Bad Oeynhausen Die alten, grünen Riesen

Heute ist Tag des Baumes: 28 Naturdenkmale in der Stadt / Bad Oeynhausen zählt zu den waldärmsten Kommunen

Die Krause Buche im Wiehengebirge hält sich wacker trotz einer Pilzerkrankung. Kürzlich stürzte ein anderer Baum um und verfehlte sie knapp. - © FOTO: GRESSHÖNER
Die Krause Buche im Wiehengebirge hält sich wacker trotz einer Pilzerkrankung. Kürzlich stürzte ein anderer Baum um und verfehlte sie knapp. | © FOTO: GRESSHÖNER

Bad Oeynhausen. Sie sind Schattenspender und Sauerstoffproduzenten, dienen als Treffpunkt für Menschen und Nistplatz für Tiere: Anlässlich des internationalen Baumtages hat Josef Brinker, zuständig bei der Stadt für Grünflächen und Landschaftsbau, NW-Volontärin Kristine Greßhöner seine Lieblingsbäume gezeigt.

An der Krausen Buche führt kein Weg vorbei: Die Süntelbuche im Wiehengebirge ist das wohl prominenteste Gewächs unter den 28 städtischen Naturdenkmalen und hat sogar einen eigenen Eintrag in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia. "Die Wahrheit ist noch nicht entdeckt", sagt Brinker. Ob eine Krankheit oder eine genetische Besonderheit für den speziellen Wuchs gesorgt haben, ist ungewiss. Unklar auch, ob sie gepflanzt wurde oder sich ausgesät hat. Bekannt ist, dass es einen anderen Baum gleichen Namens gab, wohl etwas oberhalb gelegen, der einen Blitzeinschlag nicht überstand. Die jetzige Buche mit dem markanten Blätterbaldachin ist wahrscheinlich ein Ableger.

Mit dem Auto geht es weiter nach Bergkirchen: Hinter dem Pfarrhaus stehen zwei Eiben. Die Giftigkeit von Nadeln und Samen ist legendär. "Eigentlich sind sie den meisten als Sträucher bekannt." Diese hier überragen deutlich das Haus, haben an der dicksten Stelle einen Umfang von über drei Metern. "Im Jahr 1882 haben sie den Brand des Gemeindehauses überstanden", so sei es auch in den Chroniken erwähnt.

Ein paar Autominuten entfernt, direkt an der Kreuzung in Volmerdingsen und ebenfalls in einem Pfarrgarten, steht eine prächtige Säuleneiche. 4,5 Meter misst ihr Stammumfang. Als "uralt" ist sie bekannt, so Brinker, nur leider sei ihre Geschichte nicht dokumentiert. "Vielleicht sind mehrere Eichen zusammengewachsen."

Zum Glück, so der Fachmann, sei der Eichenprozessionsspinner hier noch kein Problem. Vor den Raupen dieses Schädlings wird bundesweit gewarnt. Sie kriechen prozessionsartig, daher der Name, am Stamm entlang und fressen reichlich Grün: "Gefährlich für Menschen sind aber ihre Härchen, denn die enthalten ein Nesselgift – stärker als das von Brennnesseln."

Zurück im Innenstadtbereich zeigt Brinker auf einen großen Feldahorn, direkt am Gradierwerk. "Ein Ahorn im Garten eines Hauses steht symbolisch für dessen Schutz", sagt der 54-Jährige. Dieser hier sei eine Rarität und ungewöhnlich groß. Ein Alter von 500 Jahren könne ein Ahorn erreichen, wachse dabei aber recht langsam.

Ins Plaudern kommt der Agraringenieur und Ökologe, als es weitergeht in Richtung Kurpark. "Ich freue mich über jeden Baum." Er erzählt, dass die Miniermotte zwar ein Problem für die Kastanienbäume sei, aber nicht wie befürchtet den Bestand auslöschen werde. Dass in den letzten 20 Jahren in Bad Oeynhausen 20 Hektar Wald aufgeforstet worden seien. Dass die Kurstadt aber weiterhin als eine der waldärmsten Kommunen im Land gelte.

Der Ausflug endet schließlich an der wuchtigen Hainbuche, mit Blick auf das Kaiserpalais. "Einer der ältesten Bäume hier", sagt Brinker. "Und niemand weiß, wie alt sie wirklich ist." Sagt’s und nickt und blickt versonnen in die Baumkrone. "Wenn Bäume erzählen könnten."

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