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Bad Oeynhausen Rühriger Sammler

Homestory: Zum Pilzessen bei Bürgermeisterkandidat Stefan Ott

Jörg Stuke
06.09.2015 | Stand 06.09.2015, 11:31 Uhr
Rührig: Stefan Ott zeigt sich an der Pilzpfanne als versierter Koch. Lebensgefährtin Britta muss nicht eingreifen. - © Foto: Jörg Stuke
Rührig: Stefan Ott zeigt sich an der Pilzpfanne als versierter Koch. Lebensgefährtin Britta muss nicht eingreifen. | © Foto: Jörg Stuke

Bad Oeynhausen. Das ist eine Einladung, bei der es schnell um Kopf und Kragen gehen kann. „Kommen Sie doch zum Pilzeessen vorbei“, lockt Stefan Ott. „Hab ich selbst gesammelt.“ Erst das Versprechen des Hobbykochs, auch selbst vom Pilzgericht zu kosten, zerstreut die Ängste des Redakteurs. Und so steht der unabhängige Bürgermeisterkandidat Ott am Donnerstagmittag am Herd und brutzelt für den Journalisten.

Kochen? Doch, das liegt ihm. „Ich krieg immer ganz gute Kritiken“, sagt Ott, zieht eine Pfanne aus dem Küchenschrank und setzt sie auf die Herdplatte. „Das Kochen hab ich von meiner Mutter abgeguckt“, sagt Ott. Schon früh habe er mit Lebensmitteln zu tun gehabt, verrät der 49-Jährige. Als 16-Jähriger eröffnete Ott mit vier Freunden am Wilhelmsplatz einen Bioladen. „Damals war die Zeit von Jute statt Plastik und Nicaraguakaffee“, erinnert er sich. „Blöd war nur, dass ich mich damals drei Jahre lang immer mit ’Wurzelwicht’ am Telefon melden musste“, sagt Ott. So hieß der Laden.

Das Wasser für die Nudeln hat inzwischen Temperatur. Ott streut Salz hinein. Und probiert. Ein Kochbuch braucht er nicht für sein Pilzgericht, genau nimmt er’s trotzdem. „Das braucht noch etwas Salz“, sagt er und würzt das Nudelwasser nach.

Trotz des putzigen Namens: Positiv war die Erfahrung mit dem Bioladen dennoch. Ott machte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, holte dann auf dem Weserkolleg sein Abitur nach und studierte schließlich Jura. Jura für einen durch und durch Grünen? „Ich habe das auch studiert, um Politik zu machen“, sagt Ott. Damit hatte er schon 1984 angefangen, als er in den Stadtrat einzog. „Dort habe ich die Erfahrung gemacht: Die Juristen haben immer das letzte Wort.“

Ott hat die Pilze kleingeschnitten. Viele Pfifferlinge, ein Steinpilz. „Mehr hab ich nicht gefunden“, sagt Ott. Das Pilzesammeln ist ihm auch quasi in die Wiege gelegt. Schon der Großvater, ein Förster, sammelte. Ott wirft die Pilze in die heiße Pfanne, gibt Zwiebeln und Knoblauch dazu.

Schnibbeln, rühren, abschmecken, nebenbei aus dem Leben plaudern – ist Ott einer, der gern in vielen Pötten rührt? „Ja, schon“, sagt der Jurist. Und führt das auch auf seinen Lebensweg zurück, der ja auch manchen Haken geschlagen hat. „Aber ich bereue da nichts. Das waren alles gute Erfahrungen“, sagt Ott.

Seine Kandidatur als Bürgermeister ist für ihn die Abrundung dieses bisherigen Weges. Eigentlich wäre Ott gern unter der Flagge der Grünen angetreten. Doch die setzen auf den gemeinsamen Kandidaten mit SPD, BBO, UW und Linken, Achim Wilmsmeier. Ott gab daraufhin sein grünes Parteibuch zurück – Austritt nach 30 Jahren. „Kein leichter Schritt“, bekennt er. Aber er wollte trotzdem kandidieren, nun eben als Unabhängiger.

Die Pilze duften. Ott gibt einen Schuss Weißwein in die Pfanne – Bio natürlich. Ein gutes Stichwort für den Bahnhof. Ob dort ein großer Bioladen tatsächlich funktionieren würde? Ott hat Zweifel. Aber eine andere Idee für die Innenstadt. „Dort gibt es doch viele Modegeschäfte. Wenn die in einer gemeinsamen Aktion das Thema fairgehandelte Kleidung aufgreifen könnten, könnte das etwas Besonderes für Bad Oeynhausen sein“, sagt Ott.

Ein anderes Pfund, mit dem die Stadt wuchern könnte, wäre das Solewasser. Dass das nur noch in Bali-Therme und der Klinik Porta Westfalica genutzt werde, sei doch zu wenig. „Das ist unser Bodenschatz, unser Alleinstellungsmerkmal“, findet Ott.

Die Uhr klingelt, die Nudeln sind gar. Ott sucht nach Tellern. Ganz heimisch ist er in dieser Küche noch nicht. Wegen des Wahlkampfes ist er zu seiner Schwester Angelika in die Südstadt gezogen. Das Domizil in Vlotho ist nun nur noch sein Zweitwohnsitz. Nach der Wahl müsse er sehen, wie’s weitergeht. „Der Bürgermeister von Bad Oeynhausen“, sagt Ott, „sollte auch in Bad Oeynhausen wohnen.“

Frische Petersilie über die Pilze, fertig. Es wird aufgetischt. Nicht nur Ott, auch Schwester Angelika und Partnerin Britta greifen beherzt zu. Es scheint zu schmecken.

Da will auch der Redakteur nicht feige sein. Es wird schon gutgehen.

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