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Biologe Ewald Weber berichtet im Heimathof von der wundervollen Pflanzenwelt. Die Besucher erfahren unter anderem, dass die Wurzel einer Kratzdistel bis zu sieben Meter in den Boden reicht. - © Karin Prignitz
Biologe Ewald Weber berichtet im Heimathof von der wundervollen Pflanzenwelt. Die Besucher erfahren unter anderem, dass die Wurzel einer Kratzdistel bis zu sieben Meter in den Boden reicht. | © Karin Prignitz

Leopoldshöhe Wundersame Welt der Pflanzen

Biologe und Autor Ewald Weber setzt sich für den Erhalt der Vielfalt ein. Er bemängelt, dass heute kaum noch ein Wissen über die Pflanzenarten vorhanden ist.

Karin Prignitz
24.05.2022 , 07:11 Uhr

Leopoldshöhe. „Die ganze Natur ist eine Melodie, in der eine tiefe Harmonie verborgen ist“, so hat es schon Johann Wolfgang von Goethe empfunden. Wer die Pflanzenwelt mit offenen Augen betrachtet, der wird feststellen, dass sie voller kleiner und großer Wunder ist. Viele Arten aber sind vom Aussterben bedroht und das Wissen um den Nutzen der Pflanzen ist kaum noch vorhanden. „Die Artenkenntnis schwindet“, bestätigt Ewald Weber. 3.000 Wildpflanzenarten gebe es in Deutschland, sagt der Biologe, aber kaum jemand kenne sie.

Der Botaniker und Pflanzenökologe mit schweizer Wurzeln forscht an der Universität Potsdam und er hat bereits mehrere Bücher herausgebracht. Sein Fachgebiet sind Wildpflanzen und ihre naturschutzfachliche Bedeutung. Auf Einladung der Gemeindebücherei und des Heimatvereins Leopoldshöhe hat Weber jetzt aus seiner neuesten Publikation „Wo die wilden Pflanzen wohnen – Geschichten über Kratzdistel, Besenginster & Co.“ gelesen. Seinen Vortrag untermalte der Autor mit begleitenden Bildern, die im Heimathaus auf einer großen Leinwand erschienen. Die Gruppe der gut 30 Zuhörer nutzte zudem eine kurze Regenpause, um sich mit Weber auf einen Spaziergang rund um den Heimathof zu begeben und dabei Wissenswertes über manch eine dort blühende Pflanze zu erfahren.

Bereits davor hatte Ewald Weber von einer Studie berichtet. Schüler waren befragt worden, welche Pflanzenarten sie kennen. Das Ergebnis war ernüchternd. „Zwischen null und drei.“ Und bei den Lehrern habe das leider auch nicht besser ausgesehen. „Ich versuche gegenzusteuern“, sagt Weber und führt bei jeder einzelnen Pflanze, die er beschreibt, die Faszination und den großen Nutzen hervor. Wenn er die Große Brennnessel mit ihren Brennhaaren vorstellt, dann spricht er von pflanzlichem Hightech. „Brennnesseln sind nicht beliebt, aber für Insekten sind sie überaus wertvoll.“ Schmetterlingsraupen etwa seien auf sie angewiesen, sie sei aber auch eine wichtige Futterpflanze.

Auch das Gewöhnliche Ackerkraut, das auf Wiesen und an Wegesrändern wächst, sei „eine äußerst spannende Pflanze“, schwärmt Weber, der auch das Thema Nektarraub anspricht. Das sei etwa bei der Akelei zu beobachten. „Da beißen sich freche Hummeln gerne hinein.“ Beim Leinkraut habe praktische jede Blüte ein Loch. „Auch unter Bienen gibt es Nektarräuber.“ Als Besonderheit stellt Weber außerdem die sehr giftige Herbst-Zeitlose vor. „Die Befruchtung findet über den Winter statt – „ein paar Wochen bis Monate nach der Bestäubung“. Ein geradezu verrückter Lebenszyklus sei das.

Im Garten und auf dem Gelände des Heimathofes erläutert Ewald Weber die Vielfalt der Wildpflanzen und welche Pflanzen für Insekten wertlos sind. - © Karin Prignitz
Im Garten und auf dem Gelände des Heimathofes erläutert Ewald Weber die Vielfalt der Wildpflanzen und welche Pflanzen für Insekten wertlos sind. | © Karin Prignitz

»Pfingstrosen sind für Insekten wertlos«

Weber warnte vor fatalen Verwechslungen mit dem Bärlauch, dessen Blätter ganz ähnlich aussehen. Im Grunde aber können man beide Pflanzen leicht unterscheiden, und zwar am Geruch. „Die Herbst-Zeitlose riecht nicht nach Knoblauch und sie wächst auch nicht im Wald, sondern auf Weiden.“ Beim Haselstrauch liest Weber den Text „Kinderstube für einen Käfer“ aus seinem Buch und er stellt noch einmal klar: „Sehr viele Insekten hängen von bestimmten Pflanzen ab.“ Deshalb sei es immens wichtig, eine hohe Insektenvielfalt zu erhalten.

Biodiversität sei das Stichwort, und Pflanzendiversität. Wenn das gewährleistet sei, „kommen Insekten und Vögel von alleine zurück“, sagt der Biologe. Im Garen des Heimathofes steuert er auf eine Pfingstrose mit gefüllten Blüten zu. Schön anzusehen ist sie, „aber für Insekten vollkommen wertlos, weil sie keinen Nektar abgibt“, das sei alles weggezüchtet worden. Auch eine Goldrute gehöre nicht in einen wilden Garten. Nach dem Spaziergang geht es noch einmal in den Heimathof. Währenddessen legt Klaus Sunkovsky bereits die Würstchen auf den Grill. Gefördert worden sind Lesung und Autorenspaziergang im Rahmen von „Und seitab liegt die Stadt“, einem Projekt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Förderprogramm „Kultur in ländlichen Räumen“) und des Literarischen Colloquiums Berlin“.

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