So hat sie ausgesehen: Die Jugendherberge am Kammweg mit den drei Buchstaben DJH, die für Deutsches Jugendherbergswerk stehen, gibt es nicht mehr. - © Karin Prignitz
So hat sie ausgesehen: Die Jugendherberge am Kammweg mit den drei Buchstaben DJH, die für Deutsches Jugendherbergswerk stehen, gibt es nicht mehr. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Aus für ein Stück Stadtgeschichte

Neue Nutzung: Anstelle der einstigen Jugendherberge entstehen in den kommenden Monaten Ferienwohnungen und eine Tiefgarage auf dem Tönsberg

Karin Prignitz
10.01.2019 | Stand 09.01.2019, 18:19 Uhr

Oerlinghausen. Der Dauerregen hält den Staub in Grenzen. Zwei Bagger fahren ihre großen Greifarme aus, kämpfen sich durch das alte Mauerwerk. Steine purzeln zu Boden, Holzbalken ragen in den Himmel. Am Ende bleiben große Schutthaufen übrig von einem Gebäude, das fast ein Jahrhundert lang vom Kamm des Tönsbergs auf die Stadt heruntergeschaut hat und in dem unzählige Gäste eine Bleibe auf Zeit gefunden haben. Ein Stück Oerlinghauser Geschichte ist in diesen Tagen dem Erdboden gleichgemacht worden. Die Jugendherberge mit ihrem Hauptgebäude aus dem Jahr 1925 und seinen beiden Anbauten (1968 und 1972) gibt es nicht mehr. An ihrer Stelle soll das „Tönsberghaus“, eine Anlage mit 19 Ferienwohnungen und einer Eigentümerwohnung mit Büro entstehen. Vorgesehen ist außerdem eine große Tiefgarage. „In den nächsten Tagen werden wir mit dem Bauaushub beginnen“, kündigt das Investoren-Ehepaar aus Leopoldshöhe an. Dann werde auch ein Wendehammer auf dem Grundstück geschaffen. Lkw sollen dort vorwärts hinein und rückwärts wieder herausfahren. Die Zuwegung zur einstigen Jugendherberge ist nur aus Richtung Brachtshof kommend möglich, nicht aber von der Tönsbergstraße und Auf dem Berge. „Das ist mit dem Straßenverkehrsamt, Stadt und Polizei so besprochen worden“, berichtet der Investor. »Gerölltransport wird Zustand der Straße beeinträchtigen« Für die Anwohner sind die Bauarbeiten mit großen Einschränkungen und auch Sorgen verbunden. „Wenn dort tonnenweise Geröll abtransportiert wird, wird das ganz sicher den Zustand der Straße beeinträchtigen“, mahnt eine Anliegerin des Pieperweges. „Unsere einzige Chance ist, dass die Straße nur auf einer Seite befahren wird.“ Ansonsten könnten in der Folge hohe Straßenerneuerungskosten entstehen, das sei die große Angst. Helmut Holthöfer, Technischer Leiter des Bauamtes, berichtet von einem Straßengutachten, das erstellt worden ist. Anders als ursprünglich vorgesehen, solle der Schwerlastverkehr nun vom Brachtshof kommend die rechte, nicht vorbelastete Seite befahren, weil links die Kanaltrasse liege. Das gilt auch für Autofahrer. Sie sollen auf der ohnehin belasteten Seite parken. Problem sei aber, das bestätigt auch Helmut Holthöfer, dass sich trotz der Hinweisschilder einige nicht daran halten. „Uns liegen schon einige Beschwerden vor.“ Die Stadt werde nun regelmäßig dort vorbeischauen und die Situation überwachen. Bereits als das Dach der Jugendherberge abgedeckt wurde, hatten Anwohner sich darüber empört, dass dort ihren Beobachtungen nach zeitweise ohne Mundschutz gearbeitet worden sei. Der Investor verneint das. Tatsächlich seien Teile der Fassadenplatten asbesthaltig gewesen. Sie seien aber ordnungsgemäß abgetragen und entsorgt worden. „Das Amt für Arbeitsschutz war vor Ort und hatte nichts zu kritisieren“, stellt der Investor klar. Für das Bauprojekt insgesamt sei ein aufwendiges Gutachten erstellt worden. Die Bauherren rechnen damit, dass die Rohbauphase Ende der Sommerferien beendet sein könnte. Die Investoren haben eine Homepage eingerichtet. Unter www.toensberghaus.de können sich Bürger über den Baufortschritt bis zur Fertigstellung informieren. Auch Flyer gibt es. Geplant sind 19 Ferienwohnungen und eine Tiefgarage mit 28 Stellplätzen, die zum Teil auch von Anwohnern gemietet werden können. Angesprochen werden sollen vor allem Wandergruppen und Urlauber, aber auch Geschäftsreisende. Die Bauherrn hatten bereits während einer Informationsveranstaltung im Mai auf den engen Kontakt mit der Lippe-Touristik und Marketing GmbH und ein Betriebskonzept verwiesen. Der Bedarf an Ferienwohnungen sei offensichtlich gegeben. Zumal auch das Klinikum Lippe nicht weit entfernt liege.

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