Sanierungsbedürftig: Mindestens 300.000 Euro wird die Renovierung der Empfangshalle des Nordbahnhofes kosten. Ein Gutachter hat den reinen Gebäudewert auf 186.000 Euro taxiert. - © Thorsten Gödecker
Sanierungsbedürftig: Mindestens 300.000 Euro wird die Renovierung der Empfangshalle des Nordbahnhofes kosten. Ein Gutachter hat den reinen Gebäudewert auf 186.000 Euro taxiert. | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen Stadt kauft Nordbahnhof

Stadtentwicklung: Für 300.000 Euro übernimmt die Stadt das Empfangsgebäude des Nordbahnhofes von der Deutschen Bahn. Noch ist unklar ob die Kommune selber oder ein privater Investor das Areal entwickeln soll

Thorsten Gödecker
19.12.2015 | Stand 18.12.2015, 18:01 Uhr

Bad Oeynhausen. Für 300.000 Euro hat die Stadt am Freitag den Bahnhof von der Deutschen Bahn gekauft. Mehrere Stunden dauerte die Verlesung des 70-seitigen Vertragswerkes, das die Kommune nun in die Lage versetzt, das Gebäude und das Umfeld nach eigenen Vorstellungen zu entwickeln. Unklar ist noch, ob die Stadt selbst das Projekt stemmt oder sich einen privaten Investor sucht. Letztere Lösung habe Priorität, erklärte Stadtplaner Arnold Reeker. Für Reeker ist das Areal des Nordbahnhofes ein städtebauliches Projekt zur Belebung der Innenstadt. Umgehend will er mit der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes beginnen. Hier sollen neue Fahrradstellplätze entstehen, ein Leitsystem für Sehbehinderte, ein zentraler Infopunkt und ein durchgehendes Geländer für die Treppenanlage. Knapp 140.000 Euro soll das kosten, 91.000 Euro bekäme die Stadt aus Mitteln für den öffentlichen Personennahverkehr zurück. Alteigentümer Martin Nowosad, der Leiter des Bahnhofsmanagements Bielefeld der Bahn, nennt die Lage des Nordbahnhofes „privilegiert“, weil er sich in unmittelbarer Nähe zum Stadtkern befinde. Er rät der Stadt mit lokalen Investoren oder Mietern das Areal zu entwickeln, denn die wüssten, was man wie zu machen habe. Für die Deutsche Bahn sei der Bahnhof schlicht zu klein: „Wir können nur Groß.“ Nowosad spielt auf die Nutzerfrequenz an, die Arnold Reeker auf 3.500 Reisende pro Tag beziffert. In Bielefeld sind es 50.000 und mehr, in Paderborn immerhin noch 10.000. Nowosad erklärte, dass die Bahn „zu weit von den lokalen Märkten“ entfernt sei, um sich um die Vermarktung der Bahnhöfe kümmern zu können. Für eigene Dienstleitungen benötige man die Empfangsgebäude nicht mehr. Die „Verkehrsstation“, gemeint sind die Tunnel und Bahnsteige habe man in Bad Oeynhausen gerade aufwändig saniert. Sie bleiben im Eigentum der Bahn. An den 330 Meter langen Bahnsteigen werde bald auch der Rhein-Ruhr-Express, der den Regionalexpress ersetzen werde, halten. Auch Stopps des ICE II seien in der Kurstadt möglich, so Nowosad. Vermittelt hat den Kauf die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft (BEG), die Bahn und Land gegründet haben, um Flächen und Gebäude der Bahn zu vermarkten. Die BEG werde die Stadt auch bei der weiteren Entwicklung des Nordbahnhofes unterstütze, erklärte BEG-Geschäftsführer Volker Nicolaus. Im Auftrag der BEG haben unabhängige Gutachter den Wert des 7.000 Quadratmeter großen Areals entwickelt. Die Stadt zahlte knapp 43 Euro pro Quadratmeter „in bester Innenstadtlage“, so Arnold Reeker. Der Stadtplaner kann „sich vieles vorstellen“, was im sanierten Bahnhof heimisch werden könnte. Neben dem Reisezentrum sollen sich ein Bäcker und Gastronomie ansiedeln. „Ein Traum wäre ein Bio-Supermarkt“, sagt Reeker, der schon mit einigen Interessenten in Kontakt steht. Auch die Radstation soll bleiben. Mit der Bahnhofmission wolle man das Gespräch suchen. Bürgermeister Achim Wilmsmeier möchte den Bahnhof zur Visitenkarte der Kurstadt machen und ist froh, dass sich die Stadt mit den Kauf sämtliche Handlungsoptionen gesichert habe. Vorstellbar ist auch, dass eine städtische Tochter sich der Aufgabe widmet. Ein Beispiel, wie ein sanierter Bahnhof aussehen kann, hat Arnold Reeker in Soest gefunden. Dort trat die Stadt als Projektentwickler auf. In Steinheim habe ein privater Investor gar ein Hotel im Bahnhof untergebracht, berichtete Martin Nowosad.

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