0
Geschäftsidee: Luzie (vorne, v.l.) und Samira haben kein Gerümpel zu verkaufen. Mit ihrer „Candy Bar“ sprechen sie auch Besucher wie Björn Meise, Melanie Meise, Mona Eweler und Karin Eweler (stehend v.l.) an. - © Knut Dinter
Geschäftsidee: Luzie (vorne, v.l.) und Samira haben kein Gerümpel zu verkaufen. Mit ihrer „Candy Bar“ sprechen sie auch Besucher wie Björn Meise, Melanie Meise, Mona Eweler und Karin Eweler (stehend v.l.) an. | © Knut Dinter

Oerlinghausen Mackenbruch wird zum Großflohmarkt

Die Mackenbrucher durchforsten ihre Garagen, Keller und Dachböden nach überflüssigen Dingen, die sie schon längst mal loswerden wollten

Knut Dinter
09.09.2019 | Stand 09.09.2019, 16:15 Uhr

Oerlinghausen. Die Mackenbruchsiedlung ist zum dritten Mal zu einem großen Flohmarkt geworden. In Hofeinfahrten und auf Gehwegen boten 37 Anlieger Dinge an, von denen sie sich gern trennen wollten. Die meisten der zahlreichen Besucher suchten allerdings nicht nur Plunder – sondern auch einen Plausch. Uwe Steinmeier hatte seinen weißen Porsche 356 mitgebracht. Neben uralten Soldatenfotos und Modeschmuck fand der Wagen genug Platz auf dem Tapeziertisch. Denn der begehrte Oldtimer war lediglich ein Modell im Maßstab 1:18. „In groß hätte ich mir das Auto nicht leisten können“, meinte Steinmeier verschmitzt. Um die Ecke, in der Magdeburger Straße, stand ein schwarzes Auto, das ebenfalls verkauft werden sollte. Mit dem Citroen C1 war bislang Familie Gaus unterwegs. Zwischen Spielwaren und Tauchzubehör soll auch er jetzt den Besitzer wechseln. Einen besonderen Blickfang hatte Sebastian Thiel gewählt: Sein Mini-Wohnwagen „Qek junior“ aus DDR-Produktion lockte fast mehr Interessenten an als die davor ausgebreiteten Spielsachen seiner Kinder. Anstelle von Tand und Trödel hatte Arseniy Elagin auf, neben und unter seinem Stand Dutzende von Sukkulenten platziert. Da drängten sich Kakteen, Steinbrech und Dickblattgewächse. „Meine Mutter züchtet die Pflanzen“, sagte er. „Wir haben so viele Ableger, dass wir sie im Haus nicht mehr unterbringen.“ Süßigkeiten am Spieß kommen gut an Gegenüber pries Bernd Verleger sein noch warmes Gebäck an. „Hier gibt es die weltbesten Waffeln“, rief er den Passanten zu. „Wer sie einmal probiert hat, fragt sofort nach dem Rezept.“ Mit seiner Partnerin Birgit Grommel ist er vor wenigen Jahren an den Weißen Weg gezogen und hat die Entscheidung nicht bereut. „Wir haben hier eine tolle Nachbarschaft“, sagte Verleger. „Durch sie wird so eine Gemeinschaftsaktion wie der Flohmarkt erst möglich.“ Vor dem Haus von Stefan Aderhold waren frische Crêpes gefragt. „Ich habe schon fünf Schüsseln mit Teig verarbeitet“, sagte er, während er den nächsten dünnen Eierkuchen vorbereitete. Mit ihren selbst gefertigten, netzförmigen Traumfängern wandten sich Amelie, Lucia und Henrike an die Besucher. Den Erlös wollten sie der Meeresschutzorganisation „Sea Shepherd“ spenden. Auch ohne Geld waren Schnäppchen möglich. Am Ende des Weißen Weges verschenkte Alina Alschir mehrere blaue Blumentöpfe und Bilderrahmen. „Die Leute haben gern zugegriffen“, berichtete sie. An der Ecke Leipziger und Dresdner Straße haben Luzie Buhler und Samira Hirsch, beide zehn Jahre alt, einen Kindertisch und zwei Stühle aufgebaut. Ihre Geschäftsidee: An ihrer „Candy Bar“ boten sie aufgespießte Süßigkeiten an. „Eigentlich soll hier ja nur Gerümpel verkauft werden, aber das ist ja langweilig“, sagte Luzie. Die beiden Freundinnen hatten eine andere Geschäftsidee und trafen damit den Geschmack der Besucher. „Wir haben schon viele Kinder bedient, aber auch Erwachsene.“ "Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen" „So viele Teilnehmer hatten wir noch nie“, sagt erfreut Frank Sommer. Mit seiner Idee brachte er 2015 erstmals die Nachbarschaft zusammen. „Auch für die Anbieter ist es ganz bequem. Man kann seine Sachen aus Garage oder Keller ausräumen und hat keine lange Anreise bis zu einem kommerziellen Flohmarkt.“ Für Kurt Bennewitz, Hobby-Discjockey aus Hörste, hat sich der Flohmarkt auf jeden Fall gelohnt. Als der Besucher am Stand von Daniel Gaus eine Lichtsteuerungsanlage entdeckte, griff er sofort zu. Aus der Garage holte ihm Gaus auch noch die passenden, großen Scheinwerfer. „Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen“, sagt Kurt Bennewitz und entfernte sich – um sein Auto für den Abtransport zu holen.

realisiert durch evolver group