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Ein auffälliges Banner umspannt die Ausstellung in der Alten Synagoge an der Tönsbergstraße in Oerlinghausen. - © Karin Prignitz
Ein auffälliges Banner umspannt die Ausstellung in der Alten Synagoge an der Tönsbergstraße in Oerlinghausen. | © Karin Prignitz

Kunstverein Oerlinghausen Besondere Ausstellung in der Alten Synagoge bezieht auch das Gebäude ein

Das Künstlerehepaar Rosemarie und Bernhard Sprute stellt bis zum 11. Dezember beim Kunstverein Oerlinghausen aus. Im Mittelpunkt stehen die Rettung aller Tiere der Arche Noah und drei Heldinnen aus dem Alten Testament.

Karin Prignitz
26.10.2022 , 19:29 Uhr

Oerlinghausen. Auf großes Interesse ist die Eröffnung der Ausstellung „Unbefangene Nachfragen. Szenen aus dem Alten Testament“ des Künstlerpaares Rosemarie und Bernhard Sprute aus Bad Oeynhausen gestoßen. Sowohl die Vorsitzende des Kunstvereins Oerlinghausen, Isolde Müller-Borchert, als auch der künstlerische Leiter, Andreas Beaugrand, kündigten Besonderes und Beachtenswertes an.

Unter den rund 100 Besuchern, die sich im Anschluss an die Eröffnung im Bürgerhaus in Kleingruppen auf den Weg in die Alte Synagoge machten, war auch der Verbandsvorsteher des Landesverbandes Lippe, Hans-Jörg Düning-Gast. Tief seien Rosemarie und Bernhard Sprute in die Materie der Geschichte jüdischen Lebens und der Oerlinghauser Synagoge eingedrungen, berichtete Andreas Beaugrand. Das Ergebnis: künstlerische Interpretationen des Alten Testaments und seiner Ikonografie mit Malerei, Objektkunst und einer zeichnerischen Installation an der Außenwand des ehemaligen Gebetshauses, die an der Tönsbergstraße sofort ins Auge fällt.

Franz Brinkmann, 2. Vorsitzender des Kunstvereins, der künstlerische Leiter Andreas Beaugrand, das Künstlerpaar Rosemarie und Bernhard Sprute sowie die Vorsitzende des Kunstvereins Oerlinghausen, Isolde Müller-Borchert (v. l.) im Ausstellungsraum der Alten Synagoge. - © Karin Prignitz
Franz Brinkmann, 2. Vorsitzender des Kunstvereins, der künstlerische Leiter Andreas Beaugrand, das Künstlerpaar Rosemarie und Bernhard Sprute sowie die Vorsitzende des Kunstvereins Oerlinghausen, Isolde Müller-Borchert (v. l.) im Ausstellungsraum der Alten Synagoge. | © Karin Prignitz

Die Ausstellung bilde gerade in Zeiten von Krieg, Klimawandel und Corona „den Spannungsbogen menschlicher Konflikte zwischen Altem und Neuem Testament“, erläuterte Andreas Beaugrand. „Das Miteinander wird in tragischer Weise skizziert.“ Rosemarie Sprute hatte sich mit den drei jüdischen Heldinnen Esther, Jael und Judith auseinandergesetzt. Esther hatte durch ihren mutigen Einsatz ihr Volk vor der Vernichtung gerettet. Ebensolchen Mut bewiesen Jael und Judith, die als Heldin Israels gilt. „Rosemarie Sprute hat unter Einsatz sämtlicher Körperkräfte Schicht auf Schicht in Öl auf Leinwand gebracht“, verdeutlichte Andreas Beaugrand.

Die Botschaft der liegenden Leiter

Die künstlerischen Interpretationen der Heldinnen schließen an die Reihe der politisch mutigen und entschlossenen Frauengestalten an, mit denen sich Rosemarie Sprute auf Gemälde alter Meister in Renaissance und Barock bezieht. In ihren Bildern spiegelt sich der Feminismusdiskurs der frühen Neuzeit ebenso wie eine starke politische Widerstandskraft. In der Mitte ihrer großformatigen, farbintensiven Bilder hat die Künstlerin auf dem Boden der Alten Synagoge eine Leiter platziert, von der der Farbgeruch ihrer Arbeit noch deutlich wahrzunehmen ist. Sie soll die Jakobsleiter als Auf- und Abstieg zwischen Himmel und Erde symbolisieren. „Warum brauchen Engel eine Leiter, wenn sie doch fliegen können“, das hatte sich Rosemarie Sprute gefragt und die Leiter liegend installiert. Inspirieren ließ sich die Künstlerin von Bildern des Barock. Gezeigt werden sie auf einem in der Synagoge aufgestellten Computerbildschirm.

Bernhard Sprute, dessen Schaffen schon seit längerer Zeit von Tier- und Pflanzendarstellungen dominiert wird, hat sich malerisch mit der Arche Noah auseinandergesetzt, auch mit den weniger beliebten Tieren wie Ratten, Schlangen oder Wespen. „Es kreucht und fleucht um die Synagoge herum“, so hatte es Isolde Müller-Borchert eingangs beschrieben und insbesondere auf ein Banner hingewiesen, das auf die Rettung aller Tiere auf der Arche Noah anspielt und um die Alte Synagoge gespannt ist. Sprute hat eigens für den Kunstverein eine Edition von 18 kleinen Tierbildern geschaffen.

Im Skulpturengarten der Synagoge ist die Plastik eines riesigen Fisches über einem vergleichsweise winzigen Pferd zu einem Wort aus dem 4. Buch Mose gestaltet, das sich, wie Andreas Beaugrand erläuterte, „typologisch zu einem Imperativ des Paulus in seinem Brief an die Galater verhält – ein jeder trage des anderen Last.“

Veranstaltungsreihe "Kunstentdecker" soll wieder starten

Die Ausstellung an der Tönsbergstraße 4 ist noch bis zum 11. Dezember jeweils samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 13 Uhr oder auf telefonische Anfrage geöffnet. Demnächst möchte der Kunstverein Oerlinghausen die Reihe „Kunstentdecker sein im Kunstverein“ wieder aufleben lassen. Fortgeführt werden soll sie von Vorstandsmitglied Sabine Husemann-Seidel. Angesprochen sind Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren.

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