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Vieles liegt im Argen: Uwe Jachmann, Cemil Cetin, Marianne Oetter, Rudolf Schumacher, Ina Niederwöhrmeier, Beiratsvorsitzender Kurt-Günter Lehmann, Irene Heinrich und Antonina Haupt (v. l.) stehen auf dem Platz des Ladenzentrums am Stukenbrocker Weg. Derzeit sind dort Stützpfeiler vor der Postfiliale zu sehen. Die "Haus & Grund GmbH Bielefeld" ist der derzeitige Verwalter. - © Karin Prignitz
Vieles liegt im Argen: Uwe Jachmann, Cemil Cetin, Marianne Oetter, Rudolf Schumacher, Ina Niederwöhrmeier, Beiratsvorsitzender Kurt-Günter Lehmann, Irene Heinrich und Antonina Haupt (v. l.) stehen auf dem Platz des Ladenzentrums am Stukenbrocker Weg. Derzeit sind dort Stützpfeiler vor der Postfiliale zu sehen. Die "Haus & Grund GmbH Bielefeld" ist der derzeitige Verwalter. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Die Fronten in der Südstadt sind verhärtet

Ladenzentrum: Über Jahrzehnte hinweg ist am Stukenbrocker Weg ein immenser Sanierungsstau entstanden. Eigentümer, Beirat und Verwalter finden keinen gemeinsamen Weg

Karin Prignitz
09.02.2019 | Stand 08.02.2019, 17:42 Uhr

Oerlinghausen. Die Optik traurig; die Eigentümer wollen zum Teil gegensätzliche Interessen durchsetzen; der Beirat wird nicht ernst genommen; der Verwalter versucht, Grund in die verfahrenen Strukturen zu bringen, sieht sich aber immer wieder Protesten ausgesetzt und ist dem Vernehmen nach zumindest in einem Falle bereits verklagt worden. So in etwa sieht die komplexe Gemengelage im Ladenzentrum am Stukenbrocker Weg in der Südstadt aus. Stein des Anstoßes ist derzeit die Abrechnung für das Jahr 2016. Das Ladenzentrum Oerlinghausen-Süd ist in den Jahren von 1967 bis 1981 in vier Bauabschnitten entstanden. Auf dem Papier sind es mit Tankstelle, Pizzeria und „Leierkasten“ sogar sieben. Hinzu kommt die Tiefgarage. Die 83 Eigentumswohnungen sind nach wie vor überwiegend von den Eigentümern bewohnt, einige sind vermietet worden. Das Konzept mit Lebensmittelgeschäft, Friseur, Bäcker und Sparkasse, die alle in unmittelbarer Nähe zum Komplex gehörten, ging damals auf. Nach und nach jedoch verlor das Ladenzentrum an Attraktivität, der Putz bröckelte, Läden schlossen, die Außenansicht wurde zunehmend unattraktiv. Auch hinter der Fassade lief es schon bald nicht mehr rund. Der erste Verwalter veruntreute einen hohen Geldbetrag. Ein Fachanwalt für Immobilienrecht kümmerte sich ab dem Jahr 2000 um die Geschicke der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG). „Im Jahr darauf ist der Sanierungsbedarf der Wohnanlage durch einen Architekten ermittelt worden“, berichtet Eigentümerin Evelyn Moritz. Einige Arbeiten wurden ausgeführt. Sie waren allerdings nicht viel mehr als Kosmetik, denn Sanierungsbedarf gab es schon zu dieser Zeit an allen Ecken und Kanten. Reparaturen aber wurden lange hinausgezögert. Nach dem Rückzug des Verwalters im Jahr 2015 und einer Übergangslösung sprach sich die Eigentümergemeinschaft im Mai 2016 für Haus & Grund GmbH Bielefeld als neuen Verwalter aus. "In fast drei Jahren nichts passiert" „In diesen fast drei Jahren ist nichts passiert“, beklagen Marianne Oetter, Cemil Cetin, Uwe Jachmann und andere Eigentümer. „Noch immer gibt es keine gültige Abrechnung für das Jahr 2016.“ Seit es ein neues System gebe, das so ganz anders sei als das übersichtliche des Vorverwalters, „blickt keiner mehr durch“. Alles laufe aus dem Ruder, schimpfen Cetin und Jachmann. „Wir fühlen uns enteignet, alles, was wir bemängeln, wird ignoriert.“ Beide kündigen ebenfalls rechtliche Schritte an und sind der Meinung, dass ein erneuter Verwalterwechsel her müsse. Auch mit dem Beirat, dem sie selbst bis vor kurzem angehörten, sind sie unzufrieden. Beiratsvorsitzender Kurt-Günter Lehmann und Mitstreiter Heinz Schmiedekamp sowie die Verwalter von Haus & Grund sehen die Situation ganz anders. „Die Eigentümergemeinschaft ist über weite Strecken nicht kooperativ, das macht es schwierig“, sagt Kurt-Günter Lehmann. So habe die Zerstrittenheit untereinander schon in der Vergangenheit beispielsweise dazu geführt, dass die schon lange nicht mehr tragfähige Busüberdachung erst kürzlich abgerissen worden sei. Der Haus & Grund GmbH Bielefeld sei es zu verdanken, dass sich die Stadt im Zuge der Stadtteilaufwertung mit Fördergeldern in Höhe von 12.500 Euro beteilige. Thomas Reimeier von der Stadt und Jürgen Upmeyer relativieren diese Aussage. „Die Option einer möglichen Förderung ist von uns geschaffen worden“, betont Thomas Reimeier. Die Eigentümer hätten die Kosten für die Maßnahme zunächst selbst gezahlt. Jürgen Upmeyer bestätigt das und verweist auf einen öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen Stadt sowie Haus & Grund. In ihm sei als Maßnahme die Platzgestaltung Neue Mitte – Geschäfts- und Wohnzentrum inklusive barrierefreier Gestaltung Stukenbrocker Weg „grundsätzlich vorgesehen“. Der Zustand der Dächer habe eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dargestellt. „Deshalb wurde auch vereinbart, dass als vorbereitende Maßnahme für das städtebauliche Konzept die Entfernung der beiden Betondächer an der Westseite des Platzes gehört.“ Hierfür sei die Eigentümergemeinschaft zunächst in Vorleistung getreten „mit der Verpflichtung der Stadt, diese Kosten aus städtebaulichen Fördermitteln zu erstatten“, erläutert Upmeyer. Alles ist sehr unübersichtlich Der neue Verwalter hatte sich zunächst ein Bild machen müssen und neben einem insgesamt „immensen Sanierungsstau“ unter anderem festgestellt, dass die Teilungserklärung, mit der die Rechte und Pflichten der Eigentümer geregelt werden, „nicht aus einem Guss“ ist, es stattdessen immer wieder Änderungen und Ergänzungen gegeben hat. Alles sei sehr unübersichtlich gewesen, bestätigen die Geschäftsführer Jürgen Upmeyer und Christoph Krieg. „Dass es Instandhaltungsrücklagen gibt, war den dürftigen Unterlagen, die wir übernommen haben, beispielsweise gar nicht zu entnehmen.“ Immer wieder habe es deshalb Ortstermine und diverse Gespräche gegeben, um klare Zuordnungen treffen zu können. Zumal es viele ungeklärte bauliche Mängel gebe, es außerdem immer wieder um Kleinigkeiten gegangen sei. Der Entwurf der Abrechnung für das Jahr 2016 ist den Eigentümern drei Wochen vor der November-Versammlung zugestellt worden. „In dieser Zeit hätte man uns kontaktieren und Dinge klären können“, sagt Christoph Krieg. Lediglich fünf Bewohner hätten aber Gesprächstermine wahrgenommen. „Erst in der Versammlung kam Widerspruch.“ Eine Herausforderung sei es, „Pulverdampf von Fakten zu trennen“, so beschreibt Jürgen Upmeyer die Stimmung. „Trotzdem werfen wir die Flinte nicht ins Korn, wir sind angetreten, um das Ladenzentrum auf Kurs zu bringen.“ Als Verwalter, betont Krieg, „unterliegen wir der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes“. Deshalb seien die Abrechnungen ausführlicher als bisher von den Eigentümern gewohnt. Zudem sei bereits einige Male wegen Kleinigkeiten nachgebessert worden. „Wir haben alles Menschenmögliche getan.“ Weil eine knappe Mehrheit dennoch von Fehlern ausgeht und deshalb nicht zustimmte, seien dem Verwalter die Hände gebunden. „Die Abrechnung 2016 ist Voraussetzung für 2017, die bereits steht, und 2018.“ Sollte die Mehrheit der Eigentümer auch in der kommenden Versammlung, die voraussichtlich im März stattfindet, nicht zustimmen, „dann müssten sie auf Richtigkeit klagen“, betont Krieg. Solange kein einheitlicher Weg gefunden wird, stocken die dringend nötigen Sanierungsarbeiten. »Über die Instandhaltung entscheiden die Eigentümer« Architekt Michael Dabisch kümmert sich derzeit um das Brandschutzkonzept für die Tiefgarage. Danach soll ein perspektivisches Instandhaltungskonzept vom Architekten aufgestellt werden. Das hätte nach Auskunft von Thomas Reimeier schon längst kommen sollen. Alle Zusagen seien bislang aber verstrichen. Jürgen Upmeyer hingegen meint: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Aber: „Über die Instandhaltung entscheiden die Eigentümer, die Verwaltung kann nur Wege und Möglichkeiten vorschlagen.“ Genügend Rücklagen seien da. Ende 2017 seien es rund 160.000 Euro gewesen. Weitere 98.000 Euro kämen aus dem Jahr 2018 hinzu, denn jeder Eigentümer zahlt einen Euro pro Monat pro Quadratmeter Wohnfläche. Geld müsste etwa in Undichtigkeiten der Tiefgarage gesteckt werden. Auch Physiosport Heymann klagt über Feuchtigkeit in seinen Räumen. „Es geht darum, dass es nicht noch mehr verkommt“, so sieht es Marianne Oetter. Im Sommer entscheiden die Eigentümer ob und wie es mit dem Verwalter weitergeht. „Was dann weiter passiert, weiß keiner.“

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