Kreis Minden-Lübbecke. Ganz entspannt saß er mitten unter seinen Berufskollegen. Nach 20 Jahren am Vorstandstisch hatte Karl-Heinz Becker in der zweiten Reihe Platz genommen um die Ausführungen der Leiterin des Kreisveterinäramtes Dr. Ute Fritze zu Neuerungen aus dem Veterinär-Recht zu verfolgen.
Eine gute halbe Stunde war es her, das er zum letzten Mal als 1. Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke zu agrarpolitischen Themen Stellung genommen hatte.
"Auf dem Weg nach Frotheim habe ich eine gute Entwicklung auf den Äckern wahrgenommen" , freute sich der 63jährige Landwirt aus Offelten. Das Sommergetreide ist trocken in den Boden gekommen, mehr als die Hälfte der Zuckerüben sind gelegt und auch schon reichlich Kartoffeln gepflanzt.
Zufrieden äußerte er sich auch über die Ergebnisse der GAT-Verhandlungen und ließ seine 20jährige Amtszeit mit einigen persönlichen Worten Revue passieren. Schweinepest, Dioxin im Futter, BSE-Rinder oder PCB-Eier, Milchstreit und Demonstrationen in Bonn., Berlin, Straßburg und Brüssel, drei Bauernpräsidenten, drei Bundeskanzler, sechs Bundes- und vier Landesminister - vieles hat er während seit 1994 erlebt."Am wichtigsten war mir immer der Kontakt zur Basis, zu den Ortsverbänden. Das hat Spaß gemacht", betonte Becker Für den Berufsstand sei die Solidariät zwischen Bauern und Bäuerinnen von großer Bedeutung. "Gemeinsamkeit macht stark" hob er hervor und bedankte sich bei seinen Berufs- und Vorstandskollegen sowie den Mitarbeitern in den beiden Geschäftsstellen für die gute Zusammenarbeit und absolute Loyalität.
Nachdem die Versammlung ihren scheidenen Vorsitzenden mit langanhaltendem Beifall verabschiedet hatte, ging der Stabwechsel an der Spitze geräuschlos vonstatten. Von 87 abgegebenen Stimmen erhielt der neue Vorsitzende Hermann Seeker aus Pr. Ströhen 83 bei zwei Enthaltungen und jeweils einer Nein- und einer ungültigen Stimme.
Der neue Vorsitzende ist beileibe kein Unbekannter in der landwirtschaftlichen Branche. Hermann Seeker ist seit 30 Jahren in der Verbandspolitik aktiv. Er bewirtschaftet einen Schweinemastbetrieb mit Ackerbau in Pr.Ströhen. Außerdem ist er "Energiewirt". Er betreibt mit vier Berufskollegen eine Biogasanlage, die das Wärmenetz des Ortes versorgt. Er verfügt über einschlägige Erfahrungen als Orts- und Stadtverbandsvorsitzender, gehört seit sechs Jahren dem Kreisverbandsvorstand und seit zwei Jahren dem geschäftsführenden Vorstand des Kreisverbandes an.
Ebenso ist er durch verschiedene Tätigkeiten wie als Öffentlichkeitsvorsitzender mit der berufsständischen Arbeit bestens vertraut.
Der 52jährige Landwirt freut sich auf die neue Aufgabe. Die Verbandsarbeit gehöre für ihn zur Sicherung der landwirtschaftlichen Betriebe, deren Erhalt von großer Bedeutung für die gesamte Bevölkerung sei. "Wir erzeugen gesunde Nahrungsgüter, liefern Bioenergie, schaffen Ausgleichsräume und pflegen unsere Kulturlandschaft", betonte Hermann Seeker.
Ein ganz wichtiger Berufszweig sei die Öffentlichkeitsarbeit geworden. "Wir müssen in einer zunehmend kritischer werdenden Gesellschaft unser Tun und unsere Leistungen immer wieder erklären", unterstrich er. Seeker ist überzeugt, dass die Landwirtschaft nach wie vor ein wichtiger Faktor und Rückgrat des ländlichen Raumes bleibt.
"Doch wir Bauern müssen unsere Position in der Öffentlichkeit mehr verdeutlichen und dabei Verbündete suchen", bekräftigte der neue Vorsitzende.
Allseits beliebt
Am Montag gab Karl-Heinz Becker sein Amt als 1.Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes ab. Wie beliebt, bekannt und anerkannt der 63-jährige bei Berufskollegen und auch außerhalb der Landwirtschaft ist, verdeutlichten Kreislandwirt Rainer Meyer und der Leiter der Geschäftsstelle Lübbecke, Holger Topp. Becker habe mit hohen Fachwissen und dem Gespür für gesellschaftliche Verantwortung maßgeblich zur erfolgreichen Entwicklung des Berufsstandes beigetragen. Ihm habe die bäuerliche Landwirtschaft immer am Herzen gelegen und er sei ein entschiedener und überzeugender Vertreter seines Berufsstandes. Glaubwürdigkeit und Bodenhaftung, Sachkompetenz und rhetorisches Geschick, Schlagfertigkeit und Mutterwitz zeichneten ihn aus.