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Bitte nicht stören, ein Krimi entsteht: Der Spruch hängt gut lesbar über dem Schreibtisch des Krimiautors Joachim H. Peters. Und von der gleichen Wand schaut ihm auch Inspektor Columbo kritisch auf die Finger. - © Gunter Held
Bitte nicht stören, ein Krimi entsteht: Der Spruch hängt gut lesbar über dem Schreibtisch des Krimiautors Joachim H. Peters. Und von der gleichen Wand schaut ihm auch Inspektor Columbo kritisch auf die Finger. | © Gunter Held

Oerlinghausen Krimi-Kommissar Koslowski wohnt jetzt in der Bergstadt

Der Krimiautor Joachim H. Peters lässt seinen Ermittler weiterhin von Detmold aus ermitteln. Und Oerlinghausen soll Krimihauptstadt werden.

Gunter Held
10.10.2019 | Stand 10.10.2019, 19:24 Uhr

Oerlinghausen. Der Mann hat eine Vision. Ach was, eine? Dutzende. Wer Joachim H. Peters nach seinen Plänen fragt, bekommt erst einmal eine Zahl zu hören. An diesem Nachmittag ist es die 196. So viele Tage noch ist er als Kriminalhauptkommissar für die Kreispolizeibehörde Lippe unterwegs. Und dann? Dann geht es richtig los – so jedenfalls der Eindruck, der sich einem aufdrängt. Peters sprüht vor Ideen. Einer Vision ist er jüngst ein Stückchen näher gekommen: Er will Oerlinghausen zur Krimihauptstadt Lippes machen. Die Marken sind erst einmal gesetzt. Er selbst ist vor einigen Wochen in die Bergstadt gezogen und jüngst hat ein weiterer Krimiautor debütiert. Und Koslowski, Peters’ Alter Ego und ostwestfälisch-kauziger Ermittler aus Detmold, recherchiert der jetzt auch von Oerlinghausen aus? Peters lacht. „Nee“, sagt er, „der bleibt in Detmold. Aber von Detmold aus geht es eben weiter.“ Klar doch, das wissen Koslowski-Fans. Der Ermittler klebt nicht an seiner ostwestfälischen Heimat. Vielleicht ist die Reihe deshalb so erfolgreich. Regionalkrimis mit erfrischenden Blicken über den Tellerrand. Demnächst kommt der neue Koslowski raus. Der zehnte. Zum ersten Mal seit Beginn der Reihe im Jahre 2009 wird der Jahresrhythmus unterbrochen. „Da musste unbedingt der Paderbornkrimi fertig werden, und es sind noch ein paar andere Dinge dazwischengekommen, deshalb hängt Koslowski hinten dran“, sagt der Autor. Was Peters gefreut hat: Buchhändler sind auf ihn zugekommen und haben gesagt, dass sie es gemerkt hätten, dass zum Weihnachtsfest 2018 kein neuer Koslowski in den Regalen lag. Im Urlaub wird nicht an den Krimis gearbeitet – eigentlich Um sein Versprechen zu halten, den zehnten Koslowski Mitte bis Ende November im Buchhandel anbieten zu können, musste er ein anderes Versprechen brechen. Ein wichtiges, weil er es seiner Frau Petra gegeben hat: Im Urlaub wird nicht an Krimis gearbeitet. Doch seine Frau hat Verständnis – dieses eine Mal. Und um was geht es im zehnten Koslowski? Das will Joachim Peters nicht verraten – natürlich nicht. Nur so viel: Es tut sich die Frage auf, was ein vor 170 Jahren gestorbener amerikanischer Autor mit Morden in Lippe zu tun hat. Und auch dieses Mal entspricht der Schluss nicht dem eines üblichen Regionalkrimis. Die Lesungen sind bereits terminiert, die erste findet am 23. November in Bad Meinberg statt. Wenn er schon nichts vom Inhalt preisgeben möchte, beantwortet er die Frage nach dem Entstehen seiner Bücher. „Krimi schreiben ist wie Auto fahren im Dunkeln“, sagt Peters. „Ich weiß, wo ich starte, und ich weiß, wo ich ankomme. Aber auf der Fahrt sehe ich nur so weit, wie die Scheinwerfer reichen.“ Sich an einem Storyboard entlang zu hangeln, ist seine Sache nicht. Das hat er ausprobiert. Es hat nicht geklappt. „Ich mag es, meine Figuren sich wandeln zu lassen – von gut zu böse und umgekehrt. Und ich überlege beim Schreiben, wie ich die Leser in die Irre führen kann. Das macht Spaß“, sagt er und grinst. Und die Angst vor dem weißen Bildschirm? „Hab ich nicht“, sagt Peters. „Ich setze mich hin und fange an zu schreiben. Und gut für mich ist, wenn ich unter Zeitdruck stehe. Dann bekommen auch die Geschichten eine gewisse Atemlosigkeit.“ Die Krimis ist nicht das Einzige, was Peters in seiner Freizeit beschäftigt. Er ist auch Mitglied der „Dance Company“ der Polizei NRW, die sich als Botschafter der Polizei sieht – raus aus der Uniform, rein ins Kostüm. In diesem Jahr stehen die „Blues Brothers“ auf dem Programm. „Die wollte ich schon lange auf die Bühne bringen. Jetzt hat es endlich geklappt“, sagt er. Auf die Bühne bringen möchte er auch noch anderen, härteren Stoff: Die Geschichte des Serienmörders Fritz Haarmann, der in den Jahren 1923/24 in Hannover 24 Jungen und junge Männer tötete. Peters möchte das Stück so inszenieren, dass es aus der Sicht von Haarmanns Verteidiger spielt. Und außerdem sind da noch die Paderbornkrimis, die er schreibt, die Bäderkrimis, seine Kabarettprogramme und diverse Moderationen. Noch 196 Tage, dann ist er Rentner, der Peters. Und dann kann es losgehen.

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