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Pfarrerin Kornelia Schauf liest nach der Kranzniederlegung zum Totengedenken den Text des Bundespräsidenten. Bürgermeister Martin Hoffmann, Vertreter von Parteien und Vereinen verneigen vor dem Ehrenmal auf dem Leopoldshöher Marktplatz. Eine Abordnung des Männergesangvereins ist ebenfalls vor Ort. - © Karin Prignitz
Pfarrerin Kornelia Schauf liest nach der Kranzniederlegung zum Totengedenken den Text des Bundespräsidenten. Bürgermeister Martin Hoffmann, Vertreter von Parteien und Vereinen verneigen vor dem Ehrenmal auf dem Leopoldshöher Marktplatz. Eine Abordnung des Männergesangvereins ist ebenfalls vor Ort. | © Karin Prignitz

Leopoldshöhe Sichtbare Zeichen der Erinnerung

Kranzniederlegung an den Ehrenmalen in Leopoldshöhe und Lipperreihe am Totensonntag als Quelle der Zuversicht, der Ermutigung und des Trostes.

Karin Prignitz
22.11.2021 , 07:11 Uhr

Leopoldshöhe / Oerlinghausen. Der Totensonntag ist in den evangelischen Kirchen ein Gedenktag für die Verstorbenen. Abordnungen von Stadt und Gemeinde, Ratsmitglieder und Vereinsabordnungen haben gestern Kränze am Ehrenmal auf dem Marktplatz in Leopoldshöhe und auf dem Lipperreiher Friedhof niedergelegt. Zum Glück sei diese Veranstaltung unter freiem Himmel noch in größerer Runde möglich, sagte Pfarrerin Kornelia Schauf, „dennoch stehen wir hier mit vielen Fragezeichen“.

Erinnerung und Gedenken dürfe kein leeres Ritual sein, sondern müsse mit Herz, Wille und Verstand begangen werden – und einer deutlichen Haltung gegen Krieg und Gewalt. „Vor zwei Jahren waren die meisten von uns andere Menschen“, spielte Schauf auf die lange andauernde Coronazeit an und fragte: „Können Sie in Worte fassen, was das mit den Gedanken, mit der Seele und dem Verstand macht?“ Ihr sei aufgefallen, sagte die Pastorin, „dass Menschen sich wieder mit ihrer Bürgerpflicht beschäftigen“. Ein Wort, das sie lange nicht benutzt habe, weil es ihr unheimlich gewesen sei, vor allem deshalb, weil es lange von den Nationalsozialisten missbraucht worden sei.

»Menschen kennen nur noch ihre Rechte«

Der stellvertretende Bürgermeister Volker Neuhöfer (vorn l.), Klaus Becker (vorn r.) sowie Winfried Aukamp (l.) und Christoph Sauer tragen die Kränze von Stadt und Volksbund zum Ehrenmal auf dem Lipperreiher Friedhof. - © Karin Prignitz
Der stellvertretende Bürgermeister Volker Neuhöfer (vorn l.), Klaus Becker (vorn r.) sowie Winfried Aukamp (l.) und Christoph Sauer tragen die Kränze von Stadt und Volksbund zum Ehrenmal auf dem Lipperreiher Friedhof. | © Karin Prignitz

„Es war Ehre und Pflicht, für das Vaterland zu kämpfen und in den Krieg zu ziehen“, erinnerte Schauf. Ihre Überzeugung: „Pflicht und Gehorsam brauchten eine Auszeit“, denn das Misstrauen ihnen gegenüber sei groß gewesen. 1948 wurde die allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet, „und das war unbenommen wichtig“, betonte Kornelia Schauf. Sie merke aber, dass Menschen immer mehr nur noch ihre Rechte, nicht aber ihre Pflichten kennen. Das aber könne auf Dauer nicht funktionieren. Eine Gesellschaft könne nur bestehen, „wenn wir Nehmen und Geben und uns für die Allgemeinheit einbringen“. Schauf führte als Beispiel das „Café 104“ auf dem Marktplatz an.

Die Kirchengemeinde versuche es als Treffpunkt aufrecht zu erhalten. „Das geht aber nur, wenn Menschen sich einsetzen.“ Zusammenleben funktioniere nur, wenn Menschen mitmachten, „dafür appelliere ich“, sagte die Pastorin im Beisein von Bürgermeister Martin Hoffmann, der Feuerwehr, des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der Nienhagener Schützen, des TuS Leopoldshöhe, der Kyffhäuser-Kameradschaft Krentrup, des Reitervereins Lützow Schuckenbaum, des Männergesangvereins Leopoldshöhe und Posaunisten um Klaus Riedel.

Auf dem Lipperreiher Friedhof wurden am Ewigkeitssonntag ebenfalls Kränze am Ehrenmal niedergelegt. Gedacht wurde dort den Menschen, die in den vergangenen Wochen und Monaten verstorben sind. „Dieser Tag macht bewusst“, sagte Pfarrer Jörg Gronemeier, das Sterben und Tod zum Leben gehören.“ Der stellvertretende Bürgermeister Volker Neuhöfer ermutigte dazu, den Totensonntag und den Friedhof „als Quellen der Zuversicht, der Ermutigung und des Trostes“ zu verstehen. Begleitet wurde das Gedenken vom Posaunenchor der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde.