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Bis zur Alexanderkirche können Besucher des Archäologischen Freilichtmuseums jetzt schauen – wenn es nicht gerade nebelig ist. Durch den Wegfall der Bäume präsentiert sich das Museum innen und außen neu. - © Karl Banghard
Bis zur Alexanderkirche können Besucher des Archäologischen Freilichtmuseums jetzt schauen – wenn es nicht gerade nebelig ist. Durch den Wegfall der Bäume präsentiert sich das Museum innen und außen neu. | © Karl Banghard

Oerlinghausen Das neue Gesicht des Freilichtmuseums

Von der oberen Terrasse des Archäologischen Freilichtmuseums können Besucher jetzt Oerlinghausen sehen – wenn es nicht nebelig ist. Außerdem wird ein neues Haus gebaut.

Gunter Held
14.01.2022 , 07:11 Uhr

Oerlinghausen. Die Bäume sind weg. 113 Bäume, zum Teil dicke Fichten, sind gefällt worden. Sie standen alle auf dem Gebiet des Archäologischen Freilichtmuseums. „Die Reaktionen einiger Oerlinghauser haben nicht lange auf sich warten lassen“, sagt Museumsleiter Karl Banghard. „Wir haben E-Mails bekommen, in denen wir als Baummörder beschimpft worden sind.“ Vollkommen überzogen findet Banghard diese Äußerungen, denn „wenn jemand die Bäume hat erhalten wollen, dann waren wir das“. Und Klaus Stein, Geschäftsführer des Freilichtmuseums ergänzt: „Die Bäume waren krank. In vielen Stämmen wucherte die Rotfäule, andere waren vom Borkenkäfer befallen. Die Bäume zu fällen war eine Angelegenheit der Verkehrssicherungspflicht.“

Doch was die Wegnahme der Bäume mit dem Museum gemacht hat, ist mehr als einen Blick wert, sind sich die beiden einig. „Man kann das Museum jetzt von Oerlinghausen aus sehen“, sagt Banghard. Das hält er für einen großen Vorteil, denn „was man von unten aus sehen kann, das wird auch gern besucht“. Das Museum sei jetzt wie eine Burg, die besucht werden kann. „Es gibt eine atmosphärische Verbindung zur Stadt“, sagt der Museumsleiter. Deutlich wird das auch, wenn man die Straße Am Barkhauser Berg entlanggeht. Früher zog sich der Wald den Berg hinauf. Jetzt kann man das Langhaus in voller Ausdehnung sehen. „Wir haben gedacht, dass ohne die Bäume auch die Atmosphäre verlorengeht“, sagt Banghard. „Aber das ist nicht so. Das Museum hat ein neues Gesicht bekommen. Und die Besucher empfinden das Areal jetzt auch als bergiger als vorher.“ Es habe mehr Kontur bekommen.

Die Holzkonstruktion des Nebengebäudes besteht aus massiver Eiche. Der Fußboden innerhalb des Hauses ist aus Holz. - © Gunter Held
Die Holzkonstruktion des Nebengebäudes besteht aus massiver Eiche. Der Fußboden innerhalb des Hauses ist aus Holz. | © Gunter Held

Und wenn man einmal das Gefühl außer Acht lässt, nicht mehr im Wald spazieren zu gehen, dann kann auch eine Art Rückbesinnung stattfinden, denn früher war der Barkhauser Berg auch nicht bewaldet. Das aber heißt nicht, dass die Situation so bleiben soll. „Natürlich werden wir die Flächen auch wieder aufforsten“, sagt Klaus Stein. Und Banghard ergänzt: „Angepflanzt werden sollen Eichen und Linden. Das sind Baumarten, die auch in die Zeit des frühen Mittelalters passen.“ Und damit Besucher auch sehen, dass etwas passiert, soll die Aufforstung nicht mit Setzlingen, sondern mit Bäumchen gemacht werden, die bereits eine gewisse Größe haben. „Da werden schon Gespräche geführt“, sagt Banghard.

Die Bedeutung des Schweins in der Bronzezeit

Museumsleiter Karl Banghard (l.) und Geschäftsführer Klaus Stein stehen neben dem Neubau, der einem bronzezeitlichen Nebengebäude nachempfunden ist. - © Gunter Held
Museumsleiter Karl Banghard (l.) und Geschäftsführer Klaus Stein stehen neben dem Neubau, der einem bronzezeitlichen Nebengebäude nachempfunden ist. | © Gunter Held

Zum neuen Bild des Museums passt auch, dass es ein neues Gebäude gibt. Ganz oben, hinten links, haben die Schweine während der Saison ihr Refugium. Und neben dem Schweinestall stand ein kleines bronzezeitliches Nebengebäude, das zum Haupthaus aus derselben Epoche stammte.

Vor einiger Zeit ist das alte Nebengebäude abgerissen worden. Der Museumsarchäologe Christian Schürmann baut seit einiger Zeit zusammen mit Arbeitskräften, die vom Jobcenter und dem Netzwerk Lippe vermittelt wurden, ein neues Häuschen auf.

Aktuell zu sehen ist das Gerippe des Hauses mit den Dachsparren, auf die einige Latten zur Aufnahme der Reetbüschel genagelt sind. Das Häuschen ist ein Ganzdachhaus, Wände gibt es nur an den Giebelseiten. Es ist komplett aus massiver Eiche gebaut und – wo möglich – in authentischer Weise errichtet.

Die Fertigstellung wird laut Banghard in die Saison fallen und dann soll dort eine Ausstellung zum Thema Schwein gezeigt werden. Die Museumssaison beginnt, wenn Corona dies zulässt, am 1. April.

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