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Aufwertung. Jüngst gewählt wurde der neue Vorstand der Segelflugschule: Stefan Klett (v. li.), 1.Vorsitzender Segelflugschule e.V. und zugleich Präsident des Aeroclubs NRW, Matthias Podworny, DSelegierter des Aeroclub NRW, Achim Richter 2.Vorsitzender der Flugplatzgemeinschaft Oerlinghausen aus Herford, Georg Hemkendreis, Schatzmeister und ehemaliger. Geschäftsführer der Flugplatzgemeinschaft Oerlinghausen und Christian Lang, Delegierter der Flugplatzgemeinschaft und Leiter des Landesleistungsstützpunkts Segelflug in Oerlinghausen. - © Segelflugschule
Aufwertung. Jüngst gewählt wurde der neue Vorstand der Segelflugschule: Stefan Klett (v. li.), 1.Vorsitzender Segelflugschule e.V. und zugleich Präsident des Aeroclubs NRW, Matthias Podworny, DSelegierter des Aeroclub NRW, Achim Richter 2.Vorsitzender der Flugplatzgemeinschaft Oerlinghausen aus Herford, Georg Hemkendreis, Schatzmeister und ehemaliger. Geschäftsführer der Flugplatzgemeinschaft Oerlinghausen und Christian Lang, Delegierter der Flugplatzgemeinschaft und Leiter des Landesleistungsstützpunkts Segelflug in Oerlinghausen. | © Segelflugschule

Oerlinghausen Luftwaffe entscheidet sich für Bergstadt

Erfolg: Künftige Offiziere werden weiterhin am Segelflugplatz trainiert. Oerlinghausen ist als Ausbildungszentrum für Piloten und Bodenpersonal deutschlandweit anerkannt

Horst Biere
24.11.2018 | Stand 23.11.2018, 17:23 Uhr

Oerlinghausen. Die Bergstadt wird ein wichtiger Standort für die deutsche Luftwaffe, denn das Militär beschreitet völlig neue Wege in der Ausbildung seiner Luftwaffen-Offiziere. Seit Oktober hat die Oerlinghauser Segelflugschule wieder einmal den Auftrag für eine Segelflug-Ausbildung vieler ranghoher Luftwaffensoldaten erhalten, gemeinsam übrigens mit der renommierten Fliegerschule Wasserkuppe in der Rhön. Nach den guten Erfahrungen der Militärs mit dem hiesigen Segelflugplatz in einer ersten Phase, hat sich die Luftwaffe nun erneut für Oerlinghausen entschieden. Warum gerade Oerlinghausen? „Nach einer bundesweiten Ausschreibung ist die Wahl letztlich auf Oerlinghausen gefallen“, begründet Harald Rattay, Oberst im Generalstab der Luftwaffe, „weil der Flugplatz mit 30.000 jährlichen Segelflugzeugstarts weltweit führend ist und mehrere Luftsportvereine beheimatet. Oerlinghausen bietet außerdem durch die unmittelbare Nähe zum Bundeswehr-Standort Augustdorf die Möglichkeit der Unterbringung der Offiziere in der nahe gelegenen Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne.“ Stephan Olessak, Leiter der Oerlinghauser Segelflugschule, freut sich über die Aufwertung seiner Verbandsflugschule durch das Militär. „Oberstes Ziel unserer Flugschule ist natürlich wie stets das Segelfliegen für jedermann“, sagt er, „doch die Entscheidung der Luftwaffe für Oerlinghausen ist ein Zeichen, dass hier eine solide Ausbildung vermittelt wird.“ Die Tatsache, dass alle angehenden Offiziere, also auch diejenigen, die später nicht zum fliegenden Einsatz kommen, hier erstmals „Höhenluft schnuppern“ können, fördere ganz erheblich das Image und diene dem guten Ansehen der Segelflugschule. „Segelfliegen war von je her ein Teamsport“ Oberst Rattay gilt als geistiger Vater des Trainings der Offiziere im Segelflugzeug. „Wir haben hier die Einweisung in den Segelflugbetrieb vorgesehen, damit unsere jungen Offizieranwärter den eigentlichen ‚Wirkraum‘ der Luftwaffe, die dritte Dimension, die Luft, ein wenig kennenlernen“, erklärt er. „Wir sind dabei, die Offiziersausbildung umzubauen und mehr Praxisbezug einzulagern.“ Vorbilder für diese Maßnahme gibt es nach Rattays Angaben bereits seit Jahrzehnten in zahlreichen NATO-Staaten. „Nur in Deutschland, der Heimat des Segelfluges, musste eine sehr lange Zeit der Reifung vergehen, bis sie Realität wurde“, sagt er. Ziel der segelfliegerischen Ausbildung für die angehenden Luftwaffenoffiziere ist die Erlangung der Segelflug-Lizenz. In der NATO-Sprache heißt das: Sailplane Pilot Licence. Die besondere Herausforderung für die jungen Anwärter liegt in der Kürze der Ausbildungszeit, also in der Verdichtung aller für den Segelflug notwendigen Ausbildungsinhalte. Sechs Wochen reine Ausbildungszeit in Oerlinghausen seien dafür angesetzt. Wobei natürlich studienbedingte Unterbrechungen möglich sind. Unterrichtet werden die angehenden Offiziere ganz regulär von den Lehrern der Segelflugschule Oerlinghausen. Georg Hemkendreis, der frühere Geschäftsführer der Flugplatzgemeinschaft, begleitete bereits die erste Phase der neuartigen Luftwaffenausbildung in Oerlinghausen. Er zieht Parallelen zur Marine: „Was das Segelschulschiff ,Gorch Fock’ für die Marine ist, bedeutet Oerlinghausen für die Luftwaffe.“ Die Ausbildung aller Offiziere erfolge nur eben nicht auf einem Segelschulschiff und auf dem Meer, sondern in der Segelflugschule und in der Luft. Angehende Offiziere lernten hier erstmals ganz hautnah, wie es sich anfühle, sich in der Höhe zu bewegen. Denn noch einen weiteren positiven Effekt biete die Segelflugzeug-Ausbildung, die Förderung der Teamarbeit. Fluglehrer Stephan Olessak fasst zusammen: „Segelfliegen war von je her ein Teamsport. Wer fliegen will, der brauchte die Unterstützung von mehreren anderen Segelflugfreunden.“ In einer Publikation der Luftwaffe heißt es: „Es bedarf beim Segelflug eines eingespielten und trainierten Teams mit vielen Händen, um einige wenige Flugzeuge sicher in den Himmel zu bekommen.“ Jeder Teilnehmer am Offizierslehrgang führe dabei 15 bis 20 Starts durch. „Dazu sind Teamwork, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, Fachkenntnis und Einsatzwille unabdingbare Voraussetzungen“, stellt das Militär dazu fest. Durch das Segelfliegen in Oerlinghausen erreiche die Luftwaffe „Koordination in der Luft, sowie erste Einblicke in die physische und psychische Belastung von Piloten.“

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