Kursusleiterin Silke Förster (l.) bespricht mit Margret Menzel (Mitte) und Sylvia Thomas, was alles in die spanische Paella wandern soll. In einer Pfanne brät bereits das Hähnchenbrustfilet. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
Kursusleiterin Silke Förster (l.) bespricht mit Margret Menzel (Mitte) und Sylvia Thomas, was alles in die spanische Paella wandern soll. In einer Pfanne brät bereits das Hähnchenbrustfilet. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

Oerlinghausen Ein Abend zum Verwöhnen

13 Hobby-Köche begeben sich mit Paella und Huhn à la Provence auf Mittelmeer-Reise

VON KARIN PRIGNITZ

Oerlinghausen. Italien, Spanien, Frankreich, Portugal. Wasser, Wellen, Sonne und die Seele bei einem guten Essen einfach mal baumeln lassen. Ein Stück dieses Urlaubsgefühls haben zwölf Damen sowie James Ellis als kochender Hahn im Korb jetzt bei ostwestfälischen Minustemperaturen für einen kulinarisch-köstlichen Abend zurückgeholt.

Silke Förster, Dozentin der Volkshochschule Lippe-West, hatte den Kochkursus unter das Motto "Komm mit ans blaue Meer" gestellt. Wer könnte da schon widerstehen? Die Hobby-Köche jedenfalls nicht, und deshalb gehen sie nach der Rezepte-Vergabe mit Elan ans Werk. Schürzen werden um die Hüften gebunden, Töpfe, Schneidebretter und Schälmesser aus den Schränken der Heinz-Sielmann-Küche gekramt.

"Wie kommt man denn hier an heißes Wasser?", "Ist das Olivenöl irgendwo?", "Ist das so richtig geschnitten?" – Silke Förster hat zwar nur zwei Ohren und zwei Hände, dennoch schafft sie es, fast parallel weiterzuhelfen. Schnell mischt sich der würzig-scharfe Geruch frischgeschnittener Zwiebeln und kleingehackten Knoblauchs mit dem munteren Stimmengewirr.

"Man darf die Zwiebel nicht drücken, sondern muss sie schneiden", verrät James Ellis sein Rezept gegen tränende Augen. Ellis ist Profi, das erkennt man sofort. "Habe ich mir alles selbst beigebracht", erläutert der Lagenser, während er die Poularde, das "Huhn à la Provence", mit Salz und Pfeffer einreibt, das Tier mit Thymian, Rosmarin und Salbei füllt. "Habe früher schon bei der Armee in Nordirland 20 Leute bekocht."

Mittlerweile verwöhnt er seine Frau Evelyn und ihre Doppelkopf-Freundinnen. Auch beim Kochkursus sind sie dabei. Margret Menzel und Sylvia Thomas pulen Garnelen, schneiden Fisch, Hähnchenbrustfilet und Chorizowurst für eine spanische Paella. "In so einem Kursus wagt man sich an alles heran", beschreiben die Frauen ihren Enthusiasmus.

Eva Wächter, die mit einer kleinen Damenrunde der Laufgemeinschaft Oerlinghausen italienische Minestrone kocht ("Wenn sie uns gelingt, bieten wir sie vielleicht beim nächsten Bergstadtlauf an"), schüttelt es beim Anblick des Meeresgetiers, das ebenfalls in die köchelnde Paella wandert, ein wenig. Man muss halt nicht alles mögen.

Das Gros ist begeistert, und der mediterrane Duftcocktail lässt die Vorfreude auf die anschießende Verkostung wachsen. Noch aber kämpfen Karin Heuwinkel und Doris Müller mit dem Seeteufel. "Entweder ist das Fleisch so fest oder das Messer so stumpf." Gefüllt mit dünnem Parmaschinken und Salbeiblättern ist der edle Fisch auf jeden Fall eine Delikatesse. Auch, wenn James Ellis zu berichten weiß, dass der teuflische Meeresbewohner in natura "ein ganz fieses Gesicht hat".

Das will sich die Damenrunde lieber nicht vorstellen, sondern sich mit immer neuen Gaumengenüssen verwöhnen lassen. Mit eingelegten Zucchiniröllchen beispielsweise, die Christel Bültmann und Ulli Miltz zaubern, oder dem italienischen Sommersalat von Sabine Nelson und Margret Oberkrome-Tasche. "Ich mache alle Kochkurse mit, die die Volkshochschule anbietet", erzählt Sabine Nelson. Auch ihre Mitstreiterin weiß, dass "immer etwas dabei ist, das man noch nicht kennt".

"Das sieht aber lecker aus", schwärmt Doris Müller, als sie an der Pfanne von James und Evelyn Ellis vorbeikommt. Auf das Gemüsebeet, das in der Pfanne köchelt, soll gleich die Poularde gebettet werden. Und ab in den Ofen.

"Ich denke, Sie werden heute Abend satt werden", das hatte Silke Förster bereits am Beginn des unterhaltsamen Kochvergnügens prophezeit, und natürlich behielt die 46-jährige Hallenserin recht.

Voll des Lobes waren die Teilnehmer, als am Ende allen Schnippelns, Mixens und Kochens die sechs gänzlich unterschiedlichen Gaumengenüsse gekostet werden durften. Bis hin zur süßen, portugiesischen Kalorienbombe "Pastéis de Nata", die auf jeden Fall eine Sünde wert ist.

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