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Förster Klaus Schwabedissen deutet auf die geschädigten Bäume nahe der Bremer Siedlung in der Südstadt. Rolf Tiemeyer ist mit Hündin Lotti unterwegs. - © Karin Prignitz
Förster Klaus Schwabedissen deutet auf die geschädigten Bäume nahe der Bremer Siedlung in der Südstadt. Rolf Tiemeyer ist mit Hündin Lotti unterwegs. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Waldstück am Flugplatz Oerlinghausen muss gerodet werden

Rodung: Ein 3,5 Hektar großes Fichtenwaldstück, das an die Bremer Siedlung in der Südstadt grenzt, muss abgeerntet werden. Schuld ist ein kleiner hungriger Käfer

Karin Prignitz
16.05.2019 | Stand 15.05.2019, 18:28 Uhr

Oerlinghausen. Das Szenario ist beinahe gespenstisch. Das Gros der Fichten, die auf dem Areal westlich des Segelflugplatzes bis hinunter zur Sennestraße und der angrenzenden „Bremer Siedlung" wachsen, ist in einem jämmerlichen Zustand. Die Nadeln hängen vertrocknet an den Zweigen, die Rinde ist an vielen Stellen abgeplatzt. „Der Borkenkäfer", sagt Förster Klaus Schwabedissen, „hat ganze Arbeit geleistet." Der Appetit der kleinen gefräßigen Tiere sei schier unermesslich. „Buchdrucker und Kupferstecher machen uns große Sorgen", bestätigt Schwabedissen. Auf einem Stück Rinde zeigt er, wie sich die kleinen Käfer ihre Wege suchen. Die ungewöhnlich hohen Temperaturen im vergangenen Jahr und der geringe Niederschlag hätten nicht nur in Oerlinghausen, sondern europaweit dafür gesorgt, dass sich die Population der Borkenkäfer in einer Weise ausbreitet, wie es das noch nicht gegeben habe. „Die natürliche Abwehr gegen die Eindringlinge, das Harz, konnte nicht gebildet werden." Also hatten die Käfer leichtes Spiel, und die lieben nun einmal die Fichte. Schwere Stürme hätten ein Übriges getan. Angst vor Brandgefahr Bei der Stadtverwaltung habe es etliche Anrufe von besorgten Bewohnern aus der Bremer Siedlung gegeben, berichtet Bürgermeister Dirk Becker. „Die Befürchtung ist groß, dass ein Brand ausbrechen könnte, der dann unkontrollierbar ist, oder die Bäume umstürzen." Da durch den massiven Borkenkäferbefall tatsächlich Gefahr im Verzug sei, müsse gehandelt werden. Rolf Tiemeyer, Geschäftsführer der Flugplatzgemeinschaft Oerlinghausen, der mit Hündin Lotti unterwegs ist, liegt die Sicherheit ebenfalls am Herzen. Die 3,5 Hektar große betroffene Fläche ist Eigentum der Flugplatzgemeinschaft. Und sie muss nun, weil aus fachlicher Sicht des Försters nichts mehr zu retten ist, weil auch die wenigen gesünder aussehenden Bäume bereits befallen sind, „zu hundert Prozent abgeerntet werden". Das soll zeitnah geschehen. „Die Maßnahme wird mindestens zwei Wochen dauern", kündigt Schwabedissen an. Der Bereich soll mit Flatterbändern abgesperrt werden, solange die Maschinen dort arbeiten. „Spaziergänger müssen während dieser Zeit Wege meiden, die quer durch den Bestand gehen." Mit der dann kahlen Fläche werde womöglich ein gewisser Lärmschutz für die Südstadt wegfallen, vermutet Rolf Tiemeyer. Beschlossene Sache ist aber, dass so schnell wie möglich aufgeforstet werden soll. „Womit, das steht noch nicht fest." Die Lärche komme grundsätzlich in Frage, bestätigt der Förster, oder auch eine Mischung aus Laub- und Nadelhölzern. In jedem Fall, betont Schwabedissen, „soll ein System gewählt werden, das die Folgekosten möglichst gering hält". Bis sie groß genug seien, bräuchten Bäume etwa fünf bis zehn Jahre. Die abgestorbenen Fichten haben eine Höhe von 17 bis 18 Metern erreicht. Sie wachsen dort bereits seit etwa 50 bis 55 Jahren, „und sie hätten wohl noch einmal ebenso lange dort stehen können", sagt Schwabedissen. Das Holz erfüllt noch einen Zweck Das Unternehmen, das die Fläche roden wird, verkauft das Holz auch. Was übrig bleibt, soll vermutlich komplett als Holzhackschnitzel für das Werk in der Südstadt verwendet werden. Klaus Schwabedissen gibt zu bedenken, dass der Borkenkäfer, wenn es keinen Spätfrost gegeben hätte, „sicherlich noch viel mobiler gewesen wäre". Mehr als 90 Prozent der Tierchen hätten den Winter überlebt. „Wir können nur darauf reagieren", sagt Schwabedissen. Sollte Geld durch den Verkauf des Holzes übrig bleiben, werde es reinvestiert. Die Chancen stehen allerdings nicht gut, denn wegen des landesweiten Befalls, gebe es bereits ein Überangebot.

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