Direkt an der Straße zwischen Rothenuffeln und Bergkirchen befinden sich die Gräber der von Schlotheims. - © FOTO: KERSTIN RICKERT
Direkt an der Straße zwischen Rothenuffeln und Bergkirchen befinden sich die Gräber der von Schlotheims. | © FOTO: KERSTIN RICKERT

Bad Oeynhausen/Bergkirchen Zum Dank ein Denkmal für den Landrat

Grabstätten der Eheleute von Schlotheim hergerichtet / Verdienste in den Mittelpunkt rücken

Bad Oeynhausen/Bergkirchen. Wer sich auf dem Weg von Rothenuffeln nach Bergkirchen die Serpentinen der Bergkirchener Straße hinaufwindet, befährt eine historische Straße von besonderer Bedeutung für den Kreis Minden-Lübbecke.

Hoch oben in einer spitzen Kehre der Passstraße über das Wiehengebirge erinnern ein Hochkreuz-Denkmal und ein Doppelgrab mit zwei gusseisernen Kreuzen an den Landrat Freiherrn Carl Ludwig Theodor von Schlotheim, der sich in besonderem Maße um den Straßenbau des damaligen Kreises Minden verdient gemacht hat, und an seine Frau Melanie, Tochter des Königs von Westphalen, Jérôme Bonaparte.

Zum 138. Todestag Melanie von Schlotheims, die am 8. Juli 1876 verarmt in Rehme starb, wurde das Grab renoviert und präsentiert sich der Öffentlichkeit nun in neuem Glanz. Im Rahmen einer Gedenkfeier mit geladenen Gästen wurde vor allem der Frau an der Seite des ersten freigewählten Landrates des Kreises Minden besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Über viele Jahre habe dieser Ort des Gedenkens keine oder nur wenig Beachtung gefunden, so Wilhelm Rohlfing, langjähriger Ortsvorsteher von Rothenuffeln, in seiner Rede. Ein Fußweg auf dem Weg zur Kirche führte die Rothenuffelner hier vorbei. Für motorisierte Besucher war das Anhalten an der viel befahrenen Straße früher allerdings zu gefährlich. Deshalb wurden vor einigen Jahren bereits ein Parkstreifen und eine Sitzgruppe angelegt.

Wer den atemraubenden Blick über das nördliche Kreisgebiet genießt, kann sich kaum vorstellen, dass sich einst Pferdegespanne mühsam hier hochbewegen mussten, bevor die Straße gebaut wurde. Der Initiative des Freiherrn von Schlotheim, von 1849 bis 1869 Landrat des preußischen Kreises Minden, ist sie zu verdanken. Etwa 135 Kilometer Straßen ließ er in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die 2.000 Arbeitslosen Beschäftigung gab und die Gemeinden von der Armenfürsorge entlastete, bauen.

Die Straße, die von Hartum über Rothenuffeln und Bergkirchen nach Eidinghausen führt, wurde 1857 als erster fertiggestellter Bauabschnitt der Öffentlichkeit übergeben. Gleichzeitig wurde dem Landrat als Dank ein Denkmal gesetzt. Seinem eigenen Wunsch, an dieser Stelle mit seiner Frau begraben zu werden, wurde entsprochen.

Die guten Taten der Eheleute von Schlotheim mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken und ihr Andenken zu pflegen, ist das Anliegen der vom Vereinsring Rothenuffeln unterstützten Renovierungsaktion. Ortsheimatpfleger Uwe Meyer: "Das Grab war nicht ungepflegt, aber renovierungsbedürftig." Dass die Stätte künftig eine andere Bedeutung erhalte, als die "Denkmalkurve an der Schlangenstraße" zu sein, und die Geschichte der Menschen, die hier ruhen, mehr ins Bewusstsein gerate, hofft er für die Zukunft.

"Melanie von Schlotheim hat sich in bewundernswerter Weise für Arme und Kranke eingesetzt. In der damaligen Zeit war das als Novum anzusehen", würdigt Heinz Grannemann, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Hille, die besonderen Verdienste einer Frau, die ihren Lebensabend selbst in Armut verbringen musste. "Wir haben preußische Wurzeln, aber auch eine Vergangenheit in der napoleonischen Epoche", erinnert er. Die Renovierung der Ruhestätte des Landrats von Schlotheim und seiner Frau, der "Gräfin von Wietersheim", würdigt somit auch einen zwar kurzen, aber wichtigen historischen Abschnitt. "Das Königreich Westphalen war ein Vorläufer unserer heutigen Demokratie", sagt Klaus Trube, einer der Initiatoren der Gedenkfeier, und ruft die unter anderem im "Code civil" festgeschriebene Gleichheit vor dem Gesetz, Religions- und Gewerbefreiheit, Trennung von Staat und Kirche sowie die beginnende Aufzeichnung von Geburten und Todesfällen in Erinnerung.

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