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Nach ihren Vorträgen stellen sich Marcel Lossie (v. l.), Alea Blöbaum und Patrick Herrmann (r.) den Fragen aus dem Publikum. Bettina Wittemeier behält den Überblick. - © Gunter Held
Nach ihren Vorträgen stellen sich Marcel Lossie (v. l.), Alea Blöbaum und Patrick Herrmann (r.) den Fragen aus dem Publikum. Bettina Wittemeier behält den Überblick. | © Gunter Held

Oerlinghausen Raus aus der Komfortzone

Der Rotary-Club Oerlinghausen-Detmold veranstaltet zum zweiten Mal einen Talk-Abend mit drei Kurzvorträgen. Der finanzielle Erlös geht an fünf Kindergärten.

Gunter Held
21.11.2019 | Stand 21.11.2019, 18:06 Uhr

Oerlinghausen. Ist es mutig, einem wildfremden Menschen in einer Fußgängerzone ein High-Five, ein Abklatschen mit der erhobenen Hand, zu geben? Ist es mutig, bei einem Meeting, wenn man ein Projekt vorstellen soll, die ersten 20, 30 Sekunden lang zu schweigen? Zumindest ist es ein Ausbrechen aus der gewöhnlichen Komfortzone – und genau das riet Mutstifter Patrick Herrmann den mehr als 200 Zuhörern, die zum zweiten TALK-Abend des Rotary-Clubs Oerlinghausen-Detmold in die Aula des Gymnasiums gekommen waren. Drei Referenten hatten jeweils 18 Minuten Zeit, über ihr Thema zu sprechen. Dass in dieser Zeit die Themen nicht erschöpfend behandelt werden konnten, machte Rotary-Präsident Carsten Kipp schon bei der Begrüßung klar. Die Beiträge könnten jedoch ein Interesse neu wecken. Als Moderatorin führte Bettina Wittemeier durch den Abend. „Die Wahrheit über Mut“ war Herrmanns Beitrag überschrieben und er machte klar, dass seiner Ansicht nach Mut aus den Kompionenten Angst, Risiko(einschätzung) und Moral gebildet wird. "Den sehe ich nicht wieder" Der Vortrag von Marcel Lossie hatte die Vereinbarkeit von Beruf und sozialem Engagement zum Thema. Lossie ist Initiator und Gründer des Projektes „Fruchtalarm“. Dabei ziehen Mitarbeiter, die Fruchtis, mit einer mobilen Saftbar durch Kinderkrebsstationen in Krankenhäusern, um den Kindern Freude zu bereiten, Abwechslung in den Klinikalltag zu bringen und die Sinne zu stimulieren. Begonnen hat er 2010 in Bielefeld. Aktuell ist der Fruchtalarm 52 Wochen im Jahr an 31 Standorten in Deutschland aktiv. Sein soziales Engagement in seinen beruflichen Alltag einzubinden schaffe er durch effizientes Arbeiten, gutes Zeitmanagement und ein gutes Team, das ihn unterstützt, sagte Lossie. Alea Blöbaum, Richterin am Amtsgericht Herford sprach über „Endstation Jugendkriminalität“ und stellte drei echte, leicht abgewandelte Fälle vor. Die Namen der Jugendlichen änderte sie ebenfalls. Ein 16-Jähriger hat seine Vespa frisiert und ist erwischt worden. Gegen eine Verkehrsschulung und 30 Stunden Sozialarbeit wird das Verfahren eingestellt. „Das hat gereicht“, sagte Blöbaum, „den sehe ich nicht wieder.“ Anders ein 17-Jähriger, der schon im Kindergarten auffällig aggressiv war. Über Raub und Vergewaltigung mit 14 Jahren rutscht er immer tiefer in die Kriminalität. „Jugendkriminalität ist normal“, sagte Blöbaum. Und zu 94 Prozent händelbar. Für die übrigen 6 Prozent Intensivstraftäter gebe es das Jugendstrafrecht. In der anschließenden Diskussion war besonders die Richterin gefragt. Gefallen hat der Abend dem Publikum sehr. Den Vertretern der Kindergärten überreichten die Rotarier Carsten Kipp und Kai Ristau insgesamt 1.500 Euro aus dem Verkauf der Eintrittskarten.

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