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Die Grundschule in Helpup braucht Platz. Die vorhandenen Klassenräume können die Grundschüler nicht mehr aufnehmen. - © Gunter Held
Die Grundschule in Helpup braucht Platz. Die vorhandenen Klassenräume können die Grundschüler nicht mehr aufnehmen. | © Gunter Held

Oerlinghausen Voll bis unters Dach

Die Grundschule Helpup kämpft mit zahlreichen Problemen. Wegen des Mangels an Räumen sitzen sehr viele Anfänger in den Klassen.

Knut Dinter
01.09.2022 , 07:11 Uhr

Oerlinghausen. In den nordrhein-westfälischen Grundschulen werden im Durchschnitt 23,5 Kinder pro Klasse unterrichtet. In Helpup liegt der Wert weit darüber. In den drei Anfängerklassen drängen sich 26, 27 und 28 Kinder. „Wir sind voll bis unter das Dach“, sagte Schulleiterin Ulrike Petersen im Ausschuss für Schule und Kultur. „Die Klassen sind rappelvoll, weil wir keinen Raum mehr haben. Ganz ehrlich: Das ist eine Zumutung.“ Um Platz zu gewinnen, wurde bereits die Schulbücherei aufgegeben. Daraus wurde ein Betreuungsraum, hier wird jetzt auch das Mittagessen eingenommen.

Insgesamt besuchen 303 Mädchen und Jungen die Grundschule. Das Kollegium umfasst 14 Lehrerinnen und einen Lehrer, unterstützt (jeweils in Teilzeit) von drei Sonderpädagoginnen und zwei sozialpädagogischen Fachkräften. Schon seit mehr als einem Jahr ist die Stelle der stellvertretenden Schulleitung unbesetzt. „Es gab schon mehrere Ausschreibungen, aber null Bewerbungen, nicht mal Interessenbekundungen“, sagte Petersen, die nun beide Aufgabenfelder übernehmen muss. Nur mit der wertvollen Unterstützung der Sekretärin Heike Unterkötter („eine Perle“) und des Hausmeisters Martin Böddeker „halten wir die Schule am Laufen“.

In der Offenen Ganztagsschule (OGS) sei die Situation ähnlich. „Auch da ist es rappelvoll“, sagte Petersen. Zum neuen Schuljahr konnten 42 Kinder aufgenommen werden, die Nachfrage sei aber wesentlich größer gewesen. „Dann spielen sich zum Teil Dramen ab, wenn die Eltern weinend auf eine Ablehnung reagieren. Wir können aber wirklich nicht mehr aufnehmen.“ Um die Auswahl möglichst gerecht zu gestalten, wurde ein Kriterienkatalog erstellt und dann entschied ein Losverfahren. In der OGS werden 130 Kinder betreut, die Verlässliche Grundschule (VG) besuchen 55 Kinder.

13 Personen gehören zum pädagogischen Personal. „Es sind aber keine Vollzeitstellen“, betonte Schulleiterin Petersen. Dies mache die Aufgabe sehr unattraktiv, denn „davon kann man keine Familie ernähren.“ Hier sei jedoch nicht die Stadt als Schulträger, sondern vielmehr das Land gefragt, um eine grundsätzliche Verbesserung herbeizuführen.

Fachbereichsleiter Marcel Jagnow wies darauf hin, dass langfristig ohnehin neue Lösungen gefragt seien, denn ab 2026 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung ihrer Grundschulkinder. Neben der räumlichen Enge seien die personellen Probleme noch viel größer. „Denn alle OGS-Träger brauchen dann ja zusätzliches Personal“, sagte er.

»Auch die Busse sind rappelvoll«

Einige Kinder, die im Zentrum von Oerlinghausen wohnen, werden gemeinsam gebracht und abgeholt. „Aber auch die Busse sind rappelvoll, es ist eine Katastrophe“, bemängelte die Schulleiterin. Bis zu den Sommerferien sei wegen der Corona-Lage noch ein zweiter Bus eingesetzt worden. Jetzt habe die Polizei bei einer Stichprobe festgestellt, dass sich 89 Kinder in dem verbliebenen Bus befanden. Derzeit werden darüber Gespräche mit der Kommunalen Verkehrsgesellschaft Lippe geführt.

Schritt für Schritt setze die Schule das Medienkonzept um. „Soeben wurden fünf grüne Tafeln abmontiert und gegen interaktive Whiteboards getauscht“, sagte Petersen. Diese digitalen Schultafeln verfügen über LED-Bildschirme und Touch-Screen und sind somit für vielfältige Anwendungen geeignet. „Wir warten jetzt nur noch auf den Glasfaseranschluss, damit wir die Geräte auch voll umfänglich nutzen können“, meinte Petersen. Nach Auskunft der beauftragten Firma Sewikom aus Beverungen werden die Arbeiten erst im kommenden Jahr abgeschlossen. Dann kann die Schule mit einer schnelleren Datenrate rechnen.

Während der zurückliegenden heißen Tage kamen Schüler und Lehrkräfte mächtig ins Schwitzen. „Trotz der Jalousien hatten wir 28 bis 32 Grad in den Klassenräumen, da muss etwas gemacht werden“, sagte Petersen. Einige Jalousien seien auch defekt und nicht mehr zu bewegen. Im Winter hingegen wurden häufig nur 14 Grad gemessen – jedoch nicht als Beitrag zum Energiesparen. „Als wir hörten, dass öffentliche Gebäude höchstens auf 19 Grad beheizt werden sollen, hat das Kollegium herzlich gelacht“, sagte die Schulleiterin.

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