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Ola Karlotta Hecht aus Bad Münder (9), Emilia Clara Schweighart (7) aus Berlin, Daniela Raum aus Bonn und andere Teilnehmer lernen bei Museumspädagogin Ulrike Riedel (im Hintergrund), wie man ein Kupferarmband auf dem Amboss in Form bringt. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
Ola Karlotta Hecht aus Bad Münder (9), Emilia Clara Schweighart (7) aus Berlin, Daniela Raum aus Bonn und andere Teilnehmer lernen bei Museumspädagogin Ulrike Riedel (im Hintergrund), wie man ein Kupferarmband auf dem Amboss in Form bringt. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

OERLINGHAUSEN Positiv und praktisch

Konferenz der deutschsprachigen "Transition Town"-Bewegung

VON SEBASTIAN GETHKE
17.10.2011 | Stand 16.10.2011, 19:34 Uhr

Oerlinghausen. Die milde Herbstsonne scheint durch keine Wolke getrübt auf das Naturfreundehaus am Südhang des Tönsberges. In ihren warmen Strahlen genießen gut 75 Menschen ihr streng veganes Mittagessen. Sie sind an dem idyllischen Ort in der Bergstadt zusammengekommen, um über Wandel und die Zukunft zu konferieren und debattieren.

Die im Teutoburger Wald eingekehrten und gerade Mittagspause machenden Aktivisten gehören der "Transition Town"- Bewegung an. Das Naturfreundehaus haben sie als Ort für ihre zweite Konferenz im deutschsprachigen Raum ausgewählt. Die erste hatte bereits im vergangenen Jahr in Hannover stattgefunden. Der Name "Transition Town" steht für weltweit aktive Initiativen, die sich politisch unabhängig für Umweltbelange und mehr Nachhaltigkeit einsetzen.

Information
Globale Bewegung zum Mitmachen

Die "Transition Town"-Bewegung, die sich mit "Stadt im Wandel" übersetzen lässt, wurde 2006 von dem Iren Rob Hopkins gegründet. Weltweit bilden sich seitdem in Städten und Gemeinden Initiativen, die sich mit Themen wie dem Klimawandel und dem Ölfördermaximum beschäftigen und lokal nach Lösungen und Alternativen suchen. Die "Transition Town Bielefeld" war deutschlandweit eine der ersten Bewegungen. Beitreten oder selbst eine Initiative für den eigenen Ort gründen kann jeder, der sich den gleichen Zielen verpflichtet fühlt. www.transition-initiativen.de

Am Freitag ist die Konferenz in Bielefeld mit einer Besichtigung des dortigen "Transition Town"-Permakultur-Gartens gestartet. Bei Permakultur handelt es sich, ganz im Sinne der Bewegung, um ein um ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit bemühtes Konzept. Die offizielle Begrüßung findet anschließend im Internationalen Begegnungszentrum statt. Neben Organisator und "Transition Town"-Bielefeld-Gründer Gerd Wessling richtet auch Anja Ritschel, städtische Beigeordnete für Umwelt- und Klimaschutz, einige Worte an die Konferenzteilnehmer. Mit dem anschließenden Keynote-Vortrag der US-Amerikanischen Expertin Nicole Foss beginnt dann das Konferenzprogramm.

Wobei das Programm vor allem von den Teilnehmern selbst gestaltet wird. "Ähnlich wie bei Barcamps entstehen die Themen und Inhalte erst im Lauf der Konferenz", sagt Gerd Wessling. "Zentrale Punkte sind dabei Energiewende, Stadtgärten, Ressourcenteilung und Tauschringe, Klimawandel, komplementäre Währungen sowie regionale Warenkreisläufe, Dezentralisierung und Deglobalisierung." Zu diesen breit aufgestellten Themenkomplexen erarbeiten die Konferenzteilnehmer gemeinsam Ansätze und Lösungen, die sie sich anschließend gegenseitig vorstellen.

Gerd Wessling zeigt auf eine Wand mit vollgeschriebenen Papierblättern. - © FOTO: SEBASTIAN GETHKE
Gerd Wessling zeigt auf eine Wand mit vollgeschriebenen Papierblättern. | © FOTO: SEBASTIAN GETHKE

"Dabei geht es bei "Transition Town" immer um positive und praktische Lösungen, die konkret und lokal umgesetzt werden können. Diese dürfen dann auch gerne experimentell sein", erklärt Wessling die Herangehensweise. Ziel sei es, die Lebensqualität zu erhöhen. "Wir wollen Menschen unabhängig von Alter, Interessen und individuellen Hintergründen erreichen und niemanden ausgrenzen."

Auflockernde Programmpunkte bieten die Kunstaktionen des Bielefelder Aktionskünstlerduos "Art at Work" ebenso wie ein gemeinsamer Besuch im archäologischen Freilichtmuseum. Dort werden unter dem Themenkomplex "Steinzeit Re-Skilling", was in etwas soviel bedeutet wie "Wiedererlernen von Fähigkeiten aus der Steinzeit", verschiedene Techniken unserer Vorfahren, wie etwa Speerschleudern und Feuermachen unter Anleitung erlernt. "Wir fördern so, dass etwas mit den eigenen Händen gemacht wird. Außerdem hilft es, den Kopf wieder frei zu bekommen und die Denkstrukturen aufzubrechen", sagt Wessling.

Dazu dienen ebenfalls die abendlichen Feiern mit Livemusik. "Dabei geht es darum, unsere Arbeit selbst zu würdigen und uns dafür zu belohnen. Wir wollen einfach mal das Positive sehen, statt immer nur das eine Prozent, das man vielleicht falsch gemacht hat", erklärt Wessling, der die Konferenz als sehr gelungen einstuft. "Die Teilnehmerzahl ist optimal, und wir wurden durch die Naturfreunde, die Stadt Bielefeld und das Stadtwerkeunternehmen MoBiel großartig unterstützt."

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