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Heinz Sielmann besuchte 1997 gemeinsam mit seiner Frau Inge den Oerlinghauser Kalksteinbruch. Sie wurden begleitet vom damaligen Schulleiter Heinz Halwas (l.). - © Susanne Lahr
Heinz Sielmann besuchte 1997 gemeinsam mit seiner Frau Inge den Oerlinghauser Kalksteinbruch. Sie wurden begleitet vom damaligen Schulleiter Heinz Halwas (l.). | © Susanne Lahr

Oerlinghausen Als Heinz Sielmann zu Gast in Oerlinghausen war

Naturschutz wurde in der Bergstadt schon gelehrt, als Nachhaltigkeit noch ein grünes Modewort war – vor allem dank des Pädagogen und Umweltschützers Günter Ober.

Horst Biere
23.01.2022 , 09:18 Uhr

Oerlinghausen. Es war ein großer Tag für die Oerlinghauser Hauptschule – damals Ende April 1997. Heinz Sielmann, einer der prominentesten Naturschützer, der durch beeindruckende Tierfilme auf bedrohte Arten aufmerksam gemacht hatte, besuchte die Bergstadt. Und er kam vor allem, um der Schule seinerzeit ganz offiziell seinen Namen zu verleihen. „Es bedeutet für mich eine große Ehre und Genugtuung, dass die Oerlinghauser Schule meinen Namen ausgewählt hat“, bekannte der 80-jährige Sielmann, der mit seiner Frau angereist war, in seiner Antrittsrede.

Lange und mit viel Engagement hatten die Schülerinnen und Schüler auf den bedeutenden Besuch hingearbeitet. Die Jugendlichen und ihre Lehrer riefen in einer Projektwoche allein 23 Umweltschutzprojekte ins Leben. Auf der Agenda standen damals vor allem viele Aktionen zusammen mit dem NABU, dem Naturschutzbund Deutschland. Heinz Sielmann zeigte sich sehr angetan von den Leistungen der Jugendlichen, die seit jenem Tag „Heinz-Sielmann-Schüler“ hießen. „Eine der großen Chancen für die Umwelt, die bislang noch nicht ausreichend genutzt wird, sind die Kinder“, hob er hervor, „sie sind die Naturschützer von morgen“.

Naturschutz stand schon länger auf dem Lehrplan

Während einer Projektwoche im Jahr 2006 ist Günter Ober (l.) mit dem heutigen Schulleiter Christian Landerbarthold zu sehen. - © Repro: Horst Biere / Quelle: Uta Ober
Während einer Projektwoche im Jahr 2006 ist Günter Ober (l.) mit dem heutigen Schulleiter Christian Landerbarthold zu sehen. | © Repro: Horst Biere / Quelle: Uta Ober

Dass Naturschutz in Oerlinghausen in den 1990er Jahren schon auf dem Lehrplan stand, lange bevor die heutige „Fridays for Future“-Bewegung für Schlagzeilen sorgte, ist insbesondere der Lehrerschaft der früheren Hauptschule zu verdanken – und vor allem dem Pädagogen Günter Ober.

Der beliebte Lehrer für Biologie, Musik und Mathematik, der im Juni 2007 nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 58 Jahren starb, setzte sich seit langem für die bedrohten Lebensräume der Tier- und Pflanzenwelt ein. So wurden schon damals vier heimische Naturschutzgebiete auf die Initiative Günter Obers – und auch seines Freundes Roland Tischbier – bearbeitet: der „Kalksteinbruch“ am Barkhauser Berg, das „Dalbker-Bach-Tal“, die „Rosenteiche“ in Lipperreihe und die „Windwehe“ in der Grüte.

Um dem berühmten Gast eine ganz spezielle Naturschutzaktion zu präsentieren, führte man das Ehepaar Heinz und Inge Sielmann in den Kalksteinbruch am Barkhauser Berg. Noch bis wenige Jahre vorher fanden dort Abbrucharbeiten mit Sprengungen statt.

Für Sielmann war die Schule eine der fortschrittlichsten auf diesem Gebiet

Doch der NABU hatte sich einen großen Teil des Abbruchgeländes gesichert, um dort wieder Kleintiere und Pflanzen anzusiedeln. „Auf diese Weise wollen wir den Kindern zeigen“, sagte Günter Ober, „dass solche Landschaften mit ihren hässlichen Wunden nicht für die Ewigkeit verloren sind.“ Heinz Sielmann war echt beeindruckt von den Oerlinghauser Aktionen, und er bezeichnete die Hauptschule als eine der fortschrittlichsten Schulen auf diesem Gebiet.

„Mein Mann hatte Heinz Sielmann schon während seines Studiums kennengelernt“, sagt heute Uta Ober, „und als das Thema einer Namensgebung in den 90er Jahren aufkam, stellte er die Verbindung zu Heinz Sielmann her.“

Die Schule hat einige Preise für die Projekte gewonnen

Mit diversen Natur- und Umweltprojekten wie das Anlegen eines Biogartens oder der Herstellung gesunder Lebensmittel hatten Günter Ober und seine Schüler schon vorher auf die Schule aufmerksam gemacht – und dafür auch einige Preise gewonnen. Beispielhaft nennt Uta Ober das Projekt „Gesund in der Region“, für das er einen Sonderpreis des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau bekam.

Loki Schmidt, die Gattin des Altkanzlers Helmut Schmidt, überreichte ihm und Roland Tischbier im Jahre 1982 die „Silberpflanze“ als Anerkennung für ihr Naturschutzengagement. Der Umweltpreis der Stadt wurde Günter Ober im Jahre 1986 verliehen – und den „Lippischen Diamanten“ bekam er im Jahr 2002 vom Kreisverband Lippe des Naturschutzbundes Deutschland.

Noch einmal gab es einen „Sielmann-Besuch“ in Oerlinghausen: Fast auf den Tag genau ein Jahrzehnt später folgte Inge Sielmann im April 2007 einer Einladung der Heinz-Sielmann-Schule zum Jahrestag der Namensgebung. Ihr Mann Heinz Sielmann war allerdings im Oktober 2006 bereits gestorben.

Der Naturschützer und Tierfilmproduzent wurde deutschlandweit berühmt durch seine Dokumentarfilme nach Expeditionen in einsame Tierreservate, wie zu den Berggorillas im Kongo oder in die einzigartige Tierwelt der Galapagos Inseln. Im Fernsehen moderierte Sielmann die erfolgreiche Tiersendung „Expeditionen ins Tierreich“, und er war Herausgeber der Zeitschrift „Sielmanns Tierwelt“.

Die Oerlinghauser Naturschutzprojekte passten haargenau in Heinz Sielmanns Arbeitswelt in den 1990er Jahren. Denn die Renaturierung von Industrieflächen oder verloren geglaubter Naturlandschaften bildeten sein vorrangiges Interessengebiet in jener Zeit. Sein damaliges Engagement galt der innerdeutschen Grenze, die nach dem Mauerfall wieder in erheblichen Teilen als „Grünes Band Deutschlands“ zur Natur zurückgeführt wurde.

Auch in der Heinz-Sielmann-Schule denkt man in diesen Monaten an den 25. Jahrestag der Namensgebung durch den bekannten Naturschützer. „Wir werden uns auf jeden Fall in Projekten dem Lebenswerk Heinz Sielmanns zuwenden“, sagt Schulleiter Christian Landerbarthold, „doch coronabedingt können wir derzeit noch nichts Konkretes planen.“

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