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Marc Hollenstein (l.) und Thorsten Dodt sind beeindruckt von der Vielzahl der Sachspenden, die bei dem Aufruf des TuS Bexterhagen zusammengekommen sind. - © Knut Dinter
Marc Hollenstein (l.) und Thorsten Dodt sind beeindruckt von der Vielzahl der Sachspenden, die bei dem Aufruf des TuS Bexterhagen zusammengekommen sind. | © Knut Dinter

Oerlinghausen/Leopoldshöhe Westlipper setzen ein Spendenzeichen für die Ukraine

Die Sportler des TuS Bexterhagen und viele weitere Leopoldshöher spenden für die Bevölkerung in der Ukraine. Einen besonderen Flohmarkt gibt es in Oerlinghausen für hier lebende Geflüchtete.

Karin Prignitz
11.04.2022 | Stand 11.04.2022, 17:10 Uhr
Knut Dinter

Oerlinghausen/Leopoldshöhe. Mit zwei besonderen Unterstützungsaktionen haben sich viele Oerlinghauser und Leopoldshöher mit den vom Krieg in ihrem Land gebeutelten Ukrainern solidarisch erklärt. Und geholfen. Den Geflüchteten, die bereits in der Region angekommen sind, aber auch den Menschen in der Ukraine.

In der Mannschaftskabine des TuS Bexterhagen wurde es am vergangenen Samstag richtig eng. Diesmal drängten sich dort keine Sportler, vielmehr diente der Raum als Lager für die zahlreichen Sachspenden. Der Verein hatte um Unterstützung für die Menschen in der Ukraine gebeten.

„Regelmäßig eine Woche vor Ostern nehmen wir Grünschnitt von den Anliegern an“, sagte Vereinsvorsitzender Thorsten Dodt. Mit den Gartenabfällen wird dann das Osterfeuer bestückt. Darüber hinaus machten sich etliche Mitglieder der Fußballabteilung nützlich und schnitten die Büsche rund um den vereinseigenen Sportplatz am Alten Postweg zurück. Außerdem wurde eine Hütte für Gartengeräte und ein neuer Unterstand am Spielfeldrand errichtet.

Am Grill steht ein Spendensparschwein

Für alle, die etwas anlieferten und sich am Arbeitseinsatz beteiligten, gab es wie üblich eine Bratwurst und ein Getränk. „Dabei entstehen immer interessante Gespräche“, sagte Dodt. „Wir haben ein richtig gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn.“ In diesem Jahr kreisten die Gedanken der Sportler zugleich um das Schicksal der vom Krieg bedrohten Menschen in der Ukraine. „Als Verein wollten wir auch etwas tun und ein Zeichen setzen“, erklärte Dodt. Deshalb wurden am Bratwurstgrill ein Spendenschwein aufgestellt und ein Aufruf mit der Bitte um Sachspenden veröffentlicht. Kindernahrung, Hygieneartikel und Kleidung waren besonders gefragt.

Von dem Ergebnis waren der Vereinsvorsitzende und sein Stellvertreter Marc Hollenstein überrascht. Nicht nur die eigenen Mitglieder, auch zahlreiche Bürger aus Bexterhagen zeigten sich freigiebig und gaben nützliche Produkte in großen Mengen beim Sporthaus ab. Da auch eine stattliche Summe an Bargeld zusammenkam, konnten weitere Artikel wie Shampoo, Windeln und Pflegeprodukte für Kinder gekauft werden. Die Sachspenden sollen jetzt umgehend per Lastwagen auf den Weg gebracht werden.

Videos vom Ehemann aus der zerstörten Heimat

Seit vier Wochen leben Jule und ihre Kinder Lev und Elizabeth in Oerlinghausen. Ihren Nachnamen veröffentlicht die NW aus Vorsicht nicht. Ihr Zuhause in der Nähe von Kiew mussten sie mit nur wenigen Habseligkeiten verlassen. „Wir sind von einer christlichen Familie aus Oerlinghausen eingeladen worden, die wir nicht kannten“, erzählt die junge Mutter mithilfe ihrer Übersetzungsapp. In der Heimat habe der Pastor geholfen und Kontakte geknüpft. Beim Spendenmarkt in der Tiefgarage des Ravensberger Hauses finden Mutter und Kinder Kleidung und andere nützliche Dinge. Jule zeigt Videos, die ihr Ehemann aus der Heimat gesendet hat. Zerstörte Straßen und Häuser sind zu sehen. Das ukrainische Militär hat Betontransporter aufgestellt, die den Russen den Weg versperren. „Mein Mann vermisst die Kinder und mich sehr“, erzählt die Ukrainerin. Aber wann sie zurückkehren können, das sei ungewiss.

Jule und ihr Sohn Lev (r.) haben am Stand von Tassilo Pech-Larisch passende Kleidung gefunden. An vielen Ständen gibt es ein breites Angebot für die ukrainische Geflüchtete. - © Karin Prignitz
Jule und ihr Sohn Lev (r.) haben am Stand von Tassilo Pech-Larisch passende Kleidung gefunden. An vielen Ständen gibt es ein breites Angebot für die ukrainische Geflüchtete. | © Karin Prignitz

„Keiner weiß, was in dieser Situation richtig ist.“ Ein gutes Leben habe man in der Ukraine gehabt und müsse nun Zerstörungen und den Tod so vieler unschuldiger Menschen erleben. Die Angst um Mann und Familie ist groß. Aber die Ukraine sei ein starkes Volk. „Wir nehmen in Kauf, dass es Realität sein wird, in einem Zustand ständiger Aggression zu leben“, sagt Jule.

Heike Weidhase hat den Spendenmarkt organisiert. Sie und die rund 30 Anbieter, die dabei kostenlos von Spielzeug über Ranzen und Taschen bis hin zu Fahrrädern gut erhaltene, hochwertige Dinge angeboten haben, zeigen sich am Ende zufrieden. „Jedenfalls so zufrieden, dass wir den Spendenmarkt in etwa zwei Monaten wiederholen wollen, dann auch mit Erwachsenen-Outfits“, kündigt die Organisatorin an. Schön mit anzusehen sei es gewesen, wie liebevoll die Anbieter gedacht hätten. Inge Hofmann und Ingelore Samuel bieten neben Geschirr, Schals und Taschen auch Frühlingsblumen für das Zuhause auf Zeit der Ukrainer an. Beide haben außerdem einen Korb mit Ostersüßigkeiten zusammengestellt.

Alexandra Spilker von der Heinz-Sielmann-Schule bietet Marmelade und Kekse an. „Die strahlenden Kinderaugen haben mich zu Tränen gerührt“, sagt einer der Aussteller. Vor allem warme Jacken seien sofort weggegangen, erzählt Tassilo Pech-Larisch. „Einige haben sie gleich angezogen, sie werden offensichtlich benötigt.“ Der Helpuper Verein „ Help up – Mit Herz und Hand“ hat viele Schulranzen dabei, ebenso wie Lederwaren Schulte. Hier ist die Nachfrage nicht ganz so groß. Kinderräder und Roller hingegen gehen gut. „Wir sind schon viel losgeworden“, bestätigt Uta Ober, die mit Tochter Silja dabei ist. Heike Weidhase dankt Ihno Zimmermann von Ceweco, der das Parkhaus zur Verfügung gestellt hat.

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