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Auf die Sauberhaltung der neuen Toiletten der Mensa der Heinz-Sielmann-Schule (Foto) wird besonders von den Hausmeistern geachtet. Wichtig ist aber auch die Privatsphäre der Nutzer. - © Karin Prignitz
Auf die Sauberhaltung der neuen Toiletten der Mensa der Heinz-Sielmann-Schule (Foto) wird besonders von den Hausmeistern geachtet. Wichtig ist aber auch die Privatsphäre der Nutzer. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Wenn das Toilettenpapier an der Wand klebt

Ein fragwürdiger Trend, der über ein Videoportal vorangetrieben wird, erreicht auch die Schulen vor Ort. Immer weniger Geschäfte beteiligen sich an der „netten Toilette“.

Karin Prignitz
28.02.2022 , 05:12 Uhr

Oerlinghausen / Leopoldshöhe. Eine Toilettenpapierrolle, die unter den Wasserhahn gehalten und dann mit Schwung gegen die Wand geworfen wird, wo sie klebenbleibt. Tücher, die eigentlich dazu da sind, sich die Hände abzutrocknen, „verzieren“ die Fliesen. Solche und ähnliche Szenen erfreuen sich derzeit auf dem Videoportal „TikTok“ großer Beliebtheit und finden viele Nachahmer. Das bekommen derzeit auch die Schulen zu spüren.

Schultoiletten und ihr Zustand – ein unappetitliches Thema, das Generationen bewegt. Eine neue Dimension ist erreicht, seit deutschlandweit über die sozialen Kanäle zu Challenges aufgerufen wird und es dadurch vermehrt zu Vandalismus und sogar Brandstiftung kommt. Toilettenpapierrollen werden angezündet, Desinfektionsspender von den Wänden gerissen. Auf der Social-Media-Plattform werden entsprechende Videos gepostet. Einige Schulen im Land haben angesichts des fragwürdigen TikTok-Trends bereits zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Eine Schule in Hessen hat die Schüler dazu verdonnert, ihr eigenes Klopapier für den Toilettengang mitzubringen. Andere Schulen postieren Aufsichtspersonen auf den Toiletten.

Potentiell gefährlich

In Oerlinghausen und Leopoldshöhe ist es noch nicht soweit. Die Schulleitungen von Gymnasium, Sekundar- und Gesamtschule bestätigen aber, dass es auch an ihren Schulen entsprechende Vorfälle gibt. Am Niklas-Luhmann-Gymnasium (NLG) hatte es bereits vor Weihnachten einen Brand in einem der Papierkörbe auf den Toiletten nahe der Aula gegeben.Ob er mit dem Trend, der seine Anfänge in den USA genommen hat, zu tun hat, ist schwer zu sagen. Der Sachschaden sei gering, bestätigt Schulleiterin Katrin Tebben, aber die Sache sei natürlich potentiell gefährlich gewesen. Drei Tage lang wurden die Toiletten wegen Vandalismus geschlossen und nur in den großen Pausen bei Bedarf geöffnet. Schilder wiesen darauf hin.

Die Verursacher konnten nicht ermittelt werden. Die Schülerinnen und Schüler hätten die anderen Toiletten auf den einzelnen Etagen nutzen können, betont Katrin Tebben. Nasses Toilettenpapier an den Wänden, das gebe es leider auch. Christian Landerbarthold, Leiter der Heinz-Sielmann-Sekundarschule (HSS), auch genannt kleine Gesamtschule, bestätigt ebenfalls entsprechende Vorfälle. „Grundsätzlich legen wir großen Wert auf Sauberkeit, aber dieses Problem haben derzeit viele Schulen.“ Immer wieder würden die Schüler darauf hingewiesen, im Unterricht werde darüber gesprochen. „Wir kriegen es ganz gut hin“, sagt Landerbarthold, aber ganz ausgeschlossen sei es eben nicht. „Die Aufsichten sind gefragt.“ Wird ein Toilettenpapier-Werfer erwischt, „dann bekommt er den Wischer in die Hand“.

3G auch für den Gang zur Toilette

Früher einmal haben Schüler an der HSS in der Außentoilette am Hauptgebäude selber dafür gesorgt, dass kein Unwesen getrieben wird. „Das hat gut funktioniert“, sagt Christian Landerbarthold. Langfristig wolle man das wieder hinbekommen. Aktuell aber gebe es die bewirtschaftete Toilette nicht. Manfred Kurtz, Leiter der Felix-Fechenbach-Gesamtschule, berichtet, dass Verunstaltungen der Toiletten mit nassem Papier in den vergangenen etwa vier Wochen vorgekommen seien, „aber es ist noch kein großes Thema, und ich hoffe, dass es sich bald wieder erledigt hat“. Zum Glück könne man momentan von absoluten Einzelfällen sprechen. „Einzelne sind zur Rechenschaft gezogen und die Aufsichten verstärkt worden.“

Nicht nur Schüler müssen mal. Auch Menschen, die in der Stadt unterwegs sind, um dort einzukaufen oder andere Besorgungen zu erledigen, stehen bei einem dringenden Bedürfnis vor der Frage: „Wo finde ich schnell eine Toilette?“ Dirk Schäfer, noch bis zum Sommer Leiter des Fachbereiches Bürgerservice, Ordnung, Interne Dienste in Oerlinghausen, berichtet, dass es derzeit im Café Kriemelmann und in der Eisdiele am Rathausplatz eine „nette Toilette“ gebe. Die Stadt zahle den Geschäften dafür einen Obolus.

Früher hätten sich mehr Läden beteiligt. Die Toiletten im Rathaus können derzeit aufgrund von Corona nicht einfach so genutzt werden. Schäfer kündigt an, dass die Außentoilette am Rathaus voraussichtlich mit dem Beginn der Biergartensaison wieder geöffnet werde. In Leopoldshöhe können Menschen mit einem „drängenden“ Bedürfnis das WC des von der Kirche betriebenen „Cafè 104“ auf dem Marktplatz nutzen, und zwar zu den Öffnungszeiten, wie Frank Sommer vom Fachbereich IV mitteilt. Den Schlüssel gibt es im Café oder im Rathaus. Die Toiletten im Rathaus Leopoldshöhe können nach 3-G-Kontrolle genutzt werden. Die Teilnahme von Geschäften an der „netten Toilette“ habe sich nicht durchgesetzt, sagt Sommer. Die Seniorenvertretung Oerlinghausen wird das Thema bei ihrem nächsten Treffen Ende Februar diskutieren.

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