200 Stellplätze: Der Landtagsabgeordnete Matthi Bolte aus Bielefeld mit einem Leihrad der Radstation Bad Oeynhausen im Kreis von Jörg Zander (v. l.), Hans Stöbling, Burkhard Witte, Thomas Koch, Andreas Edler, Thomas Fritz und Regina Lehmann. - © Ulf Hanke
200 Stellplätze: Der Landtagsabgeordnete Matthi Bolte aus Bielefeld mit einem Leihrad der Radstation Bad Oeynhausen im Kreis von Jörg Zander (v. l.), Hans Stöbling, Burkhard Witte, Thomas Koch, Andreas Edler, Thomas Fritz und Regina Lehmann. | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen Matthi Bolte sieht in der Radstation eine "Mobilitäts-Schnittstelle"

Mit dem Zug zum Rad

Ulf Hanke
16.09.2015 | Stand 16.09.2015, 07:24 Uhr

Bad Oeynhausen. Fürs Foto schnappt sich Matthi Bolte ein Leihrad. An diesem kühlen Spätsommertag stehen noch genügend herum. Boltes eigenen Fahrräder liegen in Bielefeld und Düsseldorf an der Kette. Der Grünen-Landtagsabgeordnete ist mit der Bahn nach Bad Oeynhausen gereist und an der Radstation ausgestiegen. Besser geht's eigentlich nicht, findet der Politiker. Und genau das ist auch die Botschaft, die der Grüne mit seinem Besuch verbinden will: Die 75 Radstationen im Land NRW sind wichtige Mobilitäts-Schnittstellen für die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel. Bolte: "Die Idee funktioniert." Auch in der Kurstadt. Die Bad Oeynhausener Radstation wird wie die Mindener vom Handwerks-Service betrieben, eine Tochter der Kreishandwerkerschaft. Die 15 Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose werden vom Jobcenter des Kreises Minden-Lübbecke bezahlt. Jeder Teilnehmer bekommt 126 Euro im Monat. Das Geld wird als Aufwandsentschädigung gezahlt. Die Teilnehmer qualifizieren sich dadurch für den Arbeitsmarkt. Das Geld gibt's zusätzlich zu den Grundleistungen nach dem zweiten Sozialgesetzbuch (Hartz IV). Allerdings dürfen die 15 Mitarbeiter nur jeweils sechs Monate lang beschäftigt werden und maximal 24 Monate in fünf Jahren in der Radstation absolvieren, erklärt Regina Lehmann vom Jobcenter. Seit 2012 wird die Radstation vom Handwerks-Service betrieben. Die Radstation ist Anlaufstelle für viele Fahrradpendler. Über 200 videoüberwachte Stellplätze in den Katakomben des Bahnhofs stehen bereit. Die Diebstahl geplagten Bad Oeynhausener machen davon rege Gebrauch. Allerdings gibt es mindestens genauso viele Bürger, die ihr Fahrrad wild vorm Bahnhof parken. "Das ist ein Problem", sagt Hans Stöbling. Der Sozialpädagoge leitet die Radstation. Der Vorplatz und der zur Verfügung stehende Parkraum sind für keinen Verkehrsteilnehmer optimal, findet Stöbling und berichtet von Knöllchen an Liefer- und Mitarbeiterfahrzeugen. Immerhin für Radler könnte sich demnächst einiges ändern, wirft der grüne Ratsherr Andreas Edler ein. Der Stadtrat hat schließlich beschlossen, den Bahnhof von der Deutschen Bahn zu kaufen. Dann könnten die Außenflächen neu gestaltet werden, zusätzlicher Gratis-Fahrradparkraum entstehen und die Radstation bekäme auch einen neuen Vermieter. Das wiederum interessiert Regina Lehmann vom Jobcenter des Kreises brennend: "Wird dann auch die Miete günstiger?", fragt sie den Ratsherrn. Doch das kann Andreas Edler leider nicht versprechen. Noch hat die Stadt nur ihren Willen zum Kauf erklärt. Der Netzpolitiker Matthi Bolte fragt dann noch nach der Vernetzung der Radstation mit den 74 anderen im Land. Auch das ist ein Problem. Schließlich gibt es sehr viele unterschiedliche Träger der Radstationen. Immerhin kann man mit einem Bad Oeynhausener Leihrad bis Minden fahren, den Drahtesel dort zurück geben und dann mit dem Zug zurück in die Kurstadt fahren. Richtung Bielefeld geht das nicht, was Bolte zu der ironischen Bemerkung verleitet: "Wer will schon nach Herford?" Rasche Hilfe gibt's von Bolte dann aber in Sachen Internetzugang. Noch ist kostenloses Internet im Bahnhof eine Utopie, dabei hat die Radstation einen Zugang. Was fehlt, ist ein Freifunk-Router für rund 20 Euro. Matthi Bolte: "Den will ich gerne stiften!"

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