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Ein Teil des Leitungsteam: Schulleiter Christian Landerbarthold mit seinen beiden Abteilungsleiterinnen Kerstin Trägenapp-Zunkel für die Jahrgänge 5 bis 7 (r.) und Regine Schulze für die Jahrgänge 8 bis 10 vor der Heinz-Sielmann-Büste. Foto: Gunter Held - © Gunter Held
Ein Teil des Leitungsteam: Schulleiter Christian Landerbarthold mit seinen beiden Abteilungsleiterinnen Kerstin Trägenapp-Zunkel für die Jahrgänge 5 bis 7 (r.) und Regine Schulze für die Jahrgänge 8 bis 10 vor der Heinz-Sielmann-Büste. Foto: Gunter Held | © Gunter Held

Oerlinghausen Die kleine Gesamtschule

Sekundarschule: Viele Eltern können mit dem Begriff nichts anfangen. Trotzdem ist die Heinz-Sielmann-Schule ein Erfolgsmodell. Immer wieder müssen Seiteneinsteiger aus anderen Schulformen abgelehnt werden

Gunter Held
10.11.2018 | Stand 09.11.2018, 17:40 Uhr

Oerlinghausen. Christian Landerbarthold, Leiter der Heinz-Sielmann-Schule macht den Eindruck eines in sich ruhenden Menschen, den nichts so leicht auf die Palme bringen kann. Das ändert sich, als er auf den Begriff zu sprechen kommt, den die Landesregierung für seine Schulform vor einigen Jahren kreiert hat: Sekundarschule. „Viele Eltern können mit diesem Begriff nichts anfangen – und wenn, dann ist er negativ besetzt, hört sich nach zweiter Wahl an. Korrekt und leicht verständlich wäre der Begriff Gesamtschule der Sekundarstufe I.“ Aber für viele Oerlinghauser ist die Heinz-Sielmann-Schule eben immer noch die Hauptschule. Doch das ist sie schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr. Mittlerweile ist der erste Jahrgang dieser kleinen Gesamtschule durch, ein Drittel der 100 Absolventen hatte den Qualifikationsvermerk für die Oberstufe auf dem Zeugnis stehen. 19 weitere Schüler erreichten die Fachoberschulreife, 28 machten den Hauptschulabschluss nach Klasse 10, 18 absolvierten die BUS-Klasse (Betrieb und Schule) und zwei erreichten den Förderschulabschluss. „Wir unterrichten hier dreizügig 511 Schüler“, sagt Landerbarthold. Aber immer wieder kämen Eltern auf ihn zu, deren Kinder auf dem Gymnasium oder der Realschule Schwierigkeiten haben und die dann auf die HSS wechseln möchten. „Die sind dann sehr erstaunt, dass wir die Kinder ablehnen müssen, selbst wenn sie aus der unmittelbaren Nachbarschaft kommen. Aber wir haben eben nur begrenzte Kapazitäten. Da wir selbstverständlich auch die Inklusion praktizieren, sind unsere Klassengrößen auf 25 Schüler beschränkt.“ Kerstin Trägenapp-Zunkel, Abteilungsleiterin für die Jahrgänge 5 bis 7 ergänzt: „Mittlerweile beschränken sich die Anfragen nicht mehr nur auf den Zeitraum kurz nach den Sommerferien. Ich bekomme das ganze Jahr hindurch Anfragen.“ „Und das nicht nur für die unteren Klassen“, sagt Regine Schulze, Abteilungsleiterin der Jahrgänge 8 bis 10. „Auch bei mir häufen sich die Anfragen.“ Die Pädagogen raten den Eltern, stärker auf die Schulempfehlungen aus den Grundschulen zu vertrauen. „Die Lehrer dort“, sagt Landerbarthold, „kennen die Schüler seit vier Jahren. Und die Schulempfehlungen haben ihren Grund.“ Doch es gibt viele Eltern, die ihr Kind nach dem Motto anmelden: Wird schon gutgehen. Wenn sich das dann als Irrtum herausstellt, ist das Kind das Leidtragende. „Wenn es von einer Schule runter muss, weil es die Erprobungsphase nicht geschafft hat, müssen die Eltern sich um einen neuen Schulplatz kümmern. Erst wenn das nicht fruchtet, wird die Bezirksregierung eingeschaltet, die dem Kind eine Schule zuweist. Das ist natürlich verheerend für das Selbstwertgefühl des Kindes“, sagt Schulze. Der Weg zu einem höheren Bildungsabschluss hingegen sei immer frei – und besser für das Selbstwertgefühl.

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