Tränen gelacht: Als Kommissar Engelmann beeindruckte Sascha Gutzeit (vorn) die Zuschauer (hinten, von links) Frank Weigmann, Uli Weigmann, Elisabeth Weiß, den Veranstalter Jörg Czyborra und Gabriele Hellmich. - © Knut Dinter
Tränen gelacht: Als Kommissar Engelmann beeindruckte Sascha Gutzeit (vorn) die Zuschauer (hinten, von links) Frank Weigmann, Uli Weigmann, Elisabeth Weiß, den Veranstalter Jörg Czyborra und Gabriele Hellmich. | © Knut Dinter

Oerlinghausen Sascha Gutzeit als "Kommissar Engelmann" auf heißer Spur

Musikalischer Retro-Krimi: Mit seinem neuen Programm löste Sascha Gutzeit bei den Zuschauern Krämpfe aus – der Lachmuskeln

Knut Dinter
18.05.2019 | Stand 17.05.2019, 18:39 Uhr

Oerlinghausen. Am Ortseingang anderer Städte wird auf touristische Besonderheiten oder internationale Partnerschaften hingewiesen. Was Einheimischen schon gar nicht mehr auffällt, liefert Sascha Gutzeit die Vorlage für einen „Running Gag" bei seinem Auftritt in der Bergstadt. Das kleine weiße Schild mit der Aufschrift „Eingeschränkter Winterdienst" hat es ihm angetan. Beim Publikum sorgte der 47-Jährige für Lachsalven, als er diesen Hinweis („und das Ende Mai!") mehrfach zitierte. War es nun eine Lesung? Ein Liederabend? Oder gar Comedy? Eigentlich sind solche Zuordnungen vollkommen überflüssig, denn Gutzeit ist ein wahres Multitalent und bot in rasantem Wechsel einen Mix aus allen Genres an. Er hat mehrere künstlerische Ausbildungen absolviert und Talente als Musiker, Texter, Komponist, Schauspieler und Buchautor entwickelt. Am Vormittag hat er in den drei Oerlinghauser Grundschulen noch aus seinem Werk „Detektivspinne Luise" gelesen (gesponsert vom Rotary-Club), am Abend tritt er in der Aula der Heinz-Sielmann-Schule seinen Zuhörern als Kommissar Heinz Engelmann gegenüber. Als die Welt noch in drei Programme passte Krimifilme sind seine Leidenschaft, aber alt und schwarz-weiß müssen sie sein. Diese Vorliebe entwickelte er als Junge im Fernsehzimmer der Großeltern, erklärt Gutzeit dem Publikum. „Damals passte die ganze Welt ja noch in drei Programme." Und der kleine Sascha durfte sich all die Krimisendungen anschauen, die heute gelegentlich zu später Stunde als Füller gezeigt werden. Auf der kleinen Bühne mit der groß gemusterten, braun-orangefarbenen Tapete versetzt sich Gutzeit noch einmal in jene Zeit. „Der Liter Sprit kostete 58 Pfennig, die Kinder hießen Hans oder Renate und nicht Jimmy-Blue." Mit Hut und altmodischem Trenchcoat gibt er den leicht vertrottelten Kommissar Heinz Engelmann, und von da an geht es äußerst turbulent zu. Gutzeit liest die Dialoge der zahlreich auftretenden Personen nicht nur vor, er ahmt die Stimmen der alten Frau, des Betrunkenen, der Affektierten und der Zahnlosen so realistisch nach, dass sie ebenfalls auf der Bühne zu stehen scheinen. Dazwischen blendet er Originaltöne aus der Frühzeit des Werbefernsehens ein, und Erkennungsmelodien alter TV-Serien waren zu hören. "Gebiss bis zum Morgengrauen" Hin und wieder greift Gutzeit zur akustischen Gitarre, um eigene Lieder mit so scharfsinnigen Texten wie „Der Mörder ist immer der Täter" anzustimmen. Es bedurfte nur eines kleinen Hinweises, und das Publikum sang den Refrain begeistert mit. Sicher, Gutzeit trägt dick auf, wenn er das Café Incontinental besucht, der Pathologin Dr. Anna Lyse und der Bürgermeisterin Heide Witzka begegnet. Dennoch liefern seine Wortspiele und Nonsense-Formulierungen den notwendigen Schmierstoff für den Fortgang des Geschehens. Der Fall „Gebiss zum Morgengrauen" überschlägt sich fast und ist da eigentlich schon nebensächlich geworden. Auch der „Eingeschränkte Winterdienst" wird noch einmal bemüht. „Ich habe jetzt immer ein Säckchen Granulat bei mir", behauptet Gutzeit. Er war zum zweiten Mal auf Einladung der Buchhandlung Blume in Oerlinghausen zu Gast und freute sich über die herzliche Aufnahme. Kein Wunder, denn zahlreiche Zuschauer wollten ihn unbedingt noch einmal erleben. „Eine tolle schauspielerische Leistung", lobte Frank Wiegmann. „Es flossen Tränen", erklärten Elisabeth Weiß und Gabriele Hellmich. „Jetzt müssen wir erst mal unsere Lachmuskeln wieder entkrampfen."

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