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Gemeinsame Heimat: Krijn Krijgsman (Mitte) und seine Mutter Warna stammen ebenso aus den Niederlanden wie Herzchirurg Michiel Morshuis. Die roten Holzschuhe aus Amsterdam symbolisieren für alle Drei ein Stückchen Heimat. - © Foto: Heidi Froreich
Gemeinsame Heimat: Krijn Krijgsman (Mitte) und seine Mutter Warna stammen ebenso aus den Niederlanden wie Herzchirurg Michiel Morshuis. Die roten Holzschuhe aus Amsterdam symbolisieren für alle Drei ein Stückchen Heimat. | © Foto: Heidi Froreich

Bad Oeynhausen Holländischer Chirurg rettet holländischen Patienten

Herz- und Diabeteszentrum: 21-jähriger Krijn Krigsmann bekommt erst ein Kunstherz, und dann ein Spenderorgan. Michiel Morshuis ist nicht nur sein Arzt, sondern auch sein Dolmetscher

Heidi Froreich
13.01.2016 , 06:21 Uhr

Bad Oeynhausen. Wenn Michiel Morshuis zu Krijn Krigsmann ins Zimmer kommt, dann hat der 21-Jährige gleich doppelten Grund zur Freude. Der Herzchirurg hat sein Leben gerettet – und er erklärt ihm die weitere Behandlung in seiner Heimatsprache. Wie sein Patient stammt auch der Arzt des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ) aus den Niederlanden.

Vor sechs Jahren wurde bei Krijn eine lebensbedrohliche Herzerkrankung festgestellt; sein Herzmuskel schrumpfte. „Es entwickelte sich eine Art Panzerherz“ erläutert Morshuis. Bis Juli 2012 wurde Krijn mit Medikamenten behandelt, dann wurde ihm nach elfmonatiger Wartezeit im Mai 2013 im Universitätsklinikum Utrecht ein neues Herz transplantiert. „Ich konnte schon nach 18 Tagen wieder nach Hause“, berichtet Krijn. Wenige Wochen später geht er wieder zur Schule, reist im Sommer 2014 mit Eltern, Bruder und Schwester durch Nordamerika und Kanada. Doch dann ist Krijn ständig erschöpft, er hat Brustschmerzen und Herzrasen. Bei einer Biopsie werden massive Abstoßungsreaktionen festgestellt, die stark erhöhten Medikamentendosen bleiben erfolglos, führen stattdessen dazu, dass Krijn immer schwächer wird. Ein neues Herz könnte ihn retten, doch die Ärzte halten eine weitere Operation angesichts des angegriffenen Allgemeinzustands ihres jungen Patienten für riskant. „Die Kollegen waren mit ihrem Latein am Ende“, bilanziert Morshuis.

Aber sie wollen nicht aufgeben. Faiz Ranjankhan greift zum Telefon und bittet Morshuis um Hilfe. Den kennt er persönlich: Vor einigen Jahren hat der Utrechter Chirurg ein dreiwöchiges Praktikum im Herz- und Diabeteszentrum absolviert – und sich dabei insbesondere über sogenannte „Kunstherzen“ informiert. Diese mechanischen Herzunterstützungsysteme, die zeitweise ein echtes Herz völlig ersetzen können, gibt es in den Niederlanden (noch) nicht. Im Herz- und Diabeteszentrum wurden hingegen schon 180 Patienten damit behandelt – mehr als die Hälfte unter maßgeblicher Beteiligung von Michiel Morhuis. „Damit kann der Patient neue Kraft schöpfen und die Wartezeit bis zur Transplantation überbrücken“, nennt der Chirurg die wesentlichen Vorteile. Genau das, was Krijn braucht.

Zwei Tage nach dem Anruf kommt der junge Niederländer nach Bad Oeynhausen. Am 20. Mai wird ihm ein Kunstherz transplantiert, schon knapp fünf Monate später wird ein Spenderorgan gefunden und erfolgreich eingesetzt. In wenigen Wochen kann Krijn in seine Heimat zurückkehren: „Erst mache ich mein Abitur und dann eine Ausbildung in einem medizinischen Labor“, erzählt er seine weiteren Zukunftspläne.

Und er will in seiner Heimat überall berichten, wie man ihm in Bad Oeynhausen das Leben gerettet hat. Wobei er das Lob nur auf die medizinischen Aspekte beschränken will: „Das deutsche Essen ist richtig lecker“. Frikadellen sind im HDZ zu Krijns Lieblingsgericht geworden. Auch insoweit gibt es mit seinem Landsmann Verbindendes: „Die sind viel besser als unsere holländischen“.

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