Nun folgt Nummer drei der Oeynhausen-Krimis: Als Peggy Wehmeier kennen die Bad Oeynhausener Carla Berling. - © Foto: NIcole Sielermann
Nun folgt Nummer drei der Oeynhausen-Krimis: Als Peggy Wehmeier kennen die Bad Oeynhausener Carla Berling. | © Foto: NIcole Sielermann

Bad Oeynhausen Gräueltaten im alten Schlachthof

Peggy Wehmeier veröffentlicht als Carla Berling mit "Tunnelspiel" ihren dritten Oeynhausen-Krimi

Nicole Sielermann
11.04.2015 | Stand 13.04.2015, 11:46 Uhr

Bad Oeynhausen. Gibt es Menschen, die durch und durch böse sind? Eine Frage, dessen Antworten Peggy Wehmeier in ihrem neuen Krimi sucht. Sie las Bücher von Profilern und Polizeipsychologen, lernte viel über Tätertypen und Täterprofile. Als Carla Berling veröffentlichte die gebürtige Bad Oeynhausenerin gerade ihren dritten Krimi. "Tunnelspiel" spielt in einem alten Schlachthof - und lässt den Leser tief in die ostwestfälische Seele blicken. Schauplatz ist die Kurstadt. Ein Mann mit etlichen Feinden. Eine Frau, die ihn töten konnte, aber keinen Grund hatte. Bodenlose Abgründe hinter einer bürgerlichen Fassade. Im alten Schlachthof hängt der Verleger Lorenz Brenner: Er ist nackt, mit Handschellen an ein Gitter gefesselt, an seinen Genitalen baumen Tannenbaumkugeln - Brenner ist tot. Reporterin Ira Wittekind findet etliche Verdächtige, die ihn gehasst haben, darunter aber niemanden, der diesen Mord hätte inszenieren können. Dann entdeckt sie einen ungeklärten Todesfall, der mehr als 30 Jahre zurückliegt, und einen unfassbaren Zusammenhang mit Brenners bizarrem Ende. "Mit dem neuen Krimi habe ich eigentlich schon am Tag nach Erscheinen des Vorgänger-Bandes angefangen", erzählt Carla Berling. "Als mir mein Stiefsohn Fotos aus einem stillgelegten Schlachthof in Augsburg schickte, war ich wie elektrisiert. Was für ein Ort. Gruselig." Es ist auch eine bizarre Szene, die sich dem Leser bietet. "Wie ich auf die Idee mit den Tannenbaumkugeln gekommen bin - keine Ahnung. Ich sah den Mann in dieser Situation vor mir und schrieb los." Zuvor sei ihr im realen Leben jemand begegnet, über den keiner etwas Gutes berichtet habe, den alle verabscheuten. "Ein Mensch, der abgrundtief böse zu sein schien. Das war die Geschichte, der ich auf den Grund gehen wollte." Am Anfang stand die - fiktive - Biografie des Opfers. Berling erfand die Vita des Lorenz Brenner. Darin tauchten seine Eltern, seine Frau, Kollegen und Mitarbeiter auf. "Denen schrieb ich ebenfalls Biografien - und aus den Punkten, an denen sie sich kreuzten, entstand das Expose." Der "Rest" sei Handwerk: "Kapitelplan, Szenenplan, kreatives Schreiben, überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten." Den Schlachthof baute sie im Krimi kurzerhand an die Weserstraße in Bad Oeynhausen und ließ Ira und Andy zufällig vorbeikommen. Berling: "Unerlässlicher Helfer war mir der echte Kommissar Markus Sprenger - wenn es um Polizeiarbeit geht, ist er für mich unverzichtbar." Es ist der dritte Krimi um die Reporterin Ira Wittekind. In dem sich zeigt, dass sich Carla Berling von Buch zu Buch steigert. Auch der neue Krimi "Tunnelspiel" garantiert schlaflose Nächte: er ist spannend, authentisch und verstörend. Berling schafft in ihm einen schier unglaublichen Plot. Derzeit gibt es das Buch als E-Book für 99 Cent: "Beim Selfpublishing ist das so: Man MUSS in die Top 1.000. Deswegen gibt es neue Bücher oft zum Einführungspreis. Je mehr Leute kaufen und gut bewerten, desto höher steigt das Buch im Ranking und desto mehr Leuten wird es in den Newslettern und bei der Suche angezeigt." Es schmerzt sie nicht, ein Buch, an dem sie ein Jahr gearbeitet hat, zu verschleudern: "Ich lebe vom Schreiben. Und es ist so, dass ich lieber 1.000 Bücher für einen Euro verkaufe als 10 für fünf. Tunnelspiel ist insgesamt mein 14. Buch - bei mir ging die Rechnung bisher auf." Band vier der Bad Oeynhausen Krimis ist bereits in Planung. "Jetzt mache ich aber erst einmal drei Monate Schreibpause: Ich habe, glaub ich, 25 Jahre durchgearbeitet und brauche jetzt Zeit für Mann, Kinder und Enkel." Ira-Fans müssen trotzdem nicht traurig sein: "Ein Ira-Krimi pro Jahr soll aber schon kommen", verspricht Berling. "Den Titel für Band vier weiß ich schon. Jetzt muss ich nur noch die Geschichte dazu finden." "Sonntags Tod" und "Königstöchter" gibt es als Taschenbuch-Ausgaben in der NW-Geschäftsstelle. "Tunnelspiel" ist ab dem 25. April bei der NW erhältlich.

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