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Zu einem Gruppenbild formierte sich die Wehr um 1930. Links Hauptmann Karl Högermann mit seinem Horn. - © Archiv Löschzug Helpup
Zu einem Gruppenbild formierte sich die Wehr um 1930. Links Hauptmann Karl Högermann mit seinem Horn. | © Archiv Löschzug Helpup

Oerlinghausen Mit Fahrrad und Signalhorn zum Einsatz

Vor 100 Jahren wurde die Freiwillige Feuerwehr in Helpup gegründet, heute spielt sie eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben des Ortes.

Knut Dinter
07.12.2021 , 07:11 Uhr

Oerlinghausen. Am 3. Dezember 1921 war die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Helpup. Genau 100 Jahre später sollte am selben Ort, dem Alten Krug, an die Gründung erinnert werden. Doch im Hinblick auf die Corona-Pandemie wurde die Feierstunde vorsorglich wieder abgesagt. Der heutige Löschzug Helpup blickt nicht nur stolz auf die Geschichte, sondern auch zuversichtlich in die Zukunft.

Das Protokoll der ersten Versammlung ist noch erhalten. In exaktem Sütterlin wurde festgehalten: „Der Steigertrupp (Anmerkung: für die Steckleitern) zählt 12 Mann, der Spritzenzug 17 Mann.“ Es waren überwiegend Handwerker und Geschäftsleute, die eine Verantwortung für die Sicherheit im Ort verspürten.

Stolzer Rückblick und optimistischer Ausblick: Dieter Fillies, Löschzugführer Michael Sielemann und der Fördervereinsvorsitzende Alfred Kuhlmann (von links) mit dem historischen Dokument. - © Foto: Knut Dinter
Stolzer Rückblick und optimistischer Ausblick: Dieter Fillies, Löschzugführer Michael Sielemann und der Fördervereinsvorsitzende Alfred Kuhlmann (von links) mit dem historischen Dokument. | © Foto: Knut Dinter

»Außer ein paar Eimern war nichts vorhanden«

Zum Hauptmann wurde Karl Högermann gewählt. „Der war um seine Aufgabe nicht zu beneiden, außer ein paar Eimern war ja nichts vorhanden“, meint Dieter Fillies, früher Oerlinghauser Wehrführer und mit der Geschichte gut vertraut. Erst mit Spenden der Bevölkerung konnten einige Geräte angeschafft werden. Schon nach wenigen Monaten, im Juli 1922, wurde eine Handdruckspritze in Betrieb genommen. Bei Alarm setzte sich Hauptmann Högermann auf sein Fahrrad und rief mit einem Signalhorn die Kameraden zusammen.

Nach eineinhalb Stunden war der offizielle Teil schon beendet, wie aus dem erhaltenen Gründungsprotokoll hervorgeht. - © Repro: Knut Dinter
Nach eineinhalb Stunden war der offizielle Teil schon beendet, wie aus dem erhaltenen Gründungsprotokoll hervorgeht. | © Repro: Knut Dinter

1928 wurde das „Spritzenhaus“ eingeweiht, in den 1930er Jahren hatten die Helpuper einen legendären Ruf als „schnellste Wehr im Lipperland“. Das lag nicht zuletzt an dem Einsatzfahrzeug, einem Mercedes-Cabriolet mit sechs Sitzplätzen. In Wahrheit musste der Fahrer besonders vorsichtig sein, weil die Bereifung so schlecht war. 1933 kam noch ein Kraftwagen hinzu, denn bis dahin wurden für den Transport der Motorspritze immer fremde Lastwagen ausgeliehen. In der NS-Zeit wurde die Feuerwehr aufgelöst und per Verordnung als Hilfs-Polizeitruppe weitergeführt.

In den 50er Jahre gab es nur wenige Freizeitmöglichkeiten in Helpup. Da bot die Feuerwehr eine sinnvolle Aufgabe und versprach Geselligkeit. Deshalb entschied sich auch Dieter Fillies, gemeinsam mit sieben Freunden beizutreten. „Wir waren eine dolle Gemeinschaft“, erinnert er sich auch nach 63 Jahren noch gern.

Nach der Eingemeindung 1969 verloren die Helpuper ihre Eigenständigkeit und firmierten seither als Löschzug innerhalb der Oerlinghauser Feuerwehr. „Da mussten wir uns erst aneinander gewöhnen, aber es ging relativ schnell“, berichtet Fillies. Als später die Fahrzeuge immer größer wurden, reichte der Platz im Gerätehaus nicht mehr. Viele Jahre kämpfte der Löschzug darum, ein neues Gebäude zu erhalten. 2012 konnte es dann endlich an der Bahnhofstraße gebaut und bezogen werden.

Ein wichtiger Meilenstein war die Gründung der Jugendfeuerwehr

Ein wichtiger Meilenstein war 1992 die Gründung der Jugendabteilung. „Ohne sie gäbe es uns nicht mehr“, betont Löschzugführer Michael Sielemann. „Die meisten unserer 46 Aktiven sind schon als Jugendliche zu uns gekommen.“ Und weil derzeit 17 Jungen und fünf Mädchen der Jugendfeuerwehr angehören, „brauchen wir nicht um neue Mitglieder zu buhlen“, sagt Sielemann.

Unterstützung leisten auch die 60 Mitglieder des 2001 gegründeten Fördervereins. „Die große Anzahl ist ein Hinweis auf die hohe Wertschätzung in der Bevölkerung“, sagt der Vorsitzende Alfred Kuhlmann. Auf der anderen Seite versteht sich die Wehr auch als Teil der Bürgerschaft und beteiligt sich an vielen öffentlichen Veranstaltungen. Eigene Aktivitäten wie das Osterfeuer und das Einsammeln der Weihnachtsbäume sind einer festen Einrichtung geworden.

Das Jubiläum wird auf jeden Fall noch gefeiert. Im kommenden Jahr soll das ganze Dorf eingeladen werden, verspricht Löschzugführer Sielemann.

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