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In bunten Kostümen führen die Kinder die Vogelhochzeit auf. Auch die Requisiten dafür sind im Vorfeld gestaltet worden. - © Karin Prignitz
In bunten Kostümen führen die Kinder die Vogelhochzeit auf. Auch die Requisiten dafür sind im Vorfeld gestaltet worden. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Oerlinghauser Kita Regenbogen besteht seit 25 Jahren

Vier Leiterinnen erzählen von der Entwicklung, von Vorurteilen, die sich zu der Einrichtung in der Südstadt lange gehalten haben und einem Umdenken, das stattgefunden hat.

Karin Prignitz
27.08.2022 , 12:41 Uhr

Oerlinghausen. „Wie viele Kinder haben sie denn, die deutsch sprechen?“ Die Frage nach der Höhe des Ausländeranteils haben Leiterinnen und Erzieherinnen der evangelischen Kindertagesstätte (Kita) Regenbogen an der Sennestraße immer wieder gehört. „Das war ein Prozess über viele Jahre hinweg“, sagt die erste Leiterin Ingrid Huneke. „Die Vorurteile waren schlimm.“ Mittlerweile besteht die Kita seit 25 Jahren, und die Meinung hat sich gewandelt.

„Viele Eltern melden ihre Kinder heute bewusst bei uns an, gerade weil sie die multikulturelle Zusammensetzung schätzen“, berichtet die aktuelle Kita-Leiterin Svenja Fenkl von einer Vielfalt, die nicht nur in der Kita, sondern auch im Leben allgemein Normalität ist. „Die Kinder sind schon früh auf die gesellschaftliche Situation vorbereitet worden“, fügt Dagmar Strohmeier an. Sie hat die Kita von Oktober 2002 bis zum Jahr 2016 geleitet.

Tatsächlich lag der Anteil der Kinder, die aus Russland, Polen, Kurdistan, Bulgarien, Syrien, Serbien, Eritrea, Nigeria, dem Irak, der Türkei, aus Rumänien, China und Paraguay kamen, anfangs etwa 80 bis 90 Prozent. „Heute beträgt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund 65 bis 70 Prozent“, sagt Svenja Fenkl.

Kita hat sich dafür eingesetzt, dass vor allem Mütter einen Sprachkursus besuchen

13 Nationen sind derzeit vertreten. „Der Schwerpunkt hat sich allerdings verändert.“ Derzeit kommen viele Kinder aus Syrien und Eritrea. Um die Sprachbarrieren zu überwinden, habe sich die Kita immer aktiv dafür eingesetzt, dass vor allem die Mütter einen Sprachkursus besuchen. „Da haben wir Hilfestellung geleistet“, bestätigt Kerstin Schütte-Drawe, die die Leitung während des Mutterschaftsurlaubs von Svenja Fenkl mit kurzer Unterbrechung von 2018 bis Februar 2022 übernommen hat und seit 1. Juli im Ruhestand ist.

Am 1. September 1997 haben sich die Türen der Kita am Ende der Sennestraße zum ersten Mal für 65 Kinder geöffnet. Zuvor hatten 25 von ihnen eine Zeit lang ein Provisorium an der Florence-Nightingale-Straße besucht. Zwei Wohnungen in der ehemaligen Conle-Siedlung waren dafür miteinander verbunden worden. Ingrid Huneke ist die große Dankbarkeit von Eltern und Kindern im Gedächtnis geblieben, aber auch, dass die Verständigung nicht einfach war. „Das war eine große Herausforderung, wir haben viel leisten müssen.“

Buntstifte, Knete, das hätten viele der Kinder nicht gekannt. Die Elternabende waren nur schwach besucht. „Es hat Spaß gemacht, aber es war schwer“, sagt Huneke, die oft Hausbesuche gemacht hat, um die Kinder zu verstehen. „Das hat mir sehr geholfen.“ Und auch den Eltern, die ihre Wertschätzung ausdrückten.

Pfarrer Klaus Sommer, Ingrid Huneke, Dagmar Strohmeier (vorne, v. l.) sowie Svenja Fenkl und Kerstin Schütte-Drawe (hinten, v. l.) erzählen von der Entwicklung der Kita. - © Karin Prignitz
Pfarrer Klaus Sommer, Ingrid Huneke, Dagmar Strohmeier (vorne, v. l.) sowie Svenja Fenkl und Kerstin Schütte-Drawe (hinten, v. l.) erzählen von der Entwicklung der Kita. | © Karin Prignitz

Damals habe es bereits eine kleine altersgemischte Gruppe gegeben. Zu dieser Zeit durchaus ungewöhnlich. In der neu erbauten Kita gab es von Anfang an eine U-3-Gruppe, die allerdings keine reine U-3-Gruppe war, „das gab es damals noch nicht“, sagt Ingrid Huneke. Das sei aber auch gut so gewesen, „denn so konnten alle Kinder voneinander lernen und Rücksicht aufeinander nehmen“.

In den Jahren 2010 bis 2016 wurde umgebaut. Mit dem Kinderbildungsgesetz kamen neue Herausforderungen hinzu. Alles musste dokumentiert werden. „Der Verwaltungsaufwand ist exponentiell gestiegen“, verweist Klaus Sommer auf den zusätzlichen Aufwand.

In der Kita-Landschaft allgemein wird es immer schwieriger, genügend Erzieher zu finden. „Wir können uns derzeit glücklich schätzen, dass alle Stellen besetzt sind“, sagt Svenja Fenkl. Bereits im Jahr 2014 folgte die Zertifizierung zum Familienzentrum.

Insgesamt, sagt Dagmar Strohmeier, sei die Wertstellung der Kitas gestiegen, die Angebote an Hilfsangeboten umfangreicher geworden. „Kitas werden jetzt auch aus Bildungsstätte gesehen.“ Diese Anerkennung sei sowohl inhaltlich als auch im Ansehen der Bevölkerung von Vorteil. Im Gegenzug stiegen die Ansprüche der Eltern. Sicherlich habe sich die Arbeit verändert, „spielen ist aber immer noch sehr wichtig“, hebt Ingrid Huneke hervor. „Das ist es nach wie vor“, bestätigt Kerstin Schütte-Drawe.

Fingerspiele, Kreisspiele, singen und das Vorlesen seien für die Sprachförderung wichtig. „Das wird hier jeden Tag gelebt“, sagt Svenja Fenkl, die auch auf die Mitbestimmung der Kinder verweist. „Partizipation ist ein neuer wichtiger Punkt“, ergänzt Kerstin Schütte-Drawe. Den Kindern werde längst nicht mehr alles aufdiktiert. Die Jungen und Mädchen bestimmen mit, welche Projekte umgesetzt werden sollen, „und sie entscheiden selbst, wie ihr Geburtstag gefeiert wird“, nennt die aktuelle Leiterin Beispiele aus dem Kita-Alltag.

Einig sind sich Fenkl und ihre Vorgängerinnen, dass die Kita „Regenbogen“ einen traumhaften Standort hat. Sie liegt in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgroßprojektes, nahe dem Segelflugplatz und seit einiger Zeit auch neben den Südstadtgärten. Bei Spaziergängen gibt es für die Kinder also viel Spannendes zu entdecken.

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