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Peggy Wehmeier hat auch den zweiten Krimi Königstöchter um Ira Wittekind in Eigenregie auf den Markt gebracht. Hat sich Lektorat, Satz und Cover-Gestaltung eingekauft wie es große Verlage auch machen. - © Foto: Intuitive Fotografie
Peggy Wehmeier hat auch den zweiten Krimi Königstöchter um Ira Wittekind in Eigenregie auf den Markt gebracht. Hat sich Lektorat, Satz und Cover-Gestaltung eingekauft wie es große Verlage auch machen. | © Foto: Intuitive Fotografie

Bad Oeynhausen Das Geheimnis der Königstöchter

Peggy Wehmeier veröffentlicht zweiten Bad Oeynhausen Krimi

Von Nicole Sielermann
05.09.2014 | Stand 03.09.2014, 22:07 Uhr

Bad Oeynhausen. Idyllisch? Das kann man von Bad Oeynhausen wahrlich nicht behaupten. Denn hinter den Fassaden öffnen sich Abgründe. Werden jahrzehntealte Geheimnisse gewahrt. Und wird deswegen sogar gemordet. Zumindest in Peggy Wehmeiers neuem Krimi "Königstöchter". Die gebürtige Rehmerin hat als Carla Berling jüngst den zweiten Bad Oeynhausen Krimi veröffentlicht – und begeistert bereits die ersten Leser.

Die Ideen stammen aus der Wirklichkeit. "Es gibt so viele Geschichten aus meiner Zeit bei der Neuen Westfälischen, die ich noch nicht verdaut habe", sagt Peggy Wehmeier. Und die die Wahl-Kölnerin nun in ihren Krimis mit der Hauptfigur Ira Wittekind – eine Journalistin – verarbeitet. Orientiert hat sich Wehmeier gleich bei der ersten Szene an einer wahren Gegebenheit. "Im Januar 1998 ist ein Vater mit seinen zwei kleinen Söhnen auf der Bergkirchener Straße vor einen Baum gefahren." Wehmeier, die als Berichterstatterin vor Ort war, hat die Bilder des Geschehens, die leblosen Körper, die fassungslosen Einsatzkräfte, nie mehr aus dem Kopf bekommen.

Und diese schrecklichen Erinnerungen nun als Szene in ihrem neuen Buch aufgegriffen. Wenn auch mit einem ganz anderen – fiktivem – Geschehen. Es sind Erinnerungen, die niemals ganz verschwinden. Dass weiß auch die Autorin dieses Textes. Die übrigens im neuen Buch vorkommt. Sie war damals ebenfalls am Einsatzort des Unfalls – und taucht nun gleich zu Beginn im Krimi auf.

Entstanden ist mit "Königstöchter" ein Streifzug durch Bad Oeynhausen, durch die Geschichte der Stadt. Es ist ein Krimi, der aber auch tiefe Einblicke in die ostwestfälische Seele gibt. Zum Beispiel, wenn die beiden alten Tanten im tiefsten Ostwestfälisch anfangen zu "schwadronieren". Sätze, die für Ortsfremde erst einmal gewöhnungsbedürftig klingen, Einheimische schmunzeln lassen.

Die Geschichte um die "Königstöchter" ist eine Geschichte von Freundschaft, von Abhängigkeit, von unvorstellbaren Taten. Vier alte Damen kennen sich seit Kindertagen. Zwei von ihnen kommen innerhalb kurzer Zeit auf entsetzliche Weise um. Reporterin Ira Wittekind findet heraus, dass sie durch ein grauenvolles Geheimnis untrennbar verbunden waren. Stück für Stück rollt sie Ereignisse aus der Vergangenheit auf und bringt Licht in eine unfassbare Tragödie, deren Folgen bis in die Gegenwart reichen.

Und dann: Der dritte Mord. Die Polizei tappt im Dunklen, der Mörder läuft frei herum. Ira ermittelt auf eigene Faust weiter. Alle Fäden scheinen in der Stiftung Morgenstern zusammenzulaufen, und dort entdeckt sie hinter dem Geheimnis der Frauen ein noch viel schlimmeres Drama.

Peggy Wehmeier schafft ein kriminelles Spinnennetz, das den Leser gnadenlos gefangen nimmt. Abgründig, psychologisch ausgefeilt und spannend. Es ist ein Buch, das nur schwer aus der Hand zu legen ist. Man muss es einfach in einem Rutsch zu Ende lesen – bis das Geheimnis der Königstöchter gelüftet ist. Und während dessen recherchiert, kombiniert und verdächtigt der Leser – bis zum Schluss. Wo dann die Wirklichkeit die schlimmsten Fantasien übertrifft.

Wehmeier gelingt mit "Königstöchter" ein Sprung auf die nächste, wenn nicht sogar übernächste Rangstufe der Krimiautoren. Das zweite Buch übertrifft das Erstlingskrimiwerk "Sonntagstod" bei weitem.

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