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Lina (9) und Stefanie Biere aus Detmold halten selbst Hühner. Im Freilichtmuseum schauen sie sich die Ausstellung alter Rassen an. Informationen dazu bekommen sie unter anderem von Markus Leonhardt (r.) - © Karin Prignitz
Lina (9) und Stefanie Biere aus Detmold halten selbst Hühner. Im Freilichtmuseum schauen sie sich die Ausstellung alter Rassen an. Informationen dazu bekommen sie unter anderem von Markus Leonhardt (r.) | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Besuch beim Hühnertag im Archäologischen Freilichtmuseum

Im Freilichtmuseum am Barkhauser Berg sind alte Rassen zu sehen. Ein mobiles Hühnertheater sorgt für Heiterkeit, und Wikinger laden in ihr Schlafgemach ein.

Karin Prignitz
19.04.2022 | Stand 19.04.2022, 16:46 Uhr |

Oerlinghausen. Schon aus einiger Entfernung ist das muntere Gackern und Krähen von Krüpern, Vogtländern, Brahmas, Westfälischen Totlegern, Bielefelder Kennhühnern, Deutschen Reichshühnern und exotischen Spaniern zu vernehmen. Im Archäologischen Freilichtmuseum ist während des „Hühnertages“ die Schau alter Haustierrassen mit der Kulturgeschichte kombiniert worden.

Stefanie Biere ist mit Tochter Lina (9) aus Detmold gekommen. Beide sind große Hühner-Fans, halten selbst Zweigseidenhühner. „Sie sind unsere große Liebe“, schwärmt Stefanie Biere. Anhänglich, kuschelig und zutraulich seien die Hühner und der Familie stets auf den Fersen. „Ohne sie ist das Leben nicht mehr vorstellbar.“

„Das ist besser als jedes Fernsehprogramm“

Alle Hühner hätten ihren eigenen Charakter berichten Mutter und Tochter von der etwas herrischen und zickigen Frieda, von Greta, dem braun-weißen „Kinderschoko-Huhn“, dem Chill-Huhn Alma und einem „Breakdance-Huhn“, das durch den Garten tanzt. „Das ist besser als jedes Fernsehprogramm.“ Seit der tierische Zuwachs da ist, ist die Familie Mitglied in einem Rassegeflügelzuchtverein (RGZV). „Wenn man Fragen hat und Tipps benötigt, ist man dort genau richtig“, sagt Stefanie Biere. Und dann ist da noch ein entscheidender Vorteil der Hühnerhaltung: „Mehr Bio-Eier geht nicht.“ Andere kommen nicht mehr auf den Tisch und in den Kuchenteig.

Insgesamt 340 Besucher tummeln sich am Hühnertag bei schönstem Frühlingswetter im Museum. Wer möchte, der kann, noch bevor er die Stufen hinauf erklimmt, mit etwas Glück Küken schlüpfen sehen. Sonja Leonhardt vom RGZV Blomberg/Lippe und Umgebung, den es bereits seit 120 Jahren gibt, hat im Ausstellungsraum einen Schaubrüter aufgebaut. „Jersey Giants“, die zu den größten Hühnerrassen gehören, und ein „Zwergphönix“ haben sich bereits aus ihren Eiern gepellt. „Sie perforieren das Ei rundherum, bevor sie schlüpfen“, erläutert Sonja Leonhardt Besucherin Margret In der Beek. „Das Herz wächst zunächst außerhalb des Körpers.“

Rassen, die auf Roten Listen stehen

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Im Verein werden viele Rassen gezüchtet, die auf der Roten Liste stehen. Um deren Erhalt geht es. Markus Leonhardt zeigt auf relativ selten vorkommende Schwarze Krüper. „Sie sind erstmals schon um 1600 erwähnt worden.“ Die Rückbesinnung auf die Hühnerhaltung führt in jüngster Zeit zu einem Mitgliederzuwachs in den Vereinen. „Auch Corona hat uns da in die Karten gespielt“, sagt Markus Leonhardt.

Neben der Hühnerschau ist ein spezielles museumspädagogisches Programm entwickelt worden. Kühlschrank-Magneten mit Ei- und Huhnmotiven können gestaltet, Puzzles, die den Kreislauf vom Ei bis zum Küken darstellen, gelöst werden.

Anika Telaar lädt außerdem zu einer kleinen Ausstellung zum Thema Huhn ein. Ein echter Truthahnschädel ist dort zu sehen, Informationen über Daunen- und Konturfedern gibt es und über natürliche Farbstoffe. Für Aufmerksamkeit und Heiterkeit sorgen die Auftritte des Hühnermobils, eines theaterpädagogischen Projektes.

Glasperlen werden über dem Feuer gedreht

Bereits seit einigen Tagen sind neun Wikinger-Darsteller im Museum zu Gast, um den Besuchern Leben und Handwerk aus der Zeit der Wikinger näherzubringen. Dirk Bredemeier aus Petershagen gehört dazu. Er vertritt die Gruppe „Ulver i Nord“, die die Wikinger-Hochzeit im 10. Jahrhundert repräsentiert, ebenso wie der „Götterkundige“ Dirk Bensel. Andernorts werden Glasperlen über dem Feuer gedreht, Wolle gedreht und Lederarbeiten gezeigt.

Mitglieder des Tierheims Bad Salzuflen verkauften Kaffee, Kuchen und Torten. „Der Erlös kommt zu 100 Prozent den Tieren zugute“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Angelika Niemann. Sie hatte außerdem Handgefertigtes ausgestellt. Wer gestaltete Tassen oder Genähtes mitnahm, konnte eine Spende in die Box werfen. Dieses Geld ist für die Behandlung eines kranken jungen Hundes bestimmt.

Information

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Illuminationen auf dem Gelände, verschiedene Aktionen und Darstellungen – das alles gehört zum Programm der langen Museumsnacht im Archäologischen Freilichtmuseum an diesem Freitag, 22. April, von 19 bis 24 Uhr. Höhepunkt der Veranstaltung seien laut Information des AFMs die Feuershows der Bielefelder Feuerkunstgruppe „FeuerFlut“. Präsentiert werde zudem alles, was nachts schön sichtbar sei. Eine Wikingergruppe heizt beispielsweise den frühmittelalterlichen Perlenofen ein und erzeugt farbenfrohe Glasperlen. Auch ein Schmied zeigt sein Handwerk. An einem der vielen Lagerfeuer können unter kundiger Anleitung mit Feuerstein, Katzengold und Zunderpilzen wie in der Steinzeit Feuer entfacht werden. Es gibt Workshops zum Bau von leuchtenden Steampunk-Laternen, Vorträge, Führungen, Musik sowie Essen- und Getränkestände. Der Eintritt kostet 5 Euro (ermäßigt 4 Euro), für Mitglieder ist er frei.

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