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Das Schaufenster seines Hauses, das ehemalige „Altenbernd-Haus“ an der Hauptstraße, hat Bestatter Heilmann mit einem Sarg mit Rallye-Streifen, einer Carrera-Bahn und einem Bild von Steve McQueen dekoriert. - © Fotos: Horst Biere
Das Schaufenster seines Hauses, das ehemalige „Altenbernd-Haus“ an der Hauptstraße, hat Bestatter Heilmann mit einem Sarg mit Rallye-Streifen, einer Carrera-Bahn und einem Bild von Steve McQueen dekoriert. | © Fotos: Horst Biere

Oerlinghausen Kreativität für die letzte Reise

Bestatter David Heilmann entwickelt individuelle Ideen, um die Beerdigung persönlich und gleichwohl würdevoll zu gestalten – auch im Sarg mit Rallye-Streifen.

Horst Biere
23.06.2022 , 07:11 Uhr

Oerlinghausen. Wie möchte ich einmal beerdigt werden? Diese Frage stellt sich jeder irgendwann im Leben. Klassische Bestattungen mit mittelbraunem Eichensarg und Liedern aus dem Gesangbuch sind heute eher weniger geworden. „Eindeutig wünschen sich Menschen heutzutage eine individuelle letzte Reise“, sagt Bestatter David Heilmann, manche hätten die Trauerzeremonie bereits zu Lebzeiten klar vor Augen. Und mit Ideen und Kreativität hat Heilmann längst darauf reagiert und berät die Hinterbliebenen entsprechend.

„Die Trauerfeier sollte verknüpft sein mit dem Leben, das der oder die Verstorbene geführt hat“, meint Heilmann. „Wenn jemand Rockmusik über alles liebte, dann sollte man auch Rockmusik auf der Beerdigung spielen.“ Und wenn jemand Formel-I-Fan war und schnelle Autos schätzte, dann kann man ihn auch in einem Sarg bestatten, der an große Autorennen erinnert. Im Schaufenster seines Geschäftshauses an der Hauptstraße zeigt der kreative Bestattermeister, wie eine individuelle und ideenreiche Bestattung aussehen kann. Blickfang war wochenlang ein hellblauer Sarg mit Rallye-Streifen auf dem Deckel. Daneben eine Carrera-Bahn und ein großes Poster vom Schauspieler Steve McQueen. Alles erinnerte an den legendären Film des Le-Mans-Rennens und den Spruch McQueens: „Das Rennen ist das Leben – alles was vorher oder hinterher geschieht, ist nur das Warten.“

Unvergesslich sei für ihn die sehr individuelle Feier beim Tod eines guten Freundes gewesen, der den Hermannslauf stets in der Uniform eines Römers mitgemacht habe, sagt David Heilmann, der neben dem Hauptgeschäft in der Bergstadt auch eine Filiale in Lage betreibt. Auf der Trauerzeremonie habe dann ein großes Poster den Verstorbenen gezeigt, wie er mit einer Toga bekleidet und einem Kurzschwert bewaffnet, den Hermannslauf gewandert ist. „So wie man ihn in Erinnerung behalten sollte“, meint Heilmann.

Was hat sich verändert im Bestattungswesen in den letzten Jahren? Gibt es Trends, gar Modeerscheinungen? „Eindeutig viel mehr Einäscherungen“ erklärt David Heilmann. Als er vor fast 25 Jahren die Bestatterfamilien Bohle-Heintze kennenlernte und in den Betrieb eintrat, entschieden sich die Menschen zu 95 Prozent für Sargbestattungen. Als er dann 2007 die Geschäftsführung übernahm und das Unternehmen in Bohle-Heilmann umbenannte, lief der Trend schon auf die Urne zu. „Heute verzeichnen wir etwa 70 Prozent Urnenbestattungen“, erläutert Heilmann. Auch die Trauerfeier finde mittlerweile rund um die Asche der Verstorbenen statt.

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger

Ideenreiches Design und frische Farben prägen auch die Urnen, die Oerlinghausens Bestatter David Heilmann in seinen Räumen – mit einer Trauerhalle – präsentieren kann. - © Horst Biere
Ideenreiches Design und frische Farben prägen auch die Urnen, die Oerlinghausens Bestatter David Heilmann in seinen Räumen – mit einer Trauerhalle – präsentieren kann. | © Horst Biere

Als eine wichtige neuzeitliche Entwicklung sieht David Heilmann die Nachhaltigkeit. „Ökologie ist auch für uns ein großes Thema“, sagt er. Und er meint damit, dass er zum Beispiel Särge bei hiesigen Produzenten und Händlern erwirbt. Auch dass die Holzoberflächen mit Naturprodukten behandelt werden, gehöre dazu. Kurze Transportwege seien für ihn – wo immer möglich – selbstverständlich. Deshalb arbeite er auch mit Krematorien in der Nähe, wie dem am Sennefriedhof, zusammen. Auch beim Kauf von Urnen verfolgt David Heilmann eine grüne Linie: „Der Trend geht eindeutig hin zu abbaubaren Materialien“. Das können Gefäße aus Maisstärke sein, aus gehärteten Naturfaserstoffen oder aus gedrechseltem Holz. Und letztlich sei Keramik auch kein Material, das dem Erdreich schade.

Das Thema Digitalisierung spielt für Heilmann noch keine so große Rolle, obwohl er die Entwicklung aufmerksam verfolgt und digitale Angebote über Partnerunternehmen anbieten kann. „Im Todesfall sind die meisten Menschen noch eher konservativ, obwohl es natürlich virtuelle Kondolenzbücher gibt und man dort auch digital Kerzen anzünden kann“, berichtet er. Auch QR-Codes auf Grabsteinen steht er mit eher gemischten Gefühlen gegenüber. Als eine Bereicherung dagegen sieht er die Möglichkeit, lebendige Geschichten, die mit dem Verstorbenen zu tun haben, auf virtuelle Seiten hochzuladen. Die Geschichten spiegeln dann die individuelle Seite des Verstorbenen wider. Und das ist es, was David Heilmann bei einer Bestattung wohl insgesamt erreichen möchte: Das Leben des Verstorbenen, seine Persönlichkeit, seine Stärken aber auch seine Schwächen noch einmal Revue passieren zu lassen. Die Abschiedsfeier sei gelungen, wenn alle das Gefühl haben, er oder sie sei mitten unter den Trauergästen gewesen, fast David Heilmann zusammen.

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