Rinja - © Elke-Niedringhaus-Haasper
Rinja | © Elke-Niedringhaus-Haasper

Rumpelwichte und Familienidylle

Das Detmolder Landestheater fasziniert rund 1.500 junge Zuschauer

Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen Bad Oeynhausen. Ein wenig aufgeregt ist Leonhard schon. „Die Geschichte über Ronja Räubertochter ist ja auch ein bisschen gefährlich. Wenn Kinder erst zwei Jahre alt sind, dann ist das noch nichts für sie, “, gibt der Sechsjährige zu bedenken und blickt gespannt und selbstbewusst in Richtung Bühne. So wie Leonhard ging es gestern und geht es heute rund 1.500 anderen Kindern aus den Grundschulen und Kindergärten der Stadt auch: Für sie beginnt die Adventszeit im Theater im Park in diesem Jahr mit dem Musical „Ronja Räubertochter“, das Barbara Hass nach der Geschichte von Astrid Lindgren für die Bühne bearbeitet hat. Leonhard muss sich noch einen Moment gedulden. Denn noch tut sich nichts in der Räuberhöhle. Fünf Minuten später ist das ganz anders: Da tummeln sich vor den Augen der Kinder geheimnisvolle Graugnome, Donnergrummel und Rumpelwichte mitten auf der Bühne. Sogar einen waschechten Höllenschlund hat das Detmolder Landestheater mitgebracht um den Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren nach allen Regeln der Kunst lebendig werden zu lassen. Regisseur Alexander Flache hält gekonnt die Waage zwischen gruseligem Räuberwald, bedrohlichen Erdmännchen, gefährlichen Wilddruden und warmer Familienidylle. Auf spannende Szenen folgen immer wieder heitere Momente. Etwa, wenn lauter bunte Seifenblasen von der Bühne in den Zuschauerraum fliegen. Torsten Rauer hat den Räubergesellen ordentlich die roten Haare verfilzt. Ihnen wilde Pelzkappen auf den Kopf gesetzt und rustikale Felle umgehängt. Sie in kurze Pumphosen und in jeweils zwei unterschiedliche Stiefel gesteckt, die eigentlich gar nicht zueinander passen. Gerade mal fünf Schauspieler stemmen die komplexe Handlung, schlüpfen von einer in die nächste Rolle und lassen die Kinder aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen. Marco de Haunt sorgt mit geschmeidigen Melodien für versöhnliche Momente in der von Haus aus etwas ruppigen Geschichte. Und die Räuberbande bringt die Kinder mit ihrem Macho-Gehabe und ihren ungehobelten Umgangsformen immer wieder zum Lachen. Konflikte innerhalb von Familien, am Arbeitsplatz und zwischen Generationen: Ronja Räubertochter wirkt in der Detmolder Inszenierung auch fast 35 Jahre nach dem Erscheinen des beliebten Kinderbuches immer noch taufrisch. Und Leonhard? Der seufzt zufrieden, als sich die beiden alten Erzfeinde Borka und Mattis am Schluss endlich versöhnen. Und als Ronja und Birk für immer zusammen in der Räuberburg leben dürfen.

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