunterricht. Ich schraube meine Ansprüche aus der Welt, in der arbeite, herunter und dann kann ich einem Fünfjährigen, der kaum einen Ton trifft, sagen: Da arbeiten wir dran. Diese Ruhe, die ich dafür brauche, die gibt mir auch Bad Oeynhausen.

Darum haben wir auch hier das Haus gekauft. Wenn ich hier im Garten stehe, dann habe ich die Ruhe um Texte zu lernen.

Lernen Sie Ihre Texte im Garten?Modzel: Ja, wenn ich Rasen mähe oder die Hecke schneide. Oder wenn ich den Teich anlege. Dann lerne ich Texte. Die Texte spreche ich mir ein, dann habe ich die auf den Ohren und stehe hier im Garten. Dann kann es passieren, dass eine Nachbarin vorbeikommt, freundlich grüßt und mich schreien hört: „Welch Wagnis kommt dir in den Sinn?"

Wer singt bei Ihnen die Kinder in den Schlaf? Sie oder Ihre Frau?Modzel: Beide. Meine Kinder hören es aber von mir lieber. Seitdem wir die beiden Kinder haben, stehle ich mir ab und an die Zeit zwischen zwei Unterrichtsstunden. Früher habe ich schon mal nach dem Musikunterricht noch eine halbe Stunde mit den Schülern zusammengesessen und gequatscht. Das mache ich nicht mehr.

Copyright © Neue Westfälische 2019
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group