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Im Stehen: Die Musiker der Original Hoch- und Deutschmeister aus Wien mit ihrem Kapellmeister Reinhold Nowotny (r.) nehmen das Publikum in der Aula des Schulzentrums mit auf eine musikalische Reise. Dabei tragen sie Uniformen, die denen aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts nachempfunden sind. - © Karin Prignitz
Im Stehen: Die Musiker der Original Hoch- und Deutschmeister aus Wien mit ihrem Kapellmeister Reinhold Nowotny (r.) nehmen das Publikum in der Aula des Schulzentrums mit auf eine musikalische Reise. Dabei tragen sie Uniformen, die denen aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts nachempfunden sind. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Schmissiger Auftritt der Hoch- und Deutschmeister

Musik für gute Zwecke: Eine der ältesten Militärkapellen der Welt erfüllt Werner Bauch einen Herzenswunsch. Auch das Publikum ist von den Hoch- und Deutschmeistern begeistert

Karin Prignitz
08.02.2019 | Stand 08.02.2019, 17:34 Uhr |

Oerlinghausen. Dieses besondere Ereignis will sich Hubert Erichlandwehr keinesfalls entgehen lassen. Dass in der Aula des Schulzentrums eine Überraschung auf ihn wartete, damit hat der Bürgermeister der Nachbargemeinde Schloß Holte-Stukenbrock jedoch nicht gerechnet. Mit Frau und Tochter sitzt Erichlandwehr neben Bürgermeister Dirk Becker und Frau in den Besucherreihen, ehe er nach vorne gerufen wird und den Taktstock in die Hand gedrückt bekommt. Zehn Jahre lang (von 1989 bis 1999) hat Hubert Erichlandwehr das Städtische Blasorchester Schloß Holte-Stukenbrock dirigiert. Nach wie vor spielt er dort, wann immer es sein Terminplan zulässt, als Trompeter mit. Umso mehr hat ihn die Ankündigung gefreut, dass in Oerlinghausen die „Original Hoch- und Deutschmeister" aus Wien auftreten. Lange hat Werner Bauch, der Vorsitzende des Vereins „Musik für gute Zwecke" darauf hingearbeitet, eine der ältesten Militärkapellen der Welt zu verpflichten. „Das war mir ein Herzensanliegen", betont Bauch. Weil bei den Gästen ein Konzert während ihrer Tournee ausfiel, ging sein Wunsch schneller als gedacht in Erfüllung. „Ich musste mich dreimal kneifen, um zu begreifen, welches weltberühmte Orchester nach Oerlinghausen kommt", hob Bauch die Klasse des Traditionsorchesters hervor. Um vier Uhr in der Früh waren die 26 Instrumentalisten in Wien in den Bus gestiegen. Im Gepäck hatten sie ihre handgeschneiderten blauen Uniformen. Nachempfunden worden sind sie denen des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 4 aus der Zeit um 1890, denn nach wie vor legt das Orchester höchsten Wert auf Authentizität. Nach 13-stündiger Fahrt erreichten die Musiker die Bergstadt. Von Müdigkeit war beim rund dreistündigen Konzert am Abend dennoch nichts zu spüren. Die einstige „Lieblingskapelle des österreichischen Kaisers" in ihrer heutigen Besetzung nahm das rund 300-köpfige Publikum mit in die Heimatstadt. „Wien bleibt Wien" erklang und neben den traditionellen, schmissigen Militärmärschen bekannte Melodien von den Brüdern Strauss, Carl Michael Ziehrer, Franz Lehár oder Robert Stolz sowie ein Querschnitt der bekanntesten Stücke von Emmerich Kalman. Mal mit und mal ohne den auffälligen Helm der Hoch- und Deutschmeister. Statt der üblichen Basstuba erklingt das Helikon Das Typische der Musik sei die Verwendung der „Hohen Stimmung, die einen Halbton über der Normalstimmung liegt", erläuterte Kapellmeister Reinhold Nowotny, der mit vielen Zusatzinformationen durch das kurzweilige Programm führte. „Die Hohe Stimmung geht zurück auf die alten Feld- und Militärmusiken, die vor allem im Freien und in der marschierenden Truppe gehört werden mussten", ergänzte Raimund Sulz. Gemeinsam mit Matthias Stöger gehörte der Trompeter zu den jüngsten Mitgliedern. Mitgebracht hatten die Gäste Sängerin Anja Markwart, geboren in Berlin und Wahl-Wienerin. Die Sopranistin glänzte in wechselnden Rollen und Kleidern, die ein „ohhh" bei den Zuhörern auslöste, unter ihnen eine große Abordnung der Oerlinghauser Schützengesellschaft. Die Original Hoch- und Deutschmeister sind die letzten blasmusikhistorisch originalen Vertreter der ruhmreichen Militärmusik Österreich-Ungarns. Reinhold Nowotny, der nach der Pause in weißer Uniformjacke erschien, stellte die Alleinstellungsmerkmale vor und sorgte damit für Erstaunen. So spielen einige der Musiker der Hoch- und Deutschmeister nach wie vor auf Es-Trompeten und auf Ventil- statt Zugposaunen. Statt der üblichen Basstuba wird das traditionelle Helikon zum Klingen gebracht. Mit dem berühmten Flieger-Marsch schickten die Hoch- und Deutschmeister die Besucher in die Pause. Im zweiten Teil ließen sie unter anderem die Bäume im Prater erblühen. Als „Feuerfest" erwies sich ein Amboss. Äußerst amüsant fanden es die Besucher, dass die Schürze des „Schmiedes" bei seinem Polka-Spiel einfach nicht halten wollte. In früheren Zeiten, erläuterte der Kapellmeister, habe die Militärmusik eine wichtige Funktion übernommen. „Sie war das Radio des 19. Jahrhunderts." Die neuesten Melodien seien bis zu den entlegensten Garnisonen vorgedrungen. Der CVJM Oerlinghausen übernahm die Konzertbewirtung in der Pause. Schüler der Technik-AGs des Niklas-Luhmann-Gymnasiums und der Heinz-Sielmann-Schule hatten sich zusammengetan, um die Hoch- und Deutschmeister mit Ton und Licht zu versorgen.

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