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Ein verwittertes altes Schild weist auf die offizielle Wegebezeichnung "G" hin. Auffällig und neu ist das Namensschild "Wildkatzenweg", das von Anwohnern auf der gegenüberliegenden Seite angebracht worden ist. - © FOTO: SILKE KRÖGER
Ein verwittertes altes Schild weist auf die offizielle Wegebezeichnung "G" hin. Auffällig und neu ist das Namensschild "Wildkatzenweg", das von Anwohnern auf der gegenüberliegenden Seite angebracht worden ist. | © FOTO: SILKE KRÖGER

SENNESTADT Wildwuchs im Markengrund

Anwohner halten sich nicht an die Auflagen / Stadt hat zu wenig Kontrolleure

VON SILKE KRÖGER
03.04.2012 | Stand 02.04.2012, 20:37 Uhr

Sennestadt. Bereits im Juli 2011 hatte die Bezirksvertretung (BZV) den Vorschlag der Stadtverwaltung, die Buchstabenkennzeichnung der Haupt- und Nebenwege im Wochenendgebiet Markengrund durch Tiernamen zu ersetzen, abgelehnt. Gleichwohl finden sich seit einigen Wochen an mindestens drei Wegen eben solche Namensschilder: Wildkatzenweg steht da Schwarz auf Weiß am G-Weg zu lesen, Goldammerweg am M-Weg und Bärenweg am L-Weg. An den seit 1984 bestehenden Buchstabenschildern dagegen, die laut BZV-Beschluss "kurzfristig" erneuert werden sollten, hat sich bis heute nichts getan.

"Es darf doch nicht jeder irgendein Schild aufstellen, wenn es ihm passt", schimpft Bezirksbürgermeisterin Elke Klemens und weist darauf hin, dass die Bezirksvertretung immer wieder darauf dringt, dass die Behörde gegen die Verfehlungen im Wochenendgebiet etwas unternimmt. "Das ist wirklich Wildwuchs. Einige machen, was sie wollen, und tanzen der Stadt auf der Nase herum."

Im Januar dieses Jahres hat die SPD in der Bezirksvertretung erneut einen Vorstoß unternommen, um die Bausünden im Wochenendgebiet zu unterbinden. Das Gremium hatte dem mehrheitlich zugestimmt: "Umgehend" sollten die bisherigen BZV-Beschlüsse umgesetzt und Bausünden geahndet werden – etwa zu hohe Zäune, Aufschüttungen und unerlaubte Bauten. Auch die alte Wege-Beschilderungen seien zu erneuern und "sonstige Straßennamen-Schilder" zu entfernen, "um keine Verwirrung zu erzeugen". Geschehen ist seitdem wenig. "Wir fühlen uns da ziemlich hilflos", räumt die Bezirksbürgermeisterin auf NW-Anfrage ein.

Nicht nur ein Ärgernis, sondern gefährlich für die im Wochenendgebiet lebenden Wildtiere sind die hohen Maschendrahtzäune und der Stacheldraht, der auf vielen Zäunen angebracht und laut geltendem Bebauungsplan strikt verboten ist. Ein Anwohner, der nicht namentlich genannt werden will, berichtet vom Befreiungskampf eines Rehs, das sich in einem der Zäune verfangen hat. Er muss die Tränen zurückhalten. "Hier sind Zäune, die über einen Meter hoch sind, eigentlich verboten." Gleiches gelte für die hohen Sichtschutzwände auf einigen Grundstücken, meint er.
Der Markengrund ist nach städtischer Festlegung ein Sondergebiet der Erholung. Dauerwohnen ist dort ausdrücklich verboten, für die Gebäude gibt es zahlreiche Vorschriften: So erlaubt der – gültige – Bebauungsplan "freistehende Einzelhäuser bis zu 50 Quadratmeter überbauter Fläche", die Kellergröße ist auf maximal 15 Quadratmeter beschränkt, auch "Nebenanlagen" sind verboten. Als Einfriedung sind nur "Holz- oder bepflanzte Drahtzäune bis zu einer Höhe vom maximal einem Meter zulässig". Und: "Stacheldraht ist unzulässig."

Allerdings wurden die Vorschriften nicht von Anfang an konsequent angewendet. Anfang der 90er Jahre sollte ein Neubeginn gemacht werden. Laut Ratsbeschluss gilt seitdem für alles, was vor 1992 errichtet wurde, Bestandsschutz. "Amnestie", nennt das Bauamtsleiter Stephan Blankemeyer und unterstreicht: "Ein einmal gefasster Beschluss ist nicht mehr aufzuheben." Daher gibt es jetzt zwei Rechtsgrundlagen – denn alles, was später errichtet wurde und gegen den Bebauungsplan verstößt, muss wieder abgerissen werden. Bis heute gab es eine Fülle von Ordnungsverfügungen. Seit den vergangenen rund vier Jahren hat die Stadt 150 eingeleitet, aktuell sind 43 in der Bearbeitung. Am Verwaltungsgericht Minden ist der Markengrund seit vielen Jahren gerichtliches Dauerthema.

Dabei muss die Stadt stets nicht nur beachten, was vor und was nach dem Ratsbeschluss errichtet wurde, das Gericht verlangt auch "genaue Maße und Örtlichkeiten." Aber, stellt Blankemeyer klar: "Stacheldraht fällt nicht unter den Bestandsschutz." Die Masse an großen und kleinen Verfehlungen stellt die Stadt vor ein Kapazitätenproblem– es gibt zu wenig Baukontrolleure. "Da können wir nicht einen allein für den Markengrund abbestellen."

Zumindest bei den Wegeschildern soll jetzt schnell etwas geschehen, verspricht das Bezirksamt. Mitarbeiterin Christina Schwabedissen: "Wir werden mit dem Wochenendverein sprechen und, wenn nötig, eine Frist setzen. Bis dahin müssen die Schilder weg sein."

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