Oerlinghausen. Katzen schleichen als Einzelgänger durch die Lande. Diese früher weit verbreitete Annahme ist längst widerlegt – wie sich jetzt auch in der Aula des Niklas-Luhmann-Gymnasium gezeigt hat. Aufregung und Vorfreude halten sich dort bei den 90 Samtpfoten die Waage, denn sie haben lange auf ihren großen Auftritt warten müssen. Vier Jahre von der Idee bis zu Umsetzung, da wird es wirklich Zeit, dass die Samtpfoten nun die Bühne erobern.
Aus dem „Cats for Kids“ von damals sind die „Dancing Cats“ geworden. Damit die Geschichte der tanzenden Katzen nicht nur tänzerisch, sondern auch mit den entsprechenden Überleitungen zu einer stimmigen Einheit wird, hatten die Vorsitzende der Jazztanzabteilung, Vicky Gagelmann, und ihre Mitstreiterinnen Pfarrer im Ruhestand Klaus Sommer als Geschichtenerzähler gewinnen können. Ehe er in seinem gemütlichen Sessel am Bühnenrand Platz nimmt, ist er als alter Kater geschminkt worden – und dennoch erkennen ihn die meisten der rund 500 Besucher.
Größter Weiberheld jenseits der Metzgerei
Eigentlich hatte die Jazztanzabteilung des TSV Oerlinghausen ihr 25-jähriges Bestehen schon im Jahr 2020 mit der Neuauflage des ersten vertanzten Musicals aus dem Jahr 2002 feiern wollen. Die Coronapandemie durchkreuzte die Pläne und die Proben. Jetzt war es endlich soweit. Klaus Sommer schickt das Publikum in den Hinterhof einer Metzgerei, denn schließlich lieben Katzen die Tradition. In der aufwendig gestalteten Kulisse begegnen sich die kleinen flinken Kätzchen der tänzerischen Früherziehung, Charmebolzen „The Rum Tum Tugger“, in Katzenkreisen besser bekannt als „größter Weiberheld jenseits der Metzgerei“, der ausgebrochene Macavity, „der gefährlichste Kater unter dem Vollmond, der Angst und Schrecken verbreitet“ und nicht zuletzt die alte und in Erinnerungen schwelgende Grizabella.
Nur eine dieser Katzen wird am Ende ein Katzenleben bekommen. Welcher der Stubentiger das sein wird, das entscheidet sich erst zum guten Schluss. Vorher kommen die Besucher in den Genuss fabelhafter Choreographien und fantastisch geschminkter Akteurinnen, die den Katzencharakter herausarbeiten, die Krallen ausfahren und tänzerisch durchweg begeistern. Alle sieben Gruppen überzeugen mit ihren grazilen, verschmusten, verspielten und vor allem ausgezeichneten Auftritten. Selbst, als die Musik aussetzt, lassen sich die Akteurinnen nicht aus dem Konzept bringen, denn Katzen sind schließlich Anpassungskünstler.
Endlich wieder ein anderes Gesprächsthema
In der Pause übernehmen die Dienstagsfrauen die Cafeteria, ehe die Dancing Cats erneut für Aufsehen sorgen. „Ich bin unheimlich stolz für die Leistung der Tänzerinnen“, das hatte Markus Drees vom Vorstand des TSV Oerlinghausen bereits zu Beginn des Musicals hervorgehoben. Ebenso wie den nervenaufreibenden und unermüdlichen Einsatz.
Als Vater und Ehemann von mitwirkenden Katzen sei er aber auch froh, dass es nun endlich wieder ein anderes Gesprächsthema als Cats gebe, bekannte Drees. Der herzliche Dank ging am Ende an alle, die an der langen Entstehung des Musicals beteiligt waren – insbesondere an alle Übungsleiterinnen, die dafür gesorgt hatten, dass die Motivation hochgehalten wird.