Oerlinghausen 1.700 Kilometer bis zur Musik

Tournee: Zum fünften Mal in zehn Jahren reisen Schlagzeuger des Ensembles„Bi-Cussion“ unter der Leitung des Oerlinghausers Jörg Prignitz nach Spanien

Karin Prignitz
30.10.2018 | Stand 29.10.2018, 18:01 Uhr

Oerlinghausen / Barcelona. Menschen, die sich zu einer Pyramide aufeinandertürmen. Immer höher und höher. In Katalonien gehören die sogenannten Castells zu den Hauptattraktionen, seit einigen Jahren sogar zum Immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. Einer dieser Türme, aus Holz geschnitzt, ist auf dem Rathausplatz von Altafulla zu sehen. Ihm zu Füßen haben sich 18 Schlagzeuger der Musik- und Kunstschule (MuKu) Bielefeld von ihren spanischen Freunden und Fans verabschiedet. Das Konzert vor historischer Kulisse bildete den Abschluss einer zweiwöchigen Spanien-Tournee des Schlagzeugensembles „Bi-Cussion“ mit seinem Leiter Jörg Prignitz aus Oerlinghausen. Bereits zuvor hatte es Auftritte in Tarragona, Valls (der Stadt, in der die Menschentürme ihren Ursprung haben), Sitges, Cervera, Salou und Torredembarra gegeben. Nach den Konzerten werden die Instrumente zerlegt Durchweg begeistert zeigte sich das Publikum von der Vielseitigkeit, der Klasse und der Spielfreude der jungen deutschen Percussionisten. Kaum enden wollte der Applaus insbesondere in der Kirche „de Sant Domenec“ in Cervera. Dort bildete der Auftritt der „Bi-Cussions“ den krönenden Abschluss des großen Stadt- und Kulturfestes. Rund 400 Zuhörer spendeten stehenden Applaus. Die mitgereisten Familien begleiteten die Schlagzeuger im Alter zwischen 11 und 19 Jahren bei allen Auftritten. Die Jugendlichen selbst übernahmen das Gros des Auf- und Abbaus der vielen Instrumente. Nach jedem Konzert mussten sie, in ihre Einzelteile zerlegt, im Sprinter verpackt werden, vor den Auftritten wieder herausgeholt und zusammengebaut werden. Trotz des immensen Aufwandes gehören Auslandstourneen für das Schlagzeugensemble „Bi-Cussion“ der MuKu seit zehn Jahren zum guten Ton. Seit dem Jahr 2009, danach 2012, dann im Zweijahrestakt geht es in den Herbstferien an die Costa Daurada. Neben den Percussionisten und ihrem Lehrer Jörg Prignitz reisten auch diesmal die meisten Familien sowie Geschwister und Freunde mit, um sich auf den europäischen Weg der musikalischen Verständigung zu begeben. Altafulla – ein kleiner Ort trotzt dem Massentourismus Mit Autos und dem Flugzeug ging es in Richtung Barcelona. Ungezählte Instrumente, angefangen von Trommeln, Pauken und Drums bis hin zu Marimba- und Vibraphonen legten die Strecke in einem Transporter zurück. Ziel: das 1.700 Kilometer entfernte Altafulla, etwa eine Stunde entfernt von Barcelona. Im kleinen, malerischen Küstenort in der spanischen autonomen Region Katalonien, der sich nach wie vor erfolgreich weigert, dem Massentourismus Tür und Tor zu öffnen, wurden 13 Appartements bezogen und Leben in den kleinen Ort mit seinen 5.000 Einwohnern gebracht, dessen Strand als einer der saubersten in ganz Spanien gilt. Diesmal allerdings hatten einige stürmische Regentage im Vorfeld der Reise kaum noch etwas davon übrig gelassen. Also wurde für die Entspannung zwischendurch eine kleine idyllisch gelegene Bucht ausgewählt. Schon lange im Vorfeld hatte Jörg Prignitz dank seiner guten Kontakte in die spanische Region die mittlerweile fünfte Tournee mit Auftrittsorten rund um die spanische Hauptstadt organisiert. Mit sieben Konzerten waren so viele wie nie zuvor festgezurrt worden. Zwei davon unter freiem Himmel, denn die Temperaturen bewegen sich im Oktober immer noch um die 20 Grad. In Torredembarra, gelegen in der katalanischen Provinz Tarragona in Nordosten Spaniens, erlebten die spanischen Gäste die abwechslungsreichen Rhythmen der „Bi-Cussions“ auf dem „Placa del Mossèn Joaquim Boronat“, in Sitges ging es in einen Kinosaal, in Tarragona wurde im imposanten Saal der Caixa-Bank gespielt. Und stets wurde vehement nach einer Zugabe verlangt. Viel Anerkennung fanden neben dem Bi-Cussion-Programm, das von Freddy Mercurys „Bohemian Rapsody“ über „Still Loving You“ von den Scorpions bis hin zum emotionalen „Little Prayer“ in der Kirche von Cervera reichte, die gemeinsame Auftritt mit spanischen Schlagzeugschülern, unter anderem von der Musikhochschule Tarragona und einiger Musikschulen, zu denen mittlerweile gute Kontakte aufgebaut worden sind. Genau dieses Zusammengehörigkeitsgefühl mache „Bi-Cussion“ seit jeher aus, betont Jörg Prignitz. Eine Reise wie die nach Spanien, vor Publikum zu spielen, Anerkennung zu ernten, zusammenzuhalten und zu organisieren, „ist für die Schüler ein ungeheurer Motivationsschub“, so zieht der 60-Jährige nach der Rückkehr ein rundum positives Resümee. Dort hinein fließen auch das Badevergnügen im Meer, Ausflüge in die umliegenden Städte, in das weiter entfernte Dalí-Museum und dessen Wohnhaus, die köstlichen Tapas in der kleinen Strandbar „Polini“, Sangria und natürlich ein spanischer „Vino Tinto“. In zwei Jahren wird es voraussichtich wieder nach Spanien gehen.

realisiert durch evolver group