Bad Oeynhausen Steine als Gedenken und Mahnung

Verein verlegt acht Stolpersteine an der Mindener Straße zum Gedenken an die von den Nationalsozialisten ermordeten Familien Frank und Rosenbaum

Katharina Mengel

Bad Oeynhausen. "Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist." Unter diesem Motto lud der Verein "Stolpersteine für Bad Oeynhausen" am Wochenende zur Verlegung von Erinnerungssteinen ein. Nachdem die Zuhörer die Lebensgeschichten der jüdischen Familien Frank und Rosenbaum kennengelernt hatten, verlegte Gunter Demnig, Initiator der bundesweiten Aktion, die Stolpersteine an der Mindener Straße. Die Familien Frank und Rosenbaum waren erfolgreiche Geschäftsleute in Bad Oeynhausen. Die Eheleute Ida und Edwin Frank sowie die drei Kinder Moritz, Herta und Grete Frank betrieben schon 1908 eine Metzgerei an der Mindener Straße 23. Familie Frank war gut angesehen in der Stadt, ihr Geschäft wurde oft empfohlen. 1930 zog Familie Rosenbaum nach Bad Oeynhausen. Willi und Jeanette übernahmen mit ihrer damals 22-jährigen Tochter Else das ehemalige Geschäft für Haushalts- und Küchengeräte von Robert und Gertrud Küster. Dieses lag an der Eidinghausener Straße. Doch schon 1935 versuchte Willi Rosenbaum sein Geschäft zu verkaufen - Grund waren die Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte, zu denen die Nationalsozialisten aufriefen. 1938 zogen die Rosenbaums in das Haus der Franks. Beide Familien wollten aus Deutschland ausreisen, um den Handlangern Hitlers zu entkommen. Willi Rosenbaum hatte jedoch Probleme, sein Warenlager im Wert von 20.000 Reichsmark zu verkaufen. Die Bezahlung war nur in Kleinstraten möglich und zog sich deshalb über mehrere Jahre hin, weshalb die Rosenbaums mit der Auswanderung warteten, schilderte Stadtarchivarin Stefanie Hillebrand. Familie Frank trennte sich: 1933 hatte sich Sohn Moritz bereits aus Angst vor dem Terror umgebracht. Seine Schwester Herta gelang in letzter Minute die Flucht nach Uruguay. Dafür musste sie allerdings einwilligen, einen ihr bis dahin unbekannten Mann zu heiraten. Die Eltern Edwin und Ida sowie die dritte Tochter Grete, die in Berlin mit ihrem Mann lebte, entkamen den Nazis nicht. Im März 1942 wurde zuerst Familie Rosenbaum und im Juli Edwin und Ida Frank aus dem Haus an der Mindener Straße 23 deportiert. 1948 wurde Familie Rosenbaum, die vermutlich im Warschauer Ghetto starb, für tot erklärt. Edwin und Ida wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Stadtarchivarin Stefanie Hillebrand und der Schriftführer des Stolperstein-Vereins, Hartmut Peltz, schilderten das Leben der beiden Familien. Der Leiter der freiwilligen Feuerwehr, Erwin Harbsmeier, bekam eine gerahmte Urkunde überreicht, die damals Moritz Frank gewidmet. Moritz Frank war Mitbegründer der Feuerwehr in Bad Oeynhausen. Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann wies darauf hin, dass auch in der heutigen Zeit jeder ein wachsames Auge haben sollte: "Auch heutzutage können unter bestimmten Umständen Nachbarn zu Feinden werden. Wir müssen die richtigen Schlüsse aus dem Lebenslauf der beiden jüdischen Familien ziehen." Bei der anschließenden Verlegung der acht goldenen Stolpersteine vor dem Haus Mindener Straße 23 spricht Zuhörer Volker Weber aus, warum er an dieser Aktion teilnimmt: "Meine beiden Onkel sind 1943 in Donezk gestorben. Dort, wo heute wieder Krieg ist. Ich nehme an der Stolpersteinverlegung teil, weil ich es sehr wichtig finde, dass man sich daran erinnert, wie furchtbar der Terror der Nationalsozialisten war. Es ist eine Mahnung für alle: So etwas darf nie wieder passieren."

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