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Ausnahmsweise kein Amerikaner: Zu den wenigen europäischen Oldtimern in Marco Oberländers Werkstatt gehört dieser bis aufs nackte Metall ausgezogene Goggo.
Ausnahmsweise kein Amerikaner: Zu den wenigen europäischen Oldtimern in Marco Oberländers Werkstatt gehört dieser bis aufs nackte Metall ausgezogene Goggo.

Bad Oeynhausen Die alte Schule der Autoreparatur

Marco Oberländer ist erster Kfz-Meister im Kreis mit einem "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge"

Jörg Stuke
04.02.2015 | Stand 04.02.2015, 13:19 Uhr

Bad Oeynhausen. Die moderne Welt ist so einfach: Stecker rein, und der Computer weiß, was dem Auto fehlt. Schwierig wird?s, wenn das Auto schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat. Dann ist nichts mit Computerdiagnose. Dann muss sich Marco Oberländer auf Augen, Ohren und Nase verlassen. "Das ist die ganz alte Schule", sagt der 34-jährige Kfz-Meister. Dass er die perfekt beherrscht, hat er jetzt schriftlich. Karl-Friedrich Plönges, Obermeister der Kfz-Innung im Kreis Minden-Lübbecke, war gestern mit seinem Stellvertreter Burkhard Dreier und dem technischen Trainer Michael Sander nach Dehme gekommen, um Oberländer die Plakette "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge" zu überreichen. "Das ist die erste Plakette, die wir im Mühlenkreis vergeben", sagte Plönges. Und auch im Nachbarkreis Herford gebe es keinen solchen Betrieb. "Der nächste Fachbetrieb ist in Vechta", hat Plönges herausgefunden. In ganz Deutschland gibt es laut Plönges nur 66 solcher Fachbetriebe. "Mit Marco Oberländer sind es nun 67", präzisiert der Innungsmeister. Oberländers Begeisterung für alte Autos ist ein altes Leiden. "Damit hab? ich mich schon als Kind infiziert", sagt er. Der Virus wird auch nicht unschuldig an der Berufswahl sein: Oberländer machte zunächst eine Ausbildung zum Karosseriebauer, dann zum Kfz-Mechaniker, als der er 2004 seine Meisterprüfung ablegte. Da machte sich Oberländer mit seiner Werkstatt selbstständig, auf dem Anwesen seiner Großeltern in der Wöhrener Straße 244. Der Bauernhof aus dem Jahr 1813 wird derzeit ebenso gründlich und liebevoll restauriert wie die alten Autos in der Werkstatt. Dass Oberländer noch die klassische Mechanikerausbildung und nicht die moderne Variante des Mechatronikers genossen hat, kommt ihm heuer zugute, wenn ein Oldtimer in seine Werkstatt rollt. Da geht Oberländer noch ganz klassisch mit Prüflampe und Messgerät auf Fehlersuche. "Man sieht, hört und riecht, wo etwas kaputt ist", sagt Oberländer. "Den Computer ersetzen hier die fünf Sinne des Menschen", weiß Techniktrainer Sander. Viele von Oberländers Blechpatienten sind aber aus einer Zeit, in der das Benzin noch im Vergaser verwirbelt wurde. "Moderne Autos haben ja alle Einspritzsysteme", berichtet Oberländer. Wie man einen - oder womöglich gar mehrere Vergaser - richtig einstellt, das hat der Mechanikermeister aber noch in besonderen Kursen gelernt. Spezialisiert hat sich der 34-Jährige auf amerikanische Oldtimer. Aktuell steht zum Beispiel ein Ford Pick-up in seiner Werkstatt. Baujahr 1951. "Der stammt aus erster Hand, ist gerade aus den USA gekommen und hat gerade Mal 27.000 Kilometer auf dem Tacho", berichtet Oberländer. Sein Auftrag: Grundsanierung. Danach, so schätzt Oberländer, wird der Wagen rund 50.000 Euro wert sein. Aus ganz Deutschland bringen die Oldtimer Freunde ihre amerikanischen Schätze nach Dehme. Drei Wagen aus dem Ruhrgebiet hat er zur Zeit in Behandlung, zwei aus Berlin. Die Spezialisierung auf US-Oldtimer gründet in seiner eigenen Vorliebe. Oberländer selbst besitzt einen Dodge Baujahr 1968, dem er gerade einen neuen Motor verpasst. Die 7,7 Liter Hubraum waren dem Oldtimer-Fan nicht genug. Nun kriegt der Dodge eine Maschine mit 8,9 Litern Hubraum. Was der verbraucht? Darüber schweigt Oberländer lieber. "Übers Jahr gerechnet ist das aber gar nicht so viel", sagt der 34-jährige mit verschmitztem Lächeln.Geprüfter Betrieb Um die Plakette „Fachbetrieb für historische Fahrzeuge“ zu bekommen, sind mehrere Voraussetzungen zu erfüllen. So muss mindestens ein Mitarbeiter zu 70 Prozent mit der Reparatur historischer Fahrzeuge beschäftigt sein. Oberländer, der vier Mitarbeiter hat, ist zu mehr als der Hälfte mit historischen Fahrzeugen beschäftigt. Der Betrieb muss nachweisen, dass er Spezialwerkzeuge besitzt und auch Verbindungen zu Fachbetrieben für Lack- und Polsterarbeiten hat. Ein Sachverständiger der Kfz-Innung aus Lemgo hat den Betrieb persönlich begutachtet.

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