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Förster Markus Uhr (l.) und Jäger Wilhelm Clamor kennen zahlreiche Pisten wie diese in Eidinghausen, wo Mountainbiker eine Schneise in den Wald gefahren haben. Nach Ansicht der beiden Kritiker zerstören die Radsportler auf diese Weise die Natur. - © FOTO: PETER STEINERT
Förster Markus Uhr (l.) und Jäger Wilhelm Clamor kennen zahlreiche Pisten wie diese in Eidinghausen, wo Mountainbiker eine Schneise in den Wald gefahren haben. Nach Ansicht der beiden Kritiker zerstören die Radsportler auf diese Weise die Natur. | © FOTO: PETER STEINERT

Bad Oeynhausen Mountainbiker – wie die Axt im Walde

Förster und Jäger Jäger beklagen zunehmende Belastung durch Radsportler

Von Peter Steinert
14.06.2014 | Stand 13.06.2014, 21:14 Uhr

Bad Oeynhausen. Sie rasen mit Spezialfahrrädern mitten im Wald steile Abhänge herunter. Dabei springen die Downhiller oder Freerider, wie sie sich selbst nennen, oft wagemutig über frei liegende Baumwurzeln oder selbstgebaute Schanzen. Klingt toll und sportlich, ist aber fast immer illegal. Und wenn dabei Fußgänger gefährdet, Tiere verschreckt oder der Bestand geschädigt werden, hört nach Meinung von Förster Markus Uhr der Spaß auf.

"Es ist eine Unverschämtheit, wenn Routen abseits der Wege genommen werden. Der Gipfel aber ist, wenn sich die Mountainbiker mit Hacke und Spaten eigene Pisten, sogenannte Trails, anlegen", ärgert sich der Beamte.

Uhr ist für den Forstbetriebsbezirk Petershagen verantwortlich, zu dem auch die Hänge des Wiehengebirges zwischen dem Porta-Denkmal und Oberlübbe auf der Nordseite als auch die auf Bad Oeynhausener Gebiet gelegene Südseite zwischen Dehme und Wulferdingsen zählt. "In diesem knapp 1.000 Hektar großen Areal haben wir 30 bis 40 illegale Strecken", sagt der Landesbedienstete. Immer öfter hat er sich mit den Mountainbikern auseinander zu setzen. Markus Uhr: "Besonders intensiv ist das im Abschnitt zwischen ’Wilder Schmied’ und der ’Krausen Buche’".

Wobei längst nicht mehr alle Biker aus der näheren Umgebung stammen. "Ich habe Autos mit Herforder und Bielefelder Kennzeichen gesehen", sagt der Förster, der nicht ausschließen mag, dass vor allem in Bielefeld die Kontrollen verschärft worden sein sollen. Ersatzweise fahren diese Leute dann hier in Bad Oeynhausen."

Hier am Rande der Kurstadt sind die Kontrollen noch selten. Und Uhr steht allein im dunklen Forst, wenn ihm ein Radler querfeldein vor die Füße fährt und sich sprichwörtlich wie die Axt im Walde benimmt. "Die Vernünftigen halten dann auch an und lassen sich belehren. Die anderem Biker aber lassen sich erst gar nicht auf ein Gespräch ein und geben Gas", weiß der 44-Jährige.

Er weiß auch, dass sich diese Downhill-Sportler in einschlägigen Internetforen abstimmen und von "geilen Trails" schwärmen. Bei der Anlage dieser Pisten gehen die Biker mit bemerkenswertem Fleiß und viel Energie zur Sache. Sie legen aufwendige Rampen, Hohlkurven und Abzweigstrecken an. Durch diese Aktivitäten würden Flora und Fauna des Waldes nachhaltig geschädigt oder sogar zerstört, sagt der Förster und nennt ein Beispiel: "Die Feinwurzeln der Bäume werden durchtrennt, dadurch dringt Sauerstoff ein, der die Entwicklung der Rotfäule begünstigt. Das ist ein Pilz, der den Baum nach einiger Zeit völlig zerstört."

Information

Willingen ist eine Hochburg

Das sauerländische Willingen hat sich auf den Boom der Mountainbiker eingestellt und bietet Touren für jeden Geschmack. Von der sanften Familien- und Forstwegrunde mit wenigen Höhenmetern bis zur technisch anspruchsvollen Tagestour. Das Angebot reicht von der Panorama-Runde über Singletrails bis zur Tour auf der Freeride-Strecke.

Das gesamte Wegenetz mit den 18 bis 60 Kilometer langen Pisten ist 1.700 Kilometer lang. Einsteigern und Etablierten ist das Mountainbike-Festival an diesem Wochenende in Willingen zu empfehlen.

Dabei ist die Frage der Haftung noch gar nicht geklärt. Möglich, dass die Waldbesitzer für die Kosten aufkommen müssen, wenn einem der Radsportler etwas zustößt. Von diesen Besitzern gibt es am Wiehen etwa 580, denen zumeist einzelne und schmale Parzellen gehören.

Wilhelm Clamor zählt nicht zu den Besitzern, dem Wald ist er dennoch verbunden. "Ich bin seit 26 Jahren Jagdpächter. Durch die Mountainbiker wird das Rehwild aus den Wäldern getrieben." Als Beweis für diese These führt er ein Rehkitz an, dass er erst unlängst mit gebrochenen Vorderläufen gefunden habe. Clamors klares Urteil über die Mountainbiker: "Das sind Waldfrevler, die kein Verhältnis zur Natur haben."

Genehmigte Trails – wie in Willingen oder Winterberg – wären auch für das heimische Wiehengebirge ein denkbarer Ausweg. Förster Markus Uhr: "Die Stadt könnte das moderieren zwischen Landschafts- und Forstbehörden, Waldbesitzern und legitimen Nutzern. Es könnte sogar zum Wettbewerb der einzelnen Kommunen kommen."

Insider zweifeln, ob sich der illegale Kick durch einen legalen Kurs ersetzen lässt. Ein Bielefelder Biker meint: "Ganz lösen lassen wird sich das Problem dadurch nicht, dafür ist die Szene einfach zu unorganisiert, deshalb wird es diese illegalen Trails immer geben."

Auch Wilhelm Clamor ist skeptisch: "Vielleicht gehört der Reiz des Verbotenen dazu."

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