0
Beim Signieren seiner Bücher hört Sven Plöger vielfältiges Lob von den Zuhörern.Trotz des Ernstes des Themas habe er sie bestens unterhalten und informiert, mit Charisma und ohne erhobenen Zeigefinger. - © FOTO: SUSANNE LAHR
Beim Signieren seiner Bücher hört Sven Plöger vielfältiges Lob von den Zuhörern.Trotz des Ernstes des Themas habe er sie bestens unterhalten und informiert, mit Charisma und ohne erhobenen Zeigefinger. | © FOTO: SUSANNE LAHR

OERLINGHAUSEN Klimaschutz beginnt an der Zapfpistole

Globale und alltagstaugliche Tipps vom bekannten Wetterfrosch Sven Plöger

VON SUSANNE LAHR
25.03.2011 | Stand 24.03.2011, 20:05 Uhr

Oerlinghausen. Ein untrügliches Zeichen für den Klimawandel liegt im Kleiderschrank: die Unnerbüx. Sie hat sich seit dem 18. Jahrhundert vom knielangen Liebestöter in ein Hauch von Nichts bis 2008 verwandelt. Mit einem breiten Grinsen deutet Sven Plöger dem Publikum an, dass bei weitergehender Klimaerwärmung bald nichts mehr übrigbleibt. Der bekannte Meteorologe und TV-Moderator ist nach Oerlinghausen gekommen, um den Menschen zu sagen, dass es Zeit wird für einen durchgreifenden Wandel.

Rund 300 sind auf Einladung der Buchhandlung Blume, die für diese Veranstaltung mit dem Gymnasium kooperiert, in die Aula des Schulzentrums gekommen. Sie bekommen von dem gut aufgelegten Wetterfrosch, der sich in seinem Buch "Gute Aussichten für morgen" mit dem Klimawandel und dessen Herausforderungen beschäftigt, einen Mix aus Unterhaltung und Information geboten.

Abwechselnd zeigt Sven Plöger Bilder von herausragenden Wetterereignissen, einige wenige Graphiken und liest aus seinem Buch. Dabei stimmt die Selbsteinschätzung des 43-Jährigen, "dass er nicht lesen kann". Plöger ist bei seinem Vortrag immer dann am stärksten, wenn er sich von seinem gedruckten Wort lösen kann. Ganz wichtig ist ihm - und gerät deshalb auch ein bisschen lang-, den Unterschied zwischen Wetter und Klima darzustellen. Zwischen subjektiv gefühlten Wetterereignissen und dem Klima als Statistik, als gemittelten Wetter. "Unseren Gefühlen zum Wetter freien Lauf zu lassen ist nicht tauglich, eine ernste Klimadiskussion zu führen."

Gleichwohl hat ihn selbst Sturmtief "Lothar" 1999, das er mit drei weiteren Menschen im Gäste-WC einer Berghütte überstanden hat, dazu gebracht, intensiver über den Klimawandel nachzudenken. Dass es ihn gibt, ist für den Fachmann keine Frage. "Es gab ihn schon immer." Aber nicht in der heutigen Geschwindigkeit, die eindeutig vom Menschen gemacht sei.

Es falle dennoch schwer, etwas gegen die Kohlendioxid-Emissionen zu tun - immerhin 30 Milliarden Tonnen pro Jahr - weil man sie nicht sieht und riecht. "Wenn wir eine Gasmaske bräuchten, es stänke und wir nie die Sonne sehen würden", sagt Plöger plakativ, "wäre die Minderung des CO2-Ausstoßes und des Treibhauseffektes weltweit der wichtigste Punkt auf der Agenda." Plöger geht aber kaum auf die Gründe ein, warum diverse Gruppen ein Interesse daran haben, den Klimawandel zu leugnen oder zu beschwichtigen. Trotz sich dem Ende zuneigender fossiler Brennstoffe, mit denen zu 90 Prozent unsere Energie erzeugt wird.

Sven Plöger plädiert leidenschaftlich für eine Energiewende, hin zur Sonne, hin zu den Erneuerbaren Energien. "Die Sonne hat die 5.810-fache der Energie, die wir weltweit verbrauchen. Und wir nutzen nur 0,5 Prozent davon, da liegt der Fehler." Denn der Energieverbrauch werde weltweit weiter steigen. Plöger betont, dass die Kernenergie dabei keine dauerhafte Lösung sei.

Zum guten Schluss hat Sven Plöger noch einige Alltagstipps zum Klimaschutz parat. Dazu gehört auch das richtige Tanken. Viele erkennen sich bei seiner amüsanten Schilderung vom Klicken an der Zapfpistole wieder, nur um zum Schluss eine runde Summe zu erreichen. "Bei jedem Klicken entweichen schädliche Gase in die Atmosphäre, weil der Absaugautomat überlistet wird. Die können wir der Atmosphäre schon mal ersparen."

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group