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Eine rötlich-braune Schottische Hochlandkuh liebkost ihr schwarz-braunes Kälbchen. Der Nachwuchs in der Wistinghauser Senne ist noch scheu, lässt sich aber aus einiger Distanz beim Wandern beobachten. - © Linda Schnepel
Eine rötlich-braune Schottische Hochlandkuh liebkost ihr schwarz-braunes Kälbchen. Der Nachwuchs in der Wistinghauser Senne ist noch scheu, lässt sich aber aus einiger Distanz beim Wandern beobachten. | © Linda Schnepel

Begegnung mit Oerlinghausens Hochlandrindern Kälbchen-Nachwuchs in Oerlinghausens Senne

Seit Juli gibt es acht Kälbchen in der Herde der Schottischen Hochlandrinder. Wanderer können den Nachwuchs beobachten. Experten geben dafür Verhaltenstipps.

Linda Schnepel
15.09.2022 , 08:36 Uhr

Oerlinghausen. Wuscheliges Fell, tiefschwarze Knopfaugen und der von Zeit zu Zeit etwas unbeholfene Gang durchs Gehölz machen sie zum neuen Anlaufpunkt in der Wistinghauser Senne. Einen Blick auf die Kälbchen der Schottischen Hochlandrinder können Wanderer bei Touren durch das Waldgebiet seit Kurzem erhaschen. Doch die Jungtiere sind dem äußeren Erscheinungsbild zum Trotz keine Kuscheltiere. Dirk Grothe und Daniel Lühr vom Naturschutzgroßprojekt geben beim Waldspaziergang drei Tipps zu richtigen Verhaltensweisen beim Wandern.

Die Kälbchen stehen zusammen mit den anderen 34 Schottischen Hochlandrindern auf den Koppeln im Gebiet zwischen Oerlinghausen, Stukenbrock und dem östlichen Teutoburger Wald. Wanderwege wie etwa die knapp elf Kilometer lange „Ochsentour“ führen durch die Weidekoppeln.

Drei bis sechs Monate sind die Kälber nun alt und bleiben immer in Sichtweite ihrer Mütter, die sie zur Zeit noch komplett säugen. Diese enge Verbindung zwischen Kalb und Muttertier führt direkt zu Verhaltensregel Nummer eins, auf die Diplombiologe Daniel Lühr auch beim Pressetermin großen Wert legt. „Man sollte sich nie zwischen Mutter und Kalb begeben, dann fühlen die Tiere sich bedroht und ergreifen die Flucht.“ Der Schutzinstinkt der Kühe könnte sogar zu Drohverhalten gegenüber den Menschen führen. Bei einem Mindestabstand von 25 Metern zu den Rindern droht Spaziergängern allerdings keine Gefahr. Denn die Rasse sei extra angeschafft worden, weil sie grundsätzlich genügsam und gutmütig sei, sagt Daniel Lühr.

Lebenszweck: Den Wald licht halten

Die weiblichen Kälber bleiben auch bei ihren Müttern, wenn sie nicht mehr gesäugt werden. Ihr Daseinszweck in der Senne: den Wald licht halten, das heißt, dominantes Gehölz wegfressen und somit einen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten schaffen.

Mit dem Teleobjektiv erhascht: Auch die Fotografin hält sich an die Abstandsregel. - © Linda Schnepel
Mit dem Teleobjektiv erhascht: Auch die Fotografin hält sich an die Abstandsregel. | © Linda Schnepel

Die Nachwuchs-Bullen müssen spätestens mit neun Monaten von der Herde getrennt oder kastriert werden. „Sie würden sonst anfangen, die anderen Tiere zu decken und wir bekämen ein Inzuchtproblem“, erklärt Daniel Lühr. Und den Nachwuchs planen die Projektmitarbeiter genau. Für das nächste Jahr rechnet Daniel Lühr mit acht bis zehn weiteren Kälbern. Zur Zeit stehen zwei Kühe bei einem spanischen Sayaguesa-Bullen bei einem privaten Halter, acht weitere stehen mit dem eigenen Zuchtbullen zusammen auf einer Koppel. „Natursprung“ nennen Biologen diese Art der Fortpflanzung, im Gegensatz zur künstlichen Befruchtung.

Auch wenn die Tiere so natürlich wie möglich und das ganze Jahr im Freien leben, werden sie gut überwacht. Ein Tierarzt behandelt kranke oder verletzte Tiere, und im Winter wird, wenn nötig, auch zugefüttert. Das führt zu Regel Nummer zwei. „Man sollte die Tiere nicht füttern“, sagt Daniel Lühr. Es sei erstens nicht nötig und könne zweitens dazu führen, dass die Tiere anfangen, die Wanderer zu bedrängen.

Hunde müssen an die Leine

Rücksicht auf den Lebensraum der Tiere und auf nachfolgende Wanderer spielen auch bei Regel drei eine wichtige Rolle. Hunde müssen angeleint werden. Die Tiere können Panik- und Fluchtreaktionen bei den Rindern auslösen und diese für nachfolgende Wanderer zur Gefahr werden. Im Ausnahmefall könnten die Rinder auch zum Angriff auf den Hund übergehen. Bisher habe es laut Daniel Lühr noch keine Zwischenfälle gegeben.

In Zukunft könnte ein ausgewählter Teil der männlichen Tiere in der Zucht eingesetzt oder als Fleisch verwertet werden. Nachfrage von Restaurants gebe es jedenfalls. „Doch unser Hauptziel ist, die Herde zu verstärken“, sagt Daniel Lühr. Die weiblichen Kälber werden als „natürliche Landschaftspfleger“ in der Wistinghauser Senne bleiben.

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