0
Die Gemeindehäuser können eine Alternative für Gottesdienste sein, wenn die Kirchen aus Energiespargründen weniger geheizt werden sollen. Hier das Pfarrheim St. Michael in Oerlinghausen. - © Karin Prignitz
Die Gemeindehäuser können eine Alternative für Gottesdienste sein, wenn die Kirchen aus Energiespargründen weniger geheizt werden sollen. Hier das Pfarrheim St. Michael in Oerlinghausen. | © Karin Prignitz

Energiesparen Auch die Westlipper Kirchen sollen im Winter kalt bleiben

Um Energiekosten zu sparen, könnten Gottesdienste demnächst in Pfarrheimen und Gemeindehäusern stattfinden. Noch beraten die Kirchenvorstände und Gremien in Oerlinghausen und Leopoldshöhe.

Karin Prignitz
30.09.2022 , 08:12 Uhr

Oerlinghausen/Leopoldshöhe. Die Energiekosten schießen durch die Decke. Allerorten wird derzeit überlegt und entschieden, wo und wie Kosten eingespart werden können. Auch die Kirchengemeinden müssen sich Gedanken machen. Einer der Lösungsvorschläge dürfte alternativlos sein.

Die Kirchenvorstände der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinden Oerlinghausen und Leopoldshöhe treffen sich im Oktober, um konkrete Entscheidungen zu treffen. Schon jetzt aber gibt es Überlegungen. „Mein Vorschlag wird sein, Gottesdienste ab Januar im Gemeindehaus neben der Alexanderkirche zu feiern“, kündigt Pfarrerin Susanne Tono an.

Erst vor ein paar Tagen haben die katholische Kirchengemeinde St. Michael und mit ihr den gesamten Pastoralverbund Lippe-West die Handlungsempfehlungen des Erzbistums erreicht. Sie zielen ebenfalls darauf ab, die Heizung in den Kirchen im Winter abgeschaltet zu lassen und nach anderen Möglichkeiten zu suchen, Gottesdienste und Andachten zu feiern.

Weder Orgeln noch Kunst sollen Schaden nehmen

Derzeit werde das in den Gemeinden und Gremien diskutiert, berichtet Pfarrer Michael Karsten. Aller Voraussicht nach könnte schon im November in die Pfarrheime ausgewichen werden. Derzeit seien Sachverständige damit beschäftigt, Einzelempfehlungen abzugeben, denn wichtig sei, dass weder die Orgeln noch die Kunst in den Gotteshäusern Schaden nehmen. Sachverständige und eine Kunstkommission hätten ein Auge darauf.

Luftfeuchtigkeit ist dabei ein wichtiges Stichwort, die steigenden Kosten sind es sowieso. Würde weiter geheizt, wie bisher, „dann könnte das zu einer Verdoppelung der Kosten führen“, führt Verwaltungsleiterin Inga Haukambe den drastischen Anstieg vor Augen. „Im Oktober-Pfarrbrief werden wir die Gemeinde informieren“, kündigt sie an. Weitere Maßnahme könne sein, vorübergehend auf Werktagsmessen zu verzichten und Termine zu bündeln.

In Sachen Luftfeuchtigkeit sei es wichtig, dass 70 Prozent nicht überschritten werde. „Deshalb muss regelmäßig gemessen und gegebenenfalls ausgeglichen werden“, sagt Haukambe. „Die bisherige Grundtemperatur liegt im Durchschnitt bei elf bis zwölf Grad“, ergänzt Michael Karsten, „in Gottesdiensten bei 15 Grad.“ Allerdings dürfte nicht zu schnell hochgeheizt werden, sondern nur um zwei Grad pro Stunde, denn vor allem Orgeln könnten keine starken Temperaturschwankungen vertragen. „Wir haben das Thema in finanzieller und ökologischer Sicht im Blick“, sagt Karsten.

Neue Heizungsanlage regelt Luftfeuchtigkeit

Für die Alexanderkirche ist erst im Jahr 2020 eine neue Heizungsanlage angeschafft worden. „Die Luftfeuchtigkeit wird automatisch geregelt“, nennt Susanne Tono einen Vorteil. Schon während der harten Coronazeit hätten Erfahrungen gesammelt werden können. Fakt sei: „Die Orgel darf nicht zu feucht und nicht zu kalt werden, sonst fängt es an zu schimmeln.“ In Lipperreihe müsse anders überlegt werden. Dort sei eine Trennung von Kirche und Gemeindehaus nicht möglich.

In Leopoldshöhe rechnet Geschäftsführerin Gundula Huvendiek derzeit hin und her. „Noch gibt es kein endgültiges Konzept“, sagt auch sie. Auch hier wird es aber voraussichtlich auf eine Winter-Verlegung der Gottesdienste in das Gemeindehaus hinauslaufen, um Energie und damit Kosten zu sparen.

Was aktuell entschieden werde, müsse allerdings nicht zwingend Bestand haben, darauf verweist Inga Haukambe. Der einmal aufgestellte Fahrplan könnte mit steigenden Coronazahlen und entsprechend neuen Bestimmungen wieder durcheinandergewirbelt werden. Abstand halten, das sei dann in den Pfarrheimen und Gemeindehäusern womöglich nicht gegeben. Also dann doch wieder zurück in die kalte Kirche? Noch kann das niemand voraussagen. Tatsächlich aber haben die Kirchen schon während der Zeit, als die Türen offen standen und regelmäßig gelüftet werden musste, warme Decken angeschafft. Sie seien schon regelmäßig genutzt worden, bestätigen Susanne Tono und Gundula Huvendiek.

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken