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Die Autoren und die Gestalterin mit dem fertigen Buch: Alexander Gruber (v. l.), Gisela Burkamp, Fred Schierenbeck, Andreas Beaugrand, Carina Thomas, Isolde Müller- Borchert präsentieren das Werkverzeichnis des Oerlinghauser Künstlers. - © Sibylle Kemna
Die Autoren und die Gestalterin mit dem fertigen Buch: Alexander Gruber (v. l.), Gisela Burkamp, Fred Schierenbeck, Andreas Beaugrand, Carina Thomas, Isolde Müller- Borchert präsentieren das Werkverzeichnis des Oerlinghauser Künstlers. | © Sibylle Kemna

Oerlinghausen Das Gesamtwerk Fred Schierenbecks ist erfasst

Für das Werkverzeichnis des Oerlinghauser Künstlers haben viele Weggefährten die einordnenden Kommentare geschrieben. Zu bekommen ist es beim Kunstverein.

Sibylle Kemna
27.05.2022 , 08:14 Uhr

Oerlinghausen. Sie haben keine Namen, die abstrakten Werke von Fred Schierenbeck. Aber Nummern. Ab dem ersten Bild, das er in seinem ersten Atelier in der Ravensberger Spinnerei malte, hat der Bergstädter Künstler und Kunsterzieher seine Werke nummeriert. Jetzt hat Andreas Beaugrand mit seinem Team ein Buch mit Würdigung und Werkverzeichnis erstellt.

Das Buch ist mehr als 350 Seiten dick, mehr als 2.000 Gramm schwer und trägt den Titel „Raum Farbe Zeit. Fred Schierenbeck. Malerei und Bildobjekte 1990 – 2021.“ „Es geht darum, mit Herz und Verstand diese Kunst zu bewahren“, sagte Beaugrand bei der Vorstellung des Buchs. Zwar hatte Schierenbeck zu dem Projekt gesagt: „Kein Problem, ist alles digital da“, doch stellte sich heraus, dass seine gespeicherten Werke nicht ganz vollständig waren. Außerdem mussten die Fotos bearbeitet, teilweise neu erstellt und die Formatangaben überprüft werden. Hier dankte Beaugrand Thomas Handke für die Bildbearbeitung, Matthias Schrumpf für die Fotografie, sowie der Gestalterin Karina Thomas.

Doch jetzt ist es fertig, das rote Buch. In der Farbe, „die das ergiebigste Kapitel von Schierenbecks Bildgeschichte schrieb“, wie Gisela Burkamp in ihrem Beitrag feststellt. Das Werkverzeichnis wird bereichert durch Texte zum und vom Künstler, die sein Werk würdigen unter Berücksichtigung seiner Biografie. Es wird erklärt, wie den 1952 in Bremen geborenen Studenten in Berlin die Kunst-Hochschule und die Meisterschülerzeit bei Werner Volkert geprägt hat und es ihn per Zufall 1981 nach Oerlinghausen als Kunstlehrer verschlug.

Zunächst arbeitete er fast zehn Jahre lang im Verborgenen

„Hier hat er das kulturelle Leben mit kritischem Geist und künstlerischem Engagement bereichert“, schreibt Beaugrand. Und erzählt weiter: Wie Schierenbeck zunächst fast zehn Jahre im Verborgenen gearbeitet hat und erst im Sommer 1990 mit Werken an die Öffentlichkeit trat.

Schnell hat er sich dann neben dem Lehramt als freischaffender Künstler etabliert, erhielt den Kunstpreis des Kreises Lippe 1995, hatte einen Lehrauftrag an der Universität Bielefeld und eine Gastprofessur an der Hochschule der Künste in Berlin 2001/2002.

Beaugrand schildert, wie Schierenbecks Werke „erstaunliche wie begeisterte Reaktionen auslösten“, sie „berührten die Betrachter.“ Von ersten noch Zeichen, Chiffren und Buchstaben enthaltenen Arbeiten entwickelte er sich über wenig materialhafte Werke in tiefen Rot- und Blautönen hin zu späten Werken aus vielen Schichten Sand, Erde und Farbe und Bildobjekten, die die Tiefe als dritte Dimension öffnen. Er habe eine „eigene Kunsthandschrift mit deutlichem abstrakt-informellen Duktus geschaffen“. Dieser sei von Beginn an eindeutig und als „der Schierenbeck“ erkennbar gewesen.

In einem weiteren Beitrag philosophiert der ehemalige Feuilleton-Leiter der "Neuen Westfälischen", Manfred Strecker, über Kunst und Sprache im Werk Schierenbecks. Seine Bilder seien nicht „allgemein und unmissverständlich lesbar“, erläutert er, „um die Zeichenkombinationen zu entschlüsseln brauchte es die Erläuterung des Künstlers selbst“. Graphit als Malmittel zu nutzen „gehört zu den schlagendsten Erfindungen Schierenbecks“, findet Strecker, während Gisela Burkamp die „fulminanten Farbakkorde“ und die großen monochromen Tafeln, „deren haptisch erfahrbare Präsenz eine einzigartige Sogkraft entfaltete“, herausstellt.

Weitere Texte befassen sich mit Schierenbeck im Spannungsfeld von Kunst und Kirche (Johannes Beer), einzelnen Werken (Alexander Gruber) und sind vom Künstler selbst verfasst mit biografischen Rückblicken und Erläuterungen zu seiner Vorgehensweise. „Ich setze etwas ins Bild, ein Zeichen, einen Farbfleck, eine malerische Geste – das Bild antwortet mir auf seine Weise.“

Das Buch wurde durch Vorbestellungen und Spenden finanziert. Die 400 gedruckten Exemplare sind damit voll bezahlt. Wer noch eins erwerben möchte, kann sich an den Kunstverein Oerlinghausen wenden.

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