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Heike Raabe-Zorn, Claudia Jatzkowski, Jennifer Thielmann und Jörg Farthmann (v. l.) gehören zu den Darstellern bei den Wikingertagen. Neben ihnen werden Brettchen- und Bandwebrahmen präsentiert. - © Karin Prignitz
Heike Raabe-Zorn, Claudia Jatzkowski, Jennifer Thielmann und Jörg Farthmann (v. l.) gehören zu den Darstellern bei den Wikingertagen. Neben ihnen werden Brettchen- und Bandwebrahmen präsentiert. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Helmut der Gutmütige dreht die Sau

Die Wikingertage im Freilichtmuseum erleben am Sonntag einen enormen Besucherstrom. 70 Darsteller aus vier Ländern zeigen, wie Wikinger gelebt haben.

Karin Prignitz
13.09.2022 , 07:11 Uhr |

Oerlinghausen. Mit zwei dicken braunen Fellen über der Schulter läuft der Mann durch das Archäologische Freilichtmuseum (AFM). Erstanden hat er sie an einem der vielen Marktstände und wird sie schon bald gebrauchen können, denn zumindest in Teilen schützen sie vor den Regenschauern, die am Eröffnungstag immer wieder herunterprasseln und die von vielen herbeigesehnte Abkühlung bringen. Für alle Fälle hat der Besucher auch einen neuzeitlichen Schirm dabei. Mit welchen Hilfsmitteln die Menschen in der Zeit von 790 bis 1070 nach Christus gelebt haben, das erleben die Besucher an den beiden Wikingertagen.

Mehr als 70 Living-History-Darsteller und Händler aus Deutschland, den Niederlanden, England und Polen zeigen anschaulich, was die Wikinger getragen, wie sie gekämpft und gewohnt haben. Trotz der Regenfälle kommen schon am Samstag knapp 800 Besucher, am Sonntag nimmt der Besucherstrom kein Ende. 1.400 Gäste wollen die Wikinger sehen. „Die Wikingertage waren überproportional gut besucht“, bestätigt Museumsleiter Karl Banghard. Im frühmittelalterlichen Hallenhaus lodert ein Feuer. In einem großen tönernen Topf wird Wolle mit Krapp gefärbt. „Mit den Krapp-Wurzeln, die mit Kletterkraut verwandt sind, kann man rot färben“, erläutert eine der Darstellerinnen.

Ein paar Meter weiter zeigt ein Münzmacher aus Polen seine Kunst. Bernsteinketten hängen daneben. Gegenüber haben Heike Raabe-Zorn, Claudia Jatzkowski und Jennifer Thielmann aus Köln und Schwerte als kleine eigenständige Gruppe Brettchen- und Bandwebrahmen aufgestellt und die daraus entstandenen Produkte. Kai Thielmann fertigt Silberschmuck.

Alan Walker, seine Frau Sabrina und Tochter Alexis gehören zu den am auffälligsten gekleideten Besuchern. - © Karin Prignitz
Alan Walker, seine Frau Sabrina und Tochter Alexis gehören zu den am auffälligsten gekleideten Besuchern. | © Karin Prignitz

Die wohl am auffälligsten gekleideten Besucher sind Alan, Sabrina und Alexis Walker aus Lübbecke. Das Paar und seine Tochter (9) stellen einen Krieger, eine Schildmaid und eine Prinzessin dar. „Wir sind zum ersten Mal bei den Wikingertagen“, erzählen sie und auch, was sie an den Wikingern schätzen. „Die Loyalität, die es damals gegeben hat und die Gleichberechtigung. Dass Frauen nichts können und nichts sind, das gab es damals nicht.“ Auch Kinder seien viel mehr einbezogen worden.

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Schweinebräter Helmut der Gutmütige und seine Mitarbeiter erfreuen die Gaumen der Besucher mit dem Fleisch zweier sich über dem Feuer drehender Spanferkel. - © Karin Prignitz
Schweinebräter Helmut der Gutmütige und seine Mitarbeiter erfreuen die Gaumen der Besucher mit dem Fleisch zweier sich über dem Feuer drehender Spanferkel. | © Karin Prignitz

Auch Schilde werden als Waffe benutzt

Unterm schützenden Dach können Kinder der heutigen Zeit Wikingerschiffe fertigen. Am Tisch, auf dem die Materialien stehen, sind die Plätze begeht. Nebenan können Bälle gefilzt werden. Angebote, die gut ankommen bei den jüngsten Besuchern – und auch bei den älteren. Ivo und Enno suchen sich Farben für ihren Filzball aus. In der Mitte steckt ein Tischtennisball. Um ihn herum werden Schafwollschichten gewickelt und gedreht. Immer wieder werden die entstehenden Bälle in heiße Wasserlauge getaucht und schließlich in kaltes Wasser, ehe sie am Ende ein Stück aufgeschnitten werde und mit Augen versehen demnächst womöglich zum Frosch werden. Auch ein Schattentheater stößt auf Begeisterung.

Zwei Spanferkel drehen sich unterdessen über dem Feuer von Schweinebräter Helmut dem Gutmütigen und seinem Team. Eine ordentliche Portion Fleisch brauchen nach ihrer äußerst eindrucksvollen Kampfshow wohl auch die Wikinger. Mit Messern, wie sie den einfachen Bauern in der Wikingerzeit zur Verfügung standen, aber auch mit der Einaxt, dem Einhand- und dem Zweihandspeer wird gekämpft. Dass Schilde nicht nur dem Schutz dienten, sondern ebenfalls als Waffen eingesetzt werden konnten, verwundert die meisten der Zuschauer. Vor allem die Kinder fiebern mit und erleben, dass die am Boden liegenden Kämpfer fix wieder aufstehen, denn natürlich ist es nur eine Vorführung und nicht Realität, was sie dort geboten bekommen. Auf Interesse stößt auch eine Modenschau. Die ausgesuchte Qualität der Darstellung, ob bei Darstellern oder Händlern, macht immer wieder aufs Neue den Unterschied zu kommerziellen Veranstaltungen deutlich.

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